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Springer-Chef Mathias Döpfner: „Facebook darf nicht globaler Superzensor werden“

Springer-CEO Mathias Döpfner und Facebook-Boss Mark Zuckerberg bei der Verleihung des ersten Axel Springer Awards im vergangenen Jahr

Der Chef fordert klare Kante und geht gleich mal mit gutem Beispiel voran: Springer-CEO Mathias Döpfner spricht mit der Schweizer Zeitung Blick über den Kampf gegen Fake-News und sagt, warum es eben nicht die Aufgabe von Facebook sein darf zu entscheiden, ob eine Nachricht wahr ist oder eine Lüge. Zudem kritisiert er die Überlegungen innerhalb einiger öffentlich-rechtlicher Sendern, dem US-Netzwerk beim Markieren von Falschnachrichten zu helfen.

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In dem Interview mit dem Blick macht Döpfner klar, dass er es für den völlig falschen Ansatz hält, ein Technologie-Unternehmen über den Wahrheitsgehalt von journalistischen Produkten entscheiden zu lassen, wie es indirekt manche Beobachter und Politiker fordern:

Facebook ist kein Verlag, sondern ein Vertriebskanal. Um Inhalte verantwortungsbewusst auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen, braucht man Redaktionen, und die hat Facebook nicht. Überlegen Sie mal: Wenn Facebook auswählt, was angeblich richtig oder falsch – oder schlimmer: gut oder böse – ist, dann wird Facebook von einer Technologie-Plattform zum Medienunternehmen. Eine Art globaler Superverlag, der bestimmt, was die Menschen lesen oder sehen dürfen und was nicht. Diese Macht finde ich wirklich unheimlich.

Wie schwierig die Abwägung zwischen Wahrheit und Lüge tatsächlich ist, macht Döpfner in dem Gespräch mit den Schweizern an einem sehr prägnanten Beispiel fest: an Weihnachten. „Die Behauptung, dass an diesem Tag der Sohn Gottes geboren wurde, ist für Christen eine grundlegende Wahrheit. Für Juden und Moslems ist das Fake News. Muss Facebook dann die Weihnachtsgeschichte löschen?“

Döpfner ist davon überzeugt, dass die Suche nach der Wahrheit eine der wichtigsten Aufgaben des Journalismus ist. Der beste Kampf gegen Fake News sei deshalb, starke und vertrauenswürdige Medienmarken aufzubauen, so dass die Nutzer genau wissen: Wenn diese Information von diesem Absender kommt, dann ist sie gut recherchiert und alle Fakten sind überprüft.

Mit dieser Argumentation entlässt Döpfner Facebook nicht aus der juristischen Verantwortung von sich aus gegen Inhalte vorzugehen, die gegen die jeweiligen Gesetze der Länder verstoßen, in denen die entsprechenden Postings zu sehen sind.

Besonders fuchsig wird der Medien-Manager bei der Frage, ob das soziale Netzwerk in Zusammenarbeit mit einzelnen Medien eine spezielle Kennzeichnung von Fake-News einführen solle. An diesem Punkt zeigt Döpfner sich „ziemlich alarmiert“:

Tatsache ist: Facebook steht unter Druck, von der Politik und der Öffentlichkeit. Das darf aber nicht dazu führen, dass sie ihr Problem an die Medien delegieren. Schlimm genug, dass wir Verlage zu spät erkannt haben, dass es ein Fehler war, unsere Inhalte kostenlos im Internet zur Verfügung zu stellen. Jetzt dürfen wir nicht den zweiten Kardinalfehler machen.

Dieser wäre, dass man nun auch bereit wäre „die Kompetenz unserer Journalisten – auch zum Nulltarif bereitzustellen“. Deshalb hält er die Vorschläge zu dem Thema, die aus den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten kommen auch für „besorgniserregend“. „Hier wird offenbar darüber nachgedacht, Facebook beim Markieren von Falschnachrichten zu helfen. Warum sollten öffentliche Sender dies mit dem Geld der Gebührenzahler tun?“ Deren Auftrag sei es, exzellenten Journalismus zu betreiben und nicht dem US-Unternehmen dabei zu helfe seine Probleme zu beheben.

Döpfner sieht in der Debatte um Fake-News auch eine große Chance. Je mehr Verwirrung durch die gefälschten Nachrichten entsteht, „desto mehr werden die Menschen den Wert einer ernsthaft recherchierten Nachricht zu schätzen wissen“.

Das bedeute aber auch, dass sich die Redaktionen ihrer Aufgaben und ihrer Verantwortung wieder viel stärker bewusst werden. Der Springer-Manager sieht nämlich auch, dass sich viele Medien von ihren Lesern entfernt und einiges an Vertrauen verloren hätten (Beispiel Brexit und Trump). Döpfner folgert daraus: „Wir müssen authentischer und näher bei unseren Lesern sein. Mehr Klartext. Weniger political correctness.“

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