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„Das ist nicht das, was wir in einer Demokratie wollen“: Hackerkongress in Hamburg ruft zur Vernetzung auf

Mit einem Aufruf zum gemeinsamen Vorgehen gegen Hass und Ignoranz hat der Chaos Computer Club (CCC) den größten europäischen Hackerkongress eröffnet. Die Bloggerin Anna Biselli forderte die 12.000 Teilnehmer am Dienstag dazu auf, sich zu vernetzen und gemeinsam für eine bessere Welt einzutreten. Während CCC-Sprecher Linus Neumann vor einer „Ausweitung der Videoüberwachung“ warnte.

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Man könne sich nicht „unter einer gemütlichen Decke verstecken“, sagte Biselli Biselli. Die Freiheiten der Menschen würden zunehmend eingeschränkt, kritisierte sie. „Versucht das nächste Jahr zu einem besseren zu machen.“

Aktivistin Elisa Lindinger, die in der Open Knowledge Foundation für freies Wissen eintritt, sprach mit Bezug auf das Kongressmotto „Works for Me“ (funktioniert für mich) von einer Welt voller Fehler. Nichts scheine mehr zu funktionieren. Statt mit den Ideen einer vernetzten Welt sei man konfrontiert mit Isolation, Depression und Hass. Die Veranstalter wollen mit dem diesjährigen Motto eine typische Haltung von Software-Entwicklern, aber auch anderen Gruppen infrage stellen: Wenn für sie selbst etwas funktioniert, kümmern sie sich nicht weiter um mögliche Probleme.

Darüber hinaus hat der CCC nach dem Berliner Weihnachtsmarktanschlag vor einer Ausweitung der Videoüberwachung auf Straßen und Plätzen gewarnt. Das Ergebnis wäre ein großes vernetztes System, das eine Vollüberwachung aller Menschen in der Öffentlichkeit ermöglichen würde, sagte CCC-Sprecher Linus Neumann am Dienstag in Hamburg. In England sei diese Entwicklung mit der Verbindung einzelner Geräte zur Videoüberwachung schon jetzt erkennbar.

„Dann wäre die Vollüberwachung, die wir im Internet schon haben, auch in der Öffentlichkeit Realität“, sagte Neumann zum Auftakt des CCC-Kongresses der Deutschen Presse-Agentur. In Verbindung mit neuer Software zur Gesichtserkennung könnten die Behörden dann erfassen, wer sich wann an welchem Ort aufhalte und mit wem getroffen habe. „Das ist nicht das, was wir in einer Demokratie wollen“, sagte Neumann. „Wenn wir das einmal haben, gibt es kein Entkommen mehr – deswegen müssen wir es bekämpfen, bevor es entsteht.“

Mehr Videoüberwachung hätte den Anschlag mit zwölf Toten in Berlin nicht verhindert, sagte Neumann. „Es ist empörend, wie hier mit der Forderung nach mehr Videoüberwachung von dem eigentlichen Versagen der Ermittlungsbehörden abgelenkt wird.“

Der 33. Chaos Communication Congress geht noch bis Freitag und ist seit Wochen ausverkauft. Neben aktuellen Problemen wie Cyberangriffen oder Datenklau beschäftigt die Hacker auch das Thema Rechtspopulismus, zu dem mehrere Vorträge angesetzt sind.

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