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Neuer „Winnetou“-Dreiteiler bei RTL: Warum das Einschalten nicht nur für Karl May-Fans lohnt

Im RTL-Film spielt Wotan Wilke Möhring Old Shatterhand und Nik Xhelilaj Winnetou

Über 50 Jahre sind seit dem letzten „Winnetou“-Streifen vergangen. Nun kehrt der Kult-Western von Karl May mit einem neuen Dreiteiler an den Weihnachtsfeiertagen zurück. Produziert wurde dieser von RTL, einem nicht gerade für Spielfilm-Eigenproduktionen bekannten Sender – dazu mit einem „Tatort“-Kommissar als Old Shatterhand und einem bis dato unbekannten Winnetou aus Albanien. Kann das gelingen?

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Es ist schwer zu sagen, was Karl-May-Fans seit der Comeback-Meldung im März 2015 mehr schlaflose Nächte bereitet haben könnte: Der Umstand, dass ihr formvollendeter Western nach über 50 Jahren noch einmal neu aufgelegt wird. Oder die Tatsache, dass die drei neuen „Winnetou“-Filme von RTL produziert werden. Wahrscheinlich beides. Doch bereits nach wenigen Szenen dürfen nicht nur Fans beruhigt sein: Die gefeierte Geschichte um zwei scheinbar ungleiche Blutsbrüder scheint beim Kölner Privatsender bestens aufgehoben.

Für knapp fünf Stunden entführt die Feiertags-Trilogie – namentlich „Eine neue Welt“ (25.12., 20.15 Uhr, RTL), „Das Geheimnis vom Silbersee“ (27.12.) und „Der letzte Kampf“ (29.12.) – in den wilden Westen. Also: In die Berge Südkroatiens, in denen auch die Karl-May-Filme aus den 60er-Jahren entstanden sind. Dabei ist RTL allerdings einem neuen Ansatz gefolgt: Der Dreiteiler glaubt dem leidenschaftlichen Schwindler Karl May, der sich zeitlebens (1842 – 1912) etwa als Arzt oder Lehrer ausgegeben hat. Und versetzt ihn zu Beginn des Erstlings – May behauptete auch, er habe die „Winnetou“-Abenteuer selbst erlebt – ins Amerika von 1860; dem Dreh- und Angelpunkt seiner Erzählung.

Gespielt wird May/Old Shatterhand von Wotan Wilke Möhring, bisher u.a. als „Tatort“-Kommissar Falke im kriminellen Norden Deutschlands unterwegs. Lex Barker († 1973) macht er dabei keine Konkurrenz – aus lobenswertem Grund: Möhring packt den sächsischen Landesvermesser anders als sein Vorgänger an. Old Shatterhand, der sich seinen Namen bei einer Saloon-Schlägerei verdient, kommt hier als hemdsärmliger, aber herzlicher Nomade daher. Er hat weniger Vorurteile gegenüber der für ihn fremden Welt, bringt dafür aber mehr (deutsche) Schrullen mit. Ohnehin kommen die neuen „Winnetou“-Filme mit ungewohnt viel Humor daher.

Auch anders als seinerzeit bei Pierre Brice († 2015): Der neue Winnetou ist oben ohne. Gespielt wird er von Nik Xhelilaj – in Deutschland noch ein unbeschriebenes Blatt, in seiner Heimat Albanien bereits ein gefeierter Schauspieler. Eine gewöhnungsbedürftige aber gelungene Besetzung, verleiht Xhelilaj dem wortkargen Indianer nicht nur eine beeindruckende physische Präsenz. Sondern auch, und das trotz wenig Text, viel Seele. Seine Schwester Nscho-tschi spielt die Mexikanerin Iazua Larios („Apocalypto“), die in der Neuauflage zur Stammes-Schamanin aufgewertet wird. Als Fahrgast in einer Kutsche ist sogar Maria Versini, die ehemalige Nscho-tschi, in einem kleinen Gastauftritt zu sehen, während Mario Adorf als fieser Santer zurückkehrt. Abgerundet wird der hochkarätige Cast u.a. von Jürgen Vogel („Die Welle“) als Rattler, Milan Puschel („Der Nanny“) als Sam Hawkins und Fahri Yardim („Tatort“) als Gangster El Mas Loco.

Regisseur Philipp Stölzl („Der Medicus“, „Nordwand“) und Produzent Christian Becker („Fack Ju Göhte“, „Der Wixxer“) haben aber nicht nur bei der Besetzung nichts dem Zufall überlassen. Immerhin soll der Dreiteiler, der in 81 Drehtagen entstanden ist, um die 13 Millionen Euro gekostet haben. Die Titelmelodie wurde leicht modernisiert (Schöpfer und Komponist Martin Böttcher war bei der Neuaufnahme dabei), die Filmindianer werden neuerdings untertitelt anstatt synchronisiert. Insgesamt bleibt das Gefühl, dass die Neuauflage den Figuren etwas mehr Tiefe und Authentizität einräumt.

Da fällt es schon fast gar nicht mehr auf, dass die bildgewaltigen Panorama-Shots aus dem Wilden Westen in Kroatien entstanden sind.

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