„Merkels Tote“: So instrumentalisiert die AfD den Lkw-Anschlag in Berlin in den sozialen Medien für ihre Zwecke

AfD-Chefin Frauke Petry will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch einen abgespeckten Bürgerfunk ersetzen. Reine Unterhaltungsprogramme sollten den Privatsendern überlassen werden

Wie in Worte fassen, was kaum in Worte zu fassen ist? Die AfD wählte schon kurz nach dem Bekanntwerden der Todesfahrt auf dem Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche schrille Töne. Als „Merkels Tote“ bezeichnete Marcus Pretzell, Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen, die Opfer. Seine Lebensgefährtin Frauke Petry legte Stunden später mit einem Facebook-Post nach, in dem sie den Anschlag mit der Forderung verknüpfte: „Merkel muss weg“. In den sozialen Medien reagieren Nutzer und Politiker entrüstet auf die AfD-Statements.

Marcus Pretzell hat sich schnell eine Meinung gebildet. Um 21.15 Uhr gestern – also rund eine Stunde nach den ersten Berichten über den Lkw-Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche am Breitscheidplatz – ordnete der AfD-Landesvorsitzende die zu diesem Zeitpunkt eher unübersichtliche Nachrichtenlage auf Twitter mit folgendem pietätlosen Tweet ein:

Kein Wort der Anteilnahme, sondern der Schuldzuweisung. Die deutsche Bundeskanzlerin wäre für die inzwischen 12 Opfer der Lkw-Attacke verantwortlich, versucht Pretzell die Vorkommnisse zu instrumentalisieren und legt auf dem 140-Zeichen-Dienst weiter nach.

Es folgen Retweets von Donald Trump und Marion Le Pen, die sich beim Anschlag auf (islamistische) Terror-Attacken festlegen:

In den sozialen Medien reagieren Politiker wie Cem Özdemir von den Grünen und Niema Movassat von den Linken sowie zahlreiche Nutzer, darunter der ehemalige FAZ-Herausgeber Dr. Hugo Müller-Vogt und Bild-Chefredakteurin Tanit Koch, fassungslos auf Pretzells Äußerungen:

Unterstützung erhält Pretzell von seiner Lebensgefährtin Frauke Petry, die wenig später einen Facebook-Post mit dem Titel „In Trauer und Wut“ verfasst, der den Weihnachtsmarkt-Anschlag ebenfalls instrumentalisiert und gleichermaßen mit der Politik der Bundeskanzlerin in Verbindung bringt.

„Unter dem Deckmantel der Hilfsbereitschaft hat Merkel unsere innere Sicherheit völlig aufgegeben“, erhebt die AfD-Chefin wenige Stunden nach der Attacke, die 12 Menschen das Leben kostete, schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung, die im Wahlkampfschlachtruf „Merkel muss weg“ gipfeln.

Entsprechend kontrovers wird Petrys Post bei Facebook diskutiert: