Partner von:
Anzeige

„Der Albtraum ist wahr geworden“: die Medienstimmen zum Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt

berlin-handelsblatt.jpg

Es ist der Morgen danach: Zeit für eine erste Einordnung. In ersten Kommentaren und Analysen bewerten die Medien den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. So schreibt Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart in seinem Morning-Briefing: „Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche wird so zum Wahrzeichen einer neuen Zivilisationsfinsternis“. In der FAZ meint Jasper von Altenbrockum: „„Der Albtraum ist wahr geworden“.

Anzeige
Anzeige

Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart schreibt in seinem Morning Briefing: “Der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wird so zum Wahrzeichen einer neuen Zivilisationsfinsternis: Im Schatten des alten Wahnsinns wächst der neue. Neben der Turmruine, die vom Bomberkrieg über Berlin erzählt, befindet sich ein LKW, der offenbar kaltblütig in ein Mordinstrument verwandelt wurde. Und die Regierung? Kauft Drohnen und neue Kampfflugzeuge, nicht um den Terrorismus, sondern um die eigenen Ohnmachtsgefühle zu bekämpfen. Man will uns beeindrucken, nicht die Täter. Denn die laufen zwischen den Fronten hin und her wie die Eichhörnchen im Stadtpark. Wem der Bau einer Rucksackbombe zu kompliziert ist, setzt sich ins Führerhaus eines Lastwagens. Der Krieg ist disruptiv geworden, die Regierung nicht. (…) Die Kerze der Zuversicht ist gestern Abend nicht erloschen. Aber sie hat zu flackern begonnen.”

Auf Süddeutsche.de kommentiert Heribert Prantl: “‘Meinen Hass bekommt ihr nicht!’ Das schrieb der französische Journalist Antoine Leiris, der beim Anschlag im Konzerthaus Bataclan in Paris seine Frau verloren hat. Es ist auch eine Antwort auf den Anschlag von Berlin.”

Der Innenpolitik-Experte der FAZ, Jasper von Altenbockum fragt: „Kann noch jemand so einfach sagen: Frohe Weihnacht?“. Seine Antwort: „Nach dem Anschlag von Berlin fällt das schwer, ist es für viele unmöglich. Trost spendet in solchen Zeiten vielleicht nicht mehr der Weihnachtsmarkt, wohl aber die Botschaft der Weihnachtsgeschichte.“

In seinem Kommentar sagt der Chefkorrespondent des Deutschlandradios, Stephan Detjen: “Deutschland war darauf vorbereitet, dass sich ähnliches hier wiederholen könnte. Dafür sprachen gestern Abend die professionell und besonnen wirkenden Reaktionen von Einsatzkräften, Polizeisprechern und auch der verantwortlichen Politiker. Verantwortlich jedenfalls haben diejenigen gehandelt, die sich nicht zu Kurzschlüssen hinreißen ließen, den Begriff Terror zunächst nur mit dem Verweis auf ausstehende Ermittlungen verwendeten.“

Anzeige

In seinem Kommentar bei Spiegel Online zählt Roland Nelles auf, was alles in der jetzigen Situation vernünftig sei. So schreibt er: „Vernünftig ist es, sich Hasspredigern in den Weg zu stellen: Wer die Lage jetzt, wie die Zyniker von der AfD, ausnutzen will, um Menschen gegen Menschen aufzuhetzen, betreibt das Geschäft der Terroristen. Sie wollen uns auseinandertreiben, sie wollen uns verunsichern und einen Krieg der Kulturen heraufbeschwören. Ihr Hass soll immer neuen Hass erzeugen. Das ist der Weg, der geradewegs ins Unheil führt. Wir dürfen ihn nicht mitgehen.“

In seinem Checkpoint-Letter beschäftigt sich der Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt mit der Frage des richtigen Umgangs mit solch einer Tragödie. So fragt er: „Wie gehen wir um mit der Angst?“. Seine Antwort: „Weihnachtsmärkte gelten schon seit Jahren als Anschlagsziele, wegen der Menschenmengen, auch wegen ihrer Symbolik – und weil sie schwer zu schützen sind. Ein Anziehungspunkt waren sie trotzdem auch diesmal, für Hunderttausende allein in Berlin.“ Weiter führt er aus: „Nach dem Amoklauf von Utoya 2011 hatte der damalige norwegische Ministerpräsident Stoltenberg herausfordernde Worte gesagt – herausfordernd nicht gegenüber den Angreifern der offenen Gesellschaft, sondern ihren Verteidigern und Trauernden: „Die Antwort auf die Attacken muss heißen: mehr Demokratie und mehr Offenheit. Andernfalls werden diejenigen, die dahinter stecken, ihre Ziele erreicht haben.“ Das gilt auch heute, ganz egal, wer der Täter war und woher er kam.“

Bei Zeit Online schreibt Andrea Backhaus: “Um zu vermeiden, dass durch Vorfälle wie jetzt in Berlin berechtigte Ängste zu irrationalen Pauschalisierungen aufgebläht werden, ist es wichtig, noch einmal auf ein paar Fakten zu verweisen: Die große Mehrheit der Muslime in der Welt lebt friedlich miteinander. Die allermeisten Menschen, die aus Syrien, dem Irak oder Pakistan zu uns geflohen sind, verachten Gewalt, ja, viele sind genau davor geflohen. Vor den Bombenanschlägen in Bagdad, den Vergewaltigungen durch den IS in Mossul, den Gräueltaten durch extremistische Gruppen in Syrien. Die meisten Opfer islamistischen Terrors sind nicht Christen, sondern Muslime. Ja, der islamistische Terror ist ein gewaltiges globales Problem. Er wird uns auch in den kommenden Jahren umtreiben, uns herausfordern, uns auch verzweifeln lassen. Begegnen können wir ihm aber vor allem durch Zusammenhalt. Hass und Hetze spielen ihm dagegen in die Hände.”

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Ein wirklich guter Artikel dazu liebe Meedia Redaktion war leider nicht bei euch zu finden:

    Wie fühlt sich das an?

    Durch eine selbstherrlich getroffene Blitzentscheidung verloren gestern in Berlin weitere 12 Menschen, die nichts anderes taten, als auf einem Weihnachtsmarkt friedlich dem Ende dieses Jahres entgegen zu sehen, ihr Leben. Durch eine Blitzentscheidung wurden mehr als 48 Menschen teils so schwer verletzt, dass sie entweder noch um ihr Leben ringen, oder – sollten sie es überleben – für den Rest davon gezeichnet sein werden.

    Wie fühlt es sich an für die Merkels, die Bahnhofsklatscher und Teddybärschmeisser, wenn man auf solch eine grauenhafte Bilanz zurück blicken kann? Was für ein Gefühl ist das? Welche Argumente findet man für sich selbst, wenn man sich auch jetzt – nach Berlin- noch immer hinstellt und das unkontrollierte Hereinimmigrieren von hunderttausenden, kulturfremden Menschen bedingungslos verargumentiert?

    An all jene, die ihre Menschlichkeit durch die Merkelsche »Flüchtlingskrise« erst entdeckt haben, an all jene, die ihr ach so großes Herz für die Herbeigeflüchteten scheunentorweit offen hielten und halten um eine Armada von Unbekannten aus mehrheitlich muslimischen Heimaten ohne Sicherheitsüberprüfung in unserem Land willkommen zu heißen, was sagt ihr den Zurückgebliebenen des gestrigen Anschlags? Was sagt ihr den vergewaltigten, sexuelle gedemütigten Frauen und Kindern der letzten Monate? Wie fühlt es sich an, wenn das eigene Tun Resultate zeitigen wie Würzburg, Ansbach, Hannover und nun Berlin? Und an alle, die wieder einmal meinen, dass das alles mit nichts zu tun hat: Bitte spart euch eure »Ich bin ein Berliner«. Lasst uns mit Eurem geheuchelten »Pray for Berlin«- Mist in Frieden. (BS)……….
    http://www.metropolico.org/2016/12/20/wie-fuehlt-sich-das-an/

    1. 2009 raste im Sauerland ein Rentner in einen Schützenfestumzug. Zwei Tote, 50 Verletzte.
      https://www.welt.de/vermischtes/article4149673/Rentner-rast-im-Sauerland-in-Schuetzenzug.html

      Was tun, um so etwas zu verhindern?

      Haben Sie mal in einer Flüchtlingsunterkunft geholfen? Haben Sie die vielen Kindern gesehen, deren Leben gerettet wurde? Glauben Sie, wir können Anschläge verhindern, wenn wir die Hilfsbedürftigen verrecken lassen? Sind Sie noch Mensch oder schon Tier?

      Vielleicht können Sie sich jetzt vorstellen, wieviel unendlicher Hass entsteht, wenn irgendwo im nahen Osten wieder eine Drohne “aus dem Westen” in ein Haus einschlägt und eine ganze Familie tötet.

      Eine wichtige Erkenntnis der Gewaltforschung: Wer nichts mehr zu verlieren hat, hat nichts mehr zu verlieren.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia