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Mindestens 74 Journalisten getötet, 348 inhaftiert und 52 entführt: düstere Jahresbilanz von Reporter ohne Grenzen

Im Kampf gegen die Pressefreiheit: Syriens Machthaber Baschar al Assad und der türkische Staatspräsident Erdogan (r.)
Im Kampf gegen die Pressefreiheit: Syriens Machthaber Baschar al Assad und der türkische Staatspräsident Erdogan (r.)

Im Jahr 2016 sind weltweit mindestens 74 Journalisten, Bürgerjournalisten und Medienmitarbeiter wegen ihrer Arbeit getötet worden – fast drei Viertel von ihnen wurden dabei gezielt angegriffen. Diese beunruhigenden Zahlen legen nun die Reporter ohne Grenzen im zweiten Teil ihres Jahresberichtes vor.

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Unter den Getöteten waren 57 professionelle Journalisten, neun Bürgerjournalisten und acht Medienmitarbeiter. Diese Zahlen hat die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) an diesem Montag im zweiten Teil ihrer Jahresbilanz zur Pressefreiheit veröffentlicht. Damit seien in den vergangenen zehn Jahren mindestes 695 professionelle Journalisten im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden.

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Rund zwei Drittel der gewaltsamen Todesfälle entfielen dieses Jahr dabei auf Kriegs- und Konfliktregionen – die gefährlichsten Länder für Journalisten und Medienschaffende waren 2016 demnach Syrien, Afghanistan, Mexiko, der Jemen und Irak.

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Das gefährlichste Land außerhalb von Kriegsgebieten ist demnach erneut Mexiko, wo im Laufe des Jahres mindestens neun professionelle Journalisten im direkten Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet wurden „Besonders erschreckend ist, dass so viele Journalisten gezielt wegen ihrer Tätigkeit angegriffen und ermordet werden“, sagte ROG-Vorstandssprecherin Britta Hilpert. „Diese Zahlen zeigen, wie folgenlos bisher alle internationalen Bemühungen geblieben sind, Journalisten besser vor Gewalt zu schützen. Der künftige UN-Generalsekretär Antonio Guterres sollte den Schutz von Journalisten zu einer vordringlichen Aufgabe machen und schnellstmöglich einen Sonderbeauftragten berufen, um die vielen Beschlüsse zu diesem Thema endlich durchzusetzen.“

Im Jahr zuvor seien noch mindestens 101 Medienschaffende, darunter 67 professionelle Journalisten, wegen ihrer Arbeit getötet worden. Der Rückgang sei jedoch kein gutes Zeichen, erkläre sich dieser doch vor allem dadurch, dass aus einigen Ländern viele Berichterstatter geflohen sind – “weil die Fortsetzung ihrer Arbeit dort zu gefährlich geworden wäre”, heißt es in dem Bericht. “Dies gilt insbesondere für Syrien, den Irak, Libyen, den Jemen, Afghanistan und Burundi. Damit fehlen gerade aus Ländern mit akuten politischen Konflikten unabhängige Informationen, die es auch der Weltöffentlichkeit ermöglichen würden, sich ein verlässliches Bild von der Lage dort zu machen.”

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Bereits vergangene Woche hat ROG beunruhigende Zahlen im Rahmen des ersten Teiles der Jahresbilanz veröffentlicht. Insgesamt befinden sich nach ROG-Angaben derzeit sechs Prozent mehr Medienschaffende in Haft als noch im vergangenen Jahr. Zudem seien derzeit 52 Entführungen bekannt, von denen fast die Hälfte auf das Konto des IS geht.

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Die Gefahren für Journalisten gehen aber nicht nur von terroristischen Gruppen oder Geheimdiensten aus. „Die Hexenjagd gegen Journalisten in der Türkei sprengt alle bekannten Dimensionen“, erklärt Hilpert. Dort werden Journalisten ganz öffentlich aus dem Verkehr gezogen. Weltweit sind insgesamt 348 Verhaftungen von Medienschaffenden bekannt. 187 zählt Reporter ohne Grenzen als professionelle Journalisten, 146 seien Blogger und Bürgerjournalisten, 15 seien sonstige Medienmitarbeiter.
Wie viele Journalisten unter der Regierung von Recep Tayyip Erdogan festgenommen worden sind, kann die Nichtregierungsorganisation nicht sagen. Man geht von mehr als 100 Menschen aus. „Bei 41 von ihnen ist nach sorgfältiger Prüfung durch ROG ein Zusammenhang der Haft mit ihrer journalistischen Tätigkeit eindeutig. Bei Dutzenden weiteren ist er nicht auszuschließen, hat sich bislang aber nicht mit Sicherheit feststellen lassen“, heißt es im Bericht weiter.

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