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Der „Zickenkrieg“ zwischen SZ-Magazin und Mobilegeeks und Hans-Jürgen Jakobs beim Kopp-Verlag

Was ist mit dem Gesicht von Stefan Niggemeier passiert? Und ist SZ-Magazin-Chef Timm Klotzek in Wahrheit ein Bot?
Was ist mit dem Gesicht von Stefan Niggemeier passiert? Und ist SZ-Magazin-Chef Timm Klotzek in Wahrheit ein Bot?

Das SZ Magazin hat diesen Freitag „exklusiv“ die Arbeitsbedingungen von Facebooks Löschknechten in Berlin enthüllt. Darüber, ob diese Enthüllung wirklich so „exklusiv“ ist, entwickelte sich ein Zank mit dem Techblog Mobilegeeks. Und sonst? Stefan Niggemeier hat ein neues Gesicht, der DLD ein neues Motto und Hans-Jürgen Jakobs eine ganze Seite im neuen Kopp-Weihnachtsprospekt. Der neue MEEDIA-Wochenrückblick.

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Der aktuelle Aufmacher im SZ-Magazin „Im Netz des Bösen“ (Paid Content) ist ein starkes Stück Journalismus. Die Autoren Hannes Grassegger und Till Krause haben mit Mitarbeitern der Löschfabrik gesprochen, die die Bertelsmann-Tochter Arvato im Auftrag von Facebook in Berlin betreibt. Dort sollen rund 600 Leute damit beschäftigt sein, das Social Network von Inhalten zu säubern, die nicht den berühmten Gemeinschaftsstandards von Facebook entsprechen.

Der Artikel zeichnet ein insgesamt trostloses und erschreckendes Bild von überforderten Mitarbeitern, die mit schrecklichen Fotos und Videos in Dauerschleife konfrontiert werden. Das SZ Magazin dokumentiert auch einige der Regeln, nach denen Facebook löschen lässt. Das ist alles ohne Zweifel sehr interessant und relevant. Aber ist es auch „exklusiv“? Sascha Pallenberg, Noch-Macher des Techblogs Mobilegeeks und auf dem Sprung zu Daimler, meint nein. Pallenberg hat in einem Artikel dem SZ Magazin den Exklusivitäts-Charakter abgesprochen und bringt gar den Begriff „Story-Klau“. Grund ist, dass Mobilegeeks vor einigen Wochen schon eine Story zum selben Thema veröffentlicht hat. Auch da ging es um die Lösch-Regeln von Facebook und Mobilegeeks-Autor Carsten Drees hat mit einem Ex-Arvato-Mitarbeiter gesprochen. Beide Texte sind freilich von der Herangehensweise und Tonalität unterschiedlich. Mobilegeeks legt den Fokus auf die Mechanik der Löschregeln von Facebook und macht die Probleme dabei anhand von Beispielen sehr gut deutlich. Im SZ-Magazin werden die psychologischen Belastungen und Probleme der Arvato-Mitarbeiter viel stärker betont, die bei Mobilegeeks keine Rolle spielen.

Bei Mobilegeeks hatten sie sogar noch früher über die „Müllabfuhr des Internets“ geschrieben, Billiglöhner auf den Philippinen, die sich abmühen, das Internet im Auftrag von Facebook und anderen sauber zu halten. Wired hat bereits 2014 einen Bericht über die Arbeiter, die „Schwanz-Fotos“ und „Enthauptungen“ aus dem Facebook-Feed raushalten, veröffentlicht. In der ausführlichen Wired-Story geht es auch vor allem um die Lösch-Arbeiter auf den Philippinen, aber eben auch im Detail um die psychologischen Auswirkungen dieser Tätigkeit. Das SZ-Magazin hat nun Ähnliches für den Standort Berlin berichtet. All diese Stories haben ihre Berechtigung. Das Exklusiv-Geklingel des SZ-Magazins war aber angesichts dessen, dass es schon eine ganze Reihe ähnlicher Berichte gab, ein bisschen sehr laut.

Stichwort „exklusiv“. Pallenberg schreibt:

Exklusiv ist an dieser Stelle dann auch das Zauberwort. Exklusiv ist hier bei uns verboten. Wer meint, er hätte eine exklusive Story und müsste dann „Exklusiv“ in den Titel packen, der fliegt. Warum? Er/sie hat dann einfach nicht verstanden, wie Medien im 21. Jahrhundert funktionieren und dass es de facto keine Exklusivität mehr gibt. Mit einem Klick auf „Veröffentlichen“ hat sich die Exklusivität in das aufgelöst, was sie letztendlich ist. Ein Marketinginstrument aus einer Zeit, als die Zeitungsverkäufer noch „Extrablatt“ schrien und sich in ihrem Vertriebsmodell in eine Reihe neben „Aale-Dieter“ und „Bananen-Manni“ stellen konnten. Exklusiv ist sowas von 60er Jahre, außer… ja außer du arbeitest bei der Süddeutschen Zeitung, denn da muss man noch ordentlich für die Auflage trommeln.

Ganz unrecht hat Pallenberg da nicht, was die Entwertung des Begriffs „exklusiv“ betrifft. SZ-Magazin Chefredakteur Timm Klotzek sieht das naturgemäß anders. Gegenüber MEEDIA bezeichnet er die Kritik Pallenbergs als „befremdlich“ und verteidigt den Exklusivitätsanspruch des SZ-Magazins. Das macht er auch bei Twitter. Allerdings nicht besonders geschickt:

Schade, dass dieser „Zickenkrieg“ (Thomas Knüwer) nun die Aufmerksamkeit so ein bisschen weg vom eigentlichen Thema lenkt.

Bald ist es wieder soweit und die Digital- und Medien-Hautevolee schaut auf dem Weg nach Davos bei Burdas DLD in München vorbei. Vom 15. bis 17. Januar 2017 steigt die Digital-Sause zum 13. Mal, und zwar immer noch in den angestammten Räumen der Alten Bayerischen Staatsbank (früher HVB-Forum). Dabei hieß es schon vor zwei Jahren, der DLD müsse sich eine neue Location suchen, weil das HVB-Forum zum Hotel umgebaut würde. Naja, die Burdas wird’s freuen. Die Räumlichkeiten dort sind nämlich ziemlich ideal. Das Motto des DLD lautet diesmal übrigens: „… what’s the plan?“ Meine Vorschläge für Mottos der kommenden Jahre: „WTF!?“, „Say whaaat?“ oder auch „Isso!“ Kontoverbindung für Beratungshonorar bitte schriftlich erfragen.

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Apropos Bullshit-Bingo. Da hat der scheidende DLD-Co-Impresario Dominik Wichmann (schafft wie Pallenberg auch bald für Daimler) diese Woche auf der Siemens Communications Conference eine neue Benchmark gesetzt:

„Don’t only tell stories well, live them.“ Da muss man auch erst einmal drauf kommen.

Und weil Weihnachten vor der Tür steht, hier noch etwas Versöhnliches aus der weiten Welt der Medienkritik. Bei Übermedien.de machte sich Stefan Niggemeier diese Woche über die geklonten Gesichts-Überschriften bei Bunte.de lustig. Und wie reagierte man bei Bunte.de? Man widmete Niggemeier einen eigenen Gesichts-Artikel im Beauty-Ressort. Eine schöne Reaktion auf die Kritik.

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Der Kopp Verlag dürfte dem einen oder anderen Leser hier durchaus ein Begriff sein. Mitten im neuen Kopp-Weihnachtsprospekt fand ich zwischen Anpreisungen für Bücher von Erich von Däniken („Die Götter waren Astronauten“), dem Tatsachenreport „Die Erde ist ein Projekt der Aliens“ und der Gulaschkanone „Eintopfofen” (Einsatzbereich von der Krisenvorsorge bis zur Gartenparty) das neue Werk von Handelsblatt Senior Editor Hans-Jürgen Jakobs „Wem gehört die Welt?“.

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Say whaaat!? Der „jj“ beim Kopp? Dem Buch, in dem Jakobs und Kollegen die Reichen und Mächtigen porträtieren, widmete der Kopp Verlag eine ganze Seite gleich neben den Werken von Sahra Wagenknecht („Reichtum ohne Gier“) und Thomas Gebert („Was zu tun ist, wenn es soweit ist“). Aber keine Panik: Jakobs’ Buch ist natürlich nicht wirklich im Kopp-Verlag erschienen, sondern im Albrecht Knaus Verlag. Kopp verkauft und vertreibt das Buch nur. Man kann sich halt nicht immer aussuchen, von wem man verkauft wird. An wen übrigens auch nicht.

Schönen vierten Advent!

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