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„Print im freien Fall … wer muss gehen? Der Online-CR“: Die Reaktionen auf die Demission von SpOn-Chef Harms

Musste zum Bedauern der eigenen Redaktion gehen: Florian Harms, Ex-Chefredakteur von Spiegel Online, erhielt bei Twitter viele Danksagungen

Nur knapp zwei Jahre dauerte die Amtszeit von Spiegel-Online-Chefredakteur Florian Harms. Viele Mitarbeiter drückten nach der Demission des Journalisten am Dienstag in den sozialen Netzwerken ihr Bedauern aus, auch Kollegen anderer Häuser äußerten sich. So auch Wolfgang Büchner, der selbst mal SpOn- und Spiegel-Chef war.

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Büchners Tweet ist insofern bemerkenswert, als dass den ehemaligen Spiegel-Chefredakteur vor ziemlich genau zwei Jahren ein ähnliches Schicksal ereilte. Nach mehreren Wochen der Unruhe und Machtkämpfen an der Ericusspitze wurde Büchner, der für Print und Online zuständig war, schließlich freigestellt. Als erster Mann bei Spiegel Online folgte ihm Florian Harms, der zu diesem Zeitpunkt bereits stellvertretender Chefredakteur war. Nun wird Harms von seiner Stellvertreterin Barbara Hans abgelöst.

Büchner, der sich nach seiner Demission nie öffentlich zu den Vorgängen äußerte, reagierte nun mit Unverständnis auf die Abberufung seines Nachfolgers. Bei Twitter stichelte er: „Print im freien Fall, Online innovativ und in einem schwierigen Markt stabil. Wer muss gehen? Der Online-CR….“.

Die genauen Hintergründe, weshalb Harms seinen Platz in der Spiegel-Online-Redaktion letztlich räumen musste, sind noch nicht vollständig geklärt. Wie es heißt, sei man von Verlagsseite mit dem von ihm eingeführten Bezahlsystem Laterpay und dessen Entwicklung nicht einverstanden gewesen. Auch über Harms‘ Führungsstil und seine Einstellung zur Zusammenarbeit wird als Gründe spekuliert.

Außerhalb des Spiegel-Gebäudes an der Ericusspitze in Hamburg wird Harms‘ Demission jedenfalls als Verlust gewertet. Anita Zielina, bis kurz nach Abberufung des ehemaligen stern-Chefredakteurs Dominik Wichmann dortige Online-Chefin und jetzige Digital-Chefin bei der NZZ, spricht von einem „Fehler“, der zeige, was für ein „unschöner Ort“ diese Branche manchmal sei.

Auch viele Kollegen aus dem Spiegel-Verlag drückten ihr Bedauern aus. Sven Oliver Clausen, stellvertretender Chefredakteur des Manager Magazins, beschrieb Harms als „Kollegen wie aus dem Bilderbuch“, Matthias Streitz, unter Harms Mitglied der Chefredaktion geworden, dankte seinem Chef fürs „Fördern, Fordern und machen lassen“, andere lobten – vielleicht auch der Spekulationen wegen – die Art der Zusammenarbeit und seinen Führungsstil.

Und Harms selbst? Der verbrachte wohl einige Stunden damit, die vielen Dankes-Tweets und Wünsche für die Zukunft einzeln zu beantworten. Eine neue Twitter-Bio gab es auch noch: „When they go low, we go high“.

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