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Vier Jahre nach Gruner+Jahr-Ausstieg: Wie Nikolaus Förster für Impulse eine neue Zukunft gefunden hat

Nikolaus Förster
Nikolaus Förster

Vom Magazinverlag zu einem Dienstleister für Unternehmer und Selbständige - Chefredakteur und Firmeninhaber Nikolaus Förster hat das Wirtschaftsmagazin Impulse nach dem Rauskauf von Gruner + Jahr mit vielen Zusatzgeschäften - wie Seminaren, Konferenzen und dem Einstieg ins Buchgeschäft - breiter aufgestellt, um sich im hart umkämpften Markt der Wirtschaftsmedien zu behaupten. Die Strategie scheint aufzugehen, auch wenn Förster noch nicht weiß, ob sein Unternehmen nach zwei Verlustjahren 2016 in die Gewinnzone steuert.

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„Wie läuft’s?“ – wer in das Editorial der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Impulse blickt, erhält von Firmengründer und Chefredakteur Nikolaus Förster ein klares Resümee nach vier Jahren Selbstständigkeit. Das von ihm gegründete Unternehmen hat sich stark gewandelt und ist weiter mitten im Umbau: vom „traditionellen Magazinverlag zu einem modernen Dienstleister“. Die von ihm erworbene Mittelstands-Zeitschrift ist nicht mehr die einzige Einnahmequelle auf die der gebürtige Aachener setzt: Netzwerktreffen, Konferenzen, Seminare und eine erste Buchveröffentlichung sind als weitere Umsatz- und Ertrags-Pflänzchen des Start-ups mit 35 Festangestellten hinzugekommen.

Vor allem die Impulse Akademie entwickelt sich immer stärker zu einem wichtigen Erlösbringer. Rund 60 Veranstaltungen mit insgesamt 1.000 Teilnehmern zählte die Einheit in diesem Jahr. Darunter sind Seminare – thematisch breit aufgestellt: von der Kunden-„Kaltakquise“ am Telefon bis zur richtigen Führung der Mitarbeiter. Teil des Angebots sind ferner Auslandsreisen zu Mittelständlern in die USA. Begrenzt ist hier zwar die Teilnehmerzahl auf maximal 20. Doch der Verlag dürfte hier wohl ordentlich verdienen. Rund 8.000 Euro brutto kostet der Trip für Impulse-Mitglieder ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Und das ist nicht alles: Gestartet hatte der Verlag – unter anderem auch mit dem Zeit-Verlag, Convent und dem Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz – die Digitalisierungsinitiative „Smarter Mittelstand“ – mit Veranstaltungen in sechs Städten und insgesamt rund 2.000 Teilnehmern.

Künftig könnte das Geschäft mit Seminaren weiter kräftig wachsen. Seit Kurzem klopfen börsennotierte Großkonzerne an. „Langsam spricht sich herum, wie attraktiv die Angebote der Akademie sind. Die Kunden, die von unserem Know-how profitieren wollen, reichen inzwischen von Gründern über Führungskräfte über Familienunternehmer bis hin zum Dax-Konzern“, betont Förster gegenüber MEEDIA. Neu ist auch, dass die Impulse Akademie – neudeutsch – Storytelling betreibt und zur Buch-Schmiede avanciert. Anfang November erschien der erste Titel: „Mein größter Fehler“ – 91 Bekenntnisse von Firmeninhabern, die hier ihre größten unternehmerischen Niederlagen offenbarten. Die 1.000 Exemplare zu 59,90 Euro seien überraschend schnell vergriffen gewesen, heißt es. Förster: „Jetzt drucken wir nach, um all die Bücher, die jetzt gerade bestellt werden, noch bis Weihnachten ausliefern zu können“.

Damit hat der Jung-Verleger das Geschäft breiter aufgestellt. Im Januar 2013 erwarb der damalige und heutige Chefredakteur das Unternehmermagazin im Rahmen eines Management Buy-outs von Gruner + Jahr. Denn die Hamburger sahen für die Wirtschaftsmedien keine tragfähige Zukunft mehr in ihrem Haus. Die Folge: Das Flaggschiff Financial Times Deutschland wurde eingestellt, Börse Online und Impulse verkauft. Lediglich Capital erhielt in Berlin eine Perspektive innerhalb von G+J.

Doch Förster geht das Wagnis ein. An seine Seite holt er Dirk Möhrle als Minderheitsgesellschafter. Der Mann ist vielfach aktiv. Er gründete nach seinem BWL-Studium in Kassel einen Gartenmarkt, führte 1997 bis 2005 die Hamburger Baumarktkette Max Bahr, die seine Familie 2006 verkaufte. Heute entwickelt und betreibt er unter dem Dach der Möhrle Group Immobilien, vor allem in Berlin, etwa den Kunsthof in der Oranienburger Straße. Doch das Mediengeschäft zieht ihn magisch an. Seit mehr als einem Jahr ist er auch Mitgesellschafter des Suhrkamp-Verlags. So übernimmt er Ende 2015 die Anteile des verstorbenen Suhrkamp-Aktionärs Hans Barlach.

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Ob Nebengeschäfte oder der Ausbau digitaler Angebote – das Print-Produkt Impulse ist für Förster immer noch der wichtigste Ertragsbringer. Doch die Abo-Auflage ist unter Druck. Im 3. Quartal 2016 zählte die Zeitschrift noch 38.314 Exemplare, im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es 45.683 Stück. Die Kioskauflage mit einigen hundert Exemplaren fällt hingegen kaum ins Gewicht. Jetzt dreht Förster weiter an der Preisschraube. Erneut soll der Copypreis angehoben werden. Zweimal war dies bereits der Fall – zunächst im August 2014 von 7,50 auf 9,90 Euro, Anfang diesen Jahres von 9,90 auf 12,80 Euro. Nun noch einmal 2017. Um wie viel, steht noch nicht fest. „In einer Situation, in der es nicht selbstverständlich ist, Abos zu beziehen, und Anzeigenerlöse zurückgehen, brauchen Verlage stabile Vertriebserlöse“, rechtfertigt Förster die Maßnahme in seinem Editorial.

Doch die Preisstrategie ist bewusst gewählt. Als einer der wenigen Herausgeber einer Wirtschaftspublikation in Deutschland verzichtet der Geschäftsmann darauf, über teure Geld- oder Sachprämien aggressiv Abonnenten zu gewinnen. Förster geht es vielmehr darum, eine qualitativ wertvolle Käuferschicht in seiner Abo-Kartei zu führen. Er will keine Abonnenten haben, die durch kostspielige Lockvogel-Angebote geworben werden – und ebenso schnell wieder verschwinden wie sie gekommen sind.

Ihm gehe es vielmehr darum, langfristig Leser an das Batt zu binden. Und dies auch dadurch, weil sie durch Heftbeiträge konkrete unternehmerische Vorteile genießen. Gern erzählt der Wirtschaftsjournalist deshalb die Geschichte eines Lesers, der Ende Oktober auf dem Ball des „Großen Preises des Mittelstands“ in Berlin an seinen Tisch gekommen sei. Herzlich habe sich der Mann bei ihm bedankt, weil er durch einen Steuertipp und einen Text über Versicherungspolicen kräftig gespart habe: rund 350.000 Euro – ein sattes Sümmchen für einen Mittelständler.

Höherer Copypreis beim Magazin, Anzeigengeschäfte, die die „eigene Prognose erfüllen“, der Einstieg ins Buchgeschäft – ob Försters Firmenreich in diesem Jahr in die Gewinnzone steuert, ist noch offen. In den vergangenen beiden Jahren war das Unternehmen in die roten Zahlen gerutscht, auch wegen massiver Investitionen ins Personal. Doch für den Verleger steht fest: „So wie es sich abzeichnet, werden wir unser Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr verbessern.“ Vielleicht wird das Unternehmen damit noch nicht in diesem Jahr die schwarze Null sehen und erst 2017 den Turn-around schaffen. Als Selbstständiger braucht man eben einen langen Atem. Das kennt Nikolaus Förster aus zahlreichen in seinem Mittelstandsmagazin veröffentlichten Firmen-Porträts nur allzu gut.

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Alle Kommentare

  1. Da bin ich spektisch. Wenn es in wirtschaftlich allgemein guten Jahren schon “rot” wird, wie soll es dann erst in wirtschaftlich schlechten werden? Warten wir ab.

    Wie macht das eigentlich das Handelsblatt? Funktioniert das besser wegen der Größe?

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