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Kanzlerin Merkel zur Freiburg-Debatte: „Herkunft des Täters muss klar benannt werden“

Angela Merkel äußerte sich in den "Tagesthemen" zu den Geschehnissen in Freiburg Foto: ARD/Tagesthemen

Nachdem sich bereits SPD-Chef Sigmar Gabriel zur Festnahme des mutmaßlichen Mörders von Maria L. aus Freiburg äußerte, erklärte sich am Abend auch Kanzlerin Angela Merkel zum Thema. In den „Tagesthemen“ warnte sie davor, die Tat eines einzelnen Flüchtlings zu instrumentalisieren und pauschal zu urteilen. Merkel sagte aber auch, die Herkunft des Täters müsse „klar benannt“ werden.

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Auf die Frage, was Merkel jenen Menschen, die ihre Vorurteile gegenüber Flüchtlingen nun bestätigt sähen und sie sogar mitverantwortlich für diese Tat machten, antworten würde, sagte sie unter anderem:  „Wenn es sich herausstellen sollte, dass es ein afghanischer Flüchtling war, dann ist das absolut zu verurteilen, genauso wie bei jedem anderen Mörder, aber auch ganz deutlich zu benennen.“

Und weiter: „Und dann sage ich, dass damit aber nicht die Ablehnung einer ganzen Gruppe verbunden sein kann, so wie wir auch sonst nicht von einem auf eine ganze Gruppe schließen können.“ Die Vergewaltigung und Mord der Studentin sei „ein tragisches Ereignis, das aufgeklärt werden muss, und über das man ganz offen sprechen muss“, so Merkel.

Mit dem Kommentar zur Nennung des Täters und seiner Herkunft äußert sich Merkel auch zu einer Diskussion, die unter Journalisten bereits seit Längerem diskutiert wird. Laut Paragraf 12.1 des Pressekodex des Deutschen Presserates sollte die Nennung der Herkunft nur erfolgen, „wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht“. Versehen ist die Richtlinie mit dem Hinweis: „Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.“

Kritiker der Richtlinie gehen soweit zu sagen, dass vor allem durch das Verschweigen der Hass geschürt werde. Sie verstehen den Paragrafen als „Bevormundung“ von Redaktion und Leser. Befürworter halten an der Richtlinie fest, weil sie daran erinnere, in brenzligen und stressigen Situationen einen kurzen Moment innezuhalten, und über die Auswirkungen der Berichterstattung nachzudenken.

Auch im Falle des mutmaßlichen Täters von Maria L. wird scharf diskutiert, weshalb Politik wie auch Medien bei Nennung der Herkunft darauf hinweisen, keine weiteren Menschen unter Generalverdacht zu stellen. Im Zentrum der Debatte stand seit dem Wochenende die „Tagesschau“, die in ihrer 20-Uhr-Ausgabe darauf verzichtete, über die Festnahme des afghanischen Tatverdächtigen im Freiburger Fall zu berichten. Die Redaktion begründete dies zunächst mit einer nur „regionalen Bedeutung“ des Falls und der fehlenden Relevanz. Am Montag erklärte sich „Tagesschau“-Chefredakteur Kai Gniffke noch einmal ausführlich im Blog und stellte sich später Zuschauerfragen bei Facebook. Dabei kündigte er auch an, dass die „Tagesthemen“ nun doch über den Fall Freiburg berichten würden, da durch die Debatte nunmehr eine gesellschaftliche Relevanz vorhanden sei.

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