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stern prüft rechtliche Schritte gegen Vera Lengsfeld nach „Maischberger“-„Lügenpresse“-Sendung

stern-Chef Christian Krug, Publizistin Vera Lengsfeld: Wer hat da "Lügenpresse" gerufen?

Der stern hat angekündigt, rechtliche Schritte gegen die CDU-Politikerin und Publizistin Vera Lengsfeld zu prüfen. Grund sind Aussagen, die Lengsfeld in der gestrigen „Maischberger“-Sendung über die stern-Titelstory „Sachsen: ein Trauerspiel“ vom 20. Oktober getätigt hat. Lengsfeld hatte erklärt, stern-Autor Walter Wüllenweber habe in dem Artikel „alles falsch“ beschrieben.

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Thema der „Maischberger“-Sendung war „Lügenpresse“ und da will man beim stern verständlicherweise nicht gerne dazugerechnet werden. Konkret seien drei Aussagen von Vera Lengsfeld bei „Maischberger“ über die Sachsen-Story im stern falsch gewesen, schreibt das Magazin in seiner Online-Ausgabe in eigener Sache. So nannte Lengsfeld den Fall eines Asylbewerbers, der in Dresden zu Tode gekommen war und als „erster Pegida-Toter“ bezeichnet worden sei. „Herr Wüllenweber im stern stellt das wieder ganz verzerrt dar“, sagte Lengsfeld. Beim stern betont man: „Dieser Fall wird in dem Artikel mit keinem einzigen Wort erwähnt.“ Da hat der stern recht. Vielleicht hatte Lengsfeld da was verwechselt, denn die Formulierung vom „ersten Pegida-Toten“ fällt in einem anderen stern-Artikel, nämlich dem Kommentar „Khaleds Tod, Dresdens GAU“ von Silke Müller.

Wie auch immer: Als weitere Beispiele für Fehler Lengsfelds führt der stern ihre Äußerungen über den Selbstmord eines Asylbewerbers im thüringischen Schmölln sowie den früheren Skandal von Sebnitz an, bei dem im Jahr 2000 der Tod eines Jungen in einem Schwimmbad von großen Teilen der Medien zunächst einem rechtsradikalen Mob  zugeschrieben wurde. Später stellte sich heraus, dass er an einem Herzfehler gestorben war und es gar keinen Mob gegeben hatte. Damals war die Bild federführend für die Berichterstattung gewesen.

„Der Vorwurf ‚Lügenpresse‘ gegen den stern wird also mit drei nachweislich unwahren Beispielen erhoben. Der stern prüft deswegen rechtliche Schritte gegen Vera Lengsfeld“, schreibt der stern bei stern.de. Wobei Lengsfeld die Fälle Schmölln und Sebnitz in der „Maischberger“-Sendung erkennbar gar nicht auf die Sachsen-Story im stern bezogen hatte, sondern als weitere allgemeine „Lügenpresse“-Beispiel anführte. Den Fall Schmölln führte sie mit den Worten „oder kürzlich noch ein drittes Beispiel …“ ein. Den Fall Sebnitz führte sie mit den Worten ein: „Und dann sage ich: Es ist aus Sebnitz nichts gelernt worden.“ Eine Verbindung zum Sachsen-Artikel im stern zog sie hier nicht.

Wobei Vera Lengsfeld und ihre Veröffentlichungen durchaus Angriffsfläche für Kritik bieten. Sie verbreitet u.a. auf ihrem Blog allerlei Krudes und nachweislich Unwahres, was in der „Maischberger“-Sendung auch angesprochen wurde. Daneben ist sie aber auch nicht die erste, die die Sachsen-Story im stern kritisiert. Bei Übermedien.de erschien bereits kurz nach Erscheinen des Sachsen-sterns eine längere kritische Betrachtung des Sachsen-Bilds in den Medien im Allgemeinen und im stern im Besonderen.

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