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Branchendienst-Bashing im Schwarzen Kanal: der Spiegel und die dunkle Seite der Medienkritik

Kolumnist Jan Fleischhauer (li.), Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer: “So ist das, wenn die Revolution rollt”
Kolumnist Jan Fleischhauer (li.), Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer: "So ist das, wenn die Revolution rollt"

Nach der für viele Experten überraschenden Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten haben sich auch viele Medien in Selbstkritik geübt: Man habe Trump, so der Tenor, unterschätzt und sich zu sehr mit seiner Person statt mit dem Programm beschäftigt. In der Debatte äußerte sich auch der umstrittene Weltwoche-Chefredakteur Roger Köppel bei MEEDIA. Der Spiegel nahm dies zum Anlass einer Generalabrechnung mit dem Portal. Eine Replik von MEEDIA.

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Für den Spiegel-Chefredakteur ist der Rubikon überschritten. Lange hatte Klaus Brinkbäumer geschwiegen, aber als in der vergangenen Woche bei MEEDIA unter der Headline “Am schlimmsten ist der Spiegel” ein Interview mit dem Schweizer Journalisten Roger Köppel erschien, war es mit der Zurückhaltung vorbei. In einer E-Mail begehrte er – unter anderem, aber dazu kommen wir später – Aufklärung darüber, ob der Weltwoche-Chefredakteur der richtige Kritiker sei, wenn es in Bezug auf Donald Trump um das Thema “neutrale Medien” gehe. Diese Frage stellte Brinkbäumer allerdings nicht, was ja naheliegend gewesen wäre, dem Redakteur, der das Interview geführt hatte, oder dem, der für das Branchenportal presserechtlich verantwortlich ist. Die Mail war stattdessen an den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt adressiert, zu der MEEDIA seit 2013 gehört.

Klaus Brinkbäumer stellte nicht nur Fragen, er bat auch (“Bitte per Mail”) um schriftliche Antworten. Wie man es halt macht als Profi, wenn man eine Berichterstattung plant und alles schwarz auf weiß haben will. Vor diesem Hintergrund war es keine Überraschung, als am heutigen Montag bei Spiegel Online ein Artikel zum Thema erschien: “Medienschelte nach Trump: Die dunkle Seite der Macht”Verfasser war jedoch nicht der Spiegel-Chefredakteur, sondern sein Kolumnist Jan Fleischhauer, der das Stück als Abhandlung über das falsche Verständnis von Medienkritik im Allgemeinen und MEEDIA im Besonderen angelegt hat. Dass der Spiegel die erwartete Abrechnung derart über Bande spielt, ist nicht unoriginell: Ein viel gelesener Kolumnist, der selbst viele SPON-Leser irritiert, indem er als Rechtsausleger bei einem eher linken Medium die Rubrik “Der Schwarze Kanal” bedient, erklärt also, warum ein rechter Populist wie Köppel als Stimme für die Debatte zum Umgang der Medien mit Donald Trump nicht taugt. Merke: Wenn selbst jemand wie Fleischhauer so denkt, dann muss das MEEDIA-Interview mit Köppel ja ein absolutes No-Go, eine journalistische Katastrophe sein. Oder etwa nicht?

In Wahrheit ist der Gedankengang, den der SPON-Kolumnist über fünf Absätze auswalzt, genau deshalb eine Katastrophe, weil Fleischhauer sie selbst dazu macht, unter Beugung und Verdrehung nahezu aller relevanter Fakten. Dass Roger Köppel, ehemals Chefredakteur von Springers Welt, ein rechtslastiger Populist ist, der genau deswegen und in dieser Rolle in zahlreiche Talkshows eingeladen wird, ist hinlänglich bekannt und unstrittig. Dass er mit diesem Part als Medienmacher auch in der vielstimmigen Mediendebatte um Donald Trump eine Rolle einnimmt, dürfte ebenfalls für jeden nachvollziehbar sein. Und es gehört zu den Aufgaben eines Branchendienstes, solche Debatten auch abzubilden. Wenn Fleischhauer sich die Mühe gemacht hätte, dies auf meedia.de zu recherchieren, so hätte er herausgefunden, dass sich neben Köppel in der vergangenen Woche auch Chefredakteure deutscher Online-Medien, der langjährige ARD-“Tagesthemen”-Moderator Ulrich Wickert oder der Medienwissenschaftler Prof. Stephan Weichert bei MEEDIA mit exklusiven Beiträgen zu Wort gemeldet haben – wie zuvor auch Ex-Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo. Oder via Welt-Editorial Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner. Wer eine Debatte abbildet, die übrigens nicht nur in Deutschland geführt wird, muss das Spektrum der Standpunkte aufzeigen. Das ist ein pluralistischer Grundsatz. Nichts Anderes haben wir bei MEEDIA getan und werden es weiter tun.

Wer die Meinungsbeiträge insgesamt  zur Kenntnis nimmt, findet viel Selbstkritisches; Medienforscher Weichert spricht in der Trump-Frage sogar von einem “Super-GAU des Journalismus”. Dass Köppel – vermutlich mit durchsichtiger Intention – gerade mit Blick auf Deutschlands wichtigstes Nachrichtenmagazin in die gleiche Kerbe haut, entwertet die Debatte nicht, auch wenn es mancher offenbar gern hätte. Tatsächlich geht es deshalb auch entgegen der Feststellung Fleischhauers nicht darum, dass der Weltwoche-Chef über den “Zustand der deutschen Presse” Auskunft gibt. Das Problem ist vielschichtiger und ganz sicher auch in der Spiegel-Redaktion Thema. Im Kern stellt sich ja nicht Frage, ob die Medien den (numerisch denkbar knappen) Sieg Trumps hätten voraussehen müssen, sondern die, ob sie nicht dabei versagt haben, sich im Vorfeld der Wahl intensiver mit seiner Politik statt überwiegend mit seinem reichlich bizarren Auftreten zu beschäftigen. Fleischhauer ignoriert das und urteilt ebenso pauschal wie ohne Quellennennung: “Was die Kritiker sagen wollen, wenn sie die Voreingenommenheit der Medien beklagen, ist, dass sie sich mehr positive Berichterstattung wünschen.”

So einfach kann man es sich als Journalist natürlich machen, aber dann ist es eben keine Selbstkritik, sondern Selbstbeschwichtigung. Als wäre der schludrige und verzerrende Umgang mit der Wahrheit nicht genug, strickt Fleischhauer dann noch die Legende vom abhängigen und durch Besitzverhältnisse gesteuerten Medienportal: “Ich wäre ja dafür, dass Mediendienste ihre Interessenkonflikte offenlegen müssten. Wenn bei VW regelmäßig über die Produkte der anderen Autofirmen berichtet würde, fiele das in die Kategorie ‘Pressemitteilung’ und würde entsprechend bewertet. Nur im Journalismus heißt die Pressemitteilung ‘Medien-Portal’ beziehungsweise ‘Informationsquelle für alle, die sich für Medien interessieren’.” Hätte Fleischhauer oder sein Chef Klaus Brinkbäumer beim Chefredakteur von MEEDIA (also bei mir) nachgefragt, so hätte ich geantwortet, dass das natürlich kompletter Quatsch ist und dass diejenigen, die sich “mehr positive Berichterstattung wünschen”, derzeit ja wohl beim Spiegel sitzen. Für die Lesart, dass MEEDIA eine “Hired Gun” sei, gab es immerhin vom Kollegen aus dem eigenen Haus Beifall.

Leider gibt es zu “positiver Berichterstattung” über den Spiegel aktuell wenig Anlass, und genau das scheint der Grund zu sein, warum die Nerven in der Chefredaktion blank liegen. Anders ist ist ein Artikel wie Fleischhauers “Dunkle Seite der Macht” kaum zu erklären. Wenige Tage vor der Gesellschafterversammlung herrscht Unruhe im Hauptquartier an der Ericusspitze: betriebsbedingte Kündigungen (erstmals in der Spiegel-Historie), ernüchternde Auflagenzahlen, eine unübersehbare Entfremdung zwischen Chefredaktion und der KG-Geschäftsführung und eine aus Sicht vieler Beobachter irrlichternde Blattlinie. Vorige Woche widmete der Branchendienst Horizont den Unwuchten im Haus eine Investigativ-Story. Der Spiegel steht erkennbar unter Druck, nur wofür er steht, erscheint immer diffuser. Der Umgang mit Trump ist auch dafür ein Indikator, womit wir wieder beim Thema wären. Allein die Titel der vergangenen Ausgaben illustrieren das Dilemma. Nach dem Weltuntergangs-Cover zum Trump-Wahlsieg lässt der Spiegel nur 14 Tage später eine Titelstory in gleicher Sache folgen, deren Aufmachung der Gala entlehnt worden sein könnte.

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Besonders die reißerische Post-Wahlausgabe (“Das Ende der Welt”) sorgte branchenintern für eine Kontroverse, in deren Verlauf viele Medienmacher dem Spiegel unverantwortliche Panikmache attestierten. Chefredakteur Brinkbäumer musste sich in eigener Sache rechtfertigen und konstatierte etwas ungelenk: “Der Titel beschreibt das, was passiert ist.” Mag ihn die Kritik aus der Branche noch unbeeindruckt lassen, so kann es die Auflagenbilanz des Nachrichtenmagazins in seiner Amtszeit kaum. Wie jeder Magazin-Chefredakteur wird auch der Mann an der Spiegel-Spitze daran gemessen, wie sich die Verkäufe unter ihm entwickeln. Bei Klaus Brinkbäumer, der den Spiegel seit Januar 2015 verantwortet, geht die Kurve unübersehbar nach unten, wie der MEEDIA-Auflagencheck zeigt. Inzwischen sind die Gesamtverkäufe unter 800.000 Hefte pro Ausgabe gefallen, der niedrigste Stand seit den 60er Jahren. Der Rückgang der vergangenen beiden Jahre lässt sich auch nicht mit dem insgesamt schrumpfenden Printgeschäft allein erklären; viele Beobachter sehen den Großteil des Effekts als “hausgemacht” an.

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Es ist die Aufgabe der Branchendienste, über solche Entwicklungen zu berichten und auch darüber, ob eine Medienmarke zu verwässern droht, ob es nun jedem passt oder nicht. Doch als gäbe es all solche Probleme nicht, nimmt der Spiegel ein bei MEEDIA publiziertes Interview mit dem Chefredakteur eines Schweizer Wochenblatts zum Anlass für die Generalabrechnung mit dem Marktführer unter den Online-Branchenmedien, über dessen kritische Berichterstattung man sich offenbar schon länger ärgert. Man könnte das Gleichnis von Kanone und Spatzen bemühen, die Frage wäre indes, auf welcher Seite die Kanone aus Sicht von Klaus Brinkbäumer steht.

Doch der Spiegel wäre nicht der Spiegel, würde er nicht auf maximalen Effekt seines Artikels setzen. Fleischhauer weiß (wie Brinkbäumer), dass man den Schaden vergrößert, indem man den Gegner zunächst überhöht, bevor man zum Wirkungstreffer ausholt. Und so bezeichnet er MEEDIA als “Branchendienst der Verlagsgruppe Dieter von Holtzbrinck, in der so hochseriöse Zeitungen wie das Handelsblatt, der Tagesspiegel und die Zeit erscheinen”. Und fügt später im Artikel hinzu: “Aber ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster hängen. Auf MEEDIA diskutieren die Leser, welche Spiegel-Redakteure später ‘gehenkt werden’, wenn ‘der Wind sich gewendet hat’. Ich musste zugegebenermaßen kurz schlucken, als ich das las. Von einer Verlagsgruppe, in der ein Blatt wie die Zeit beheimatet ist, hätte ich mehr Zögerlichkeit beim Übergang in die neue Ära erwartet.” Dass der SPON-Kolumnist hier einfach abschreibt, was der Medienjournalist Stefan Niggemeier vor zwei Wochen über einen (von MEEDIA gelöschten) Nutzerkommentar bereits bei Twitter fälschlich behauptet hat, spricht für sich.

“Aber so ist das, wenn die Revolution rollt”, schließt Fleischhauer mit Theaterdonner, “irgendwann muss sich jeder entscheiden, wo er steht, auch der Journalist.” Da hat er recht, und es gibt im Journalismus, der den Namen verdient, nur eine Wahl: Sagen, was ist. Den Satz kennen sie ja beim Spiegel. Und Meinungsfreiheit ist in den Medien eben immer auch die Freiheit der anderen Meinung. Im Rahmen der Debatte zum Umgang der Medien mit dem Politiker Donald Trump hatte MEEDIA übrigens auch bei Klaus Brinkbäumer eine Stellungnahme angefragt. Der lehnte ab – aus Zeitgründen.

 

 

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Alle Kommentare

  1. Vorweg, mir geht es nicht um den Spiegel, schon gar nicht darum, seine Titelbilder zu verteidigen. Bei allem Respekt vor vielen Autoren des Spiegels, finde ich seine “Blattlinie” und die Herangehensweise an Theme oft problematisch.

    Und Sie haben im Übrigen vollkommen recht, wenn Sie versuchen auch Debatten am politisch rechten oder meinetwegen rechtspopulistischen Rand abzubilden und dies als Ihre Aufgabe definieren.

    Falsch hingegen ist es, einen Rechtspopulisten seine Meinung unhinterfragt und unwidersprochen kundtun zu lassen. Ihr Interview mit Koeppel liest sich, als hätten Sie es per Email geführt. Kein kritisches Nachhaken, kein einziger Hinweis auf Widersprüche. Die einzige Nachfrage – nämlich zum Widerspruch zwischen seiner Tätigkeit für die SVP und dem von ihm angeblich so hochgehaltenen Neutralitätsanspruch an den Qualitätsjournalismus – haben Sie nachtäglich eingefügt. Nochmal: Die einzige kritische Nachfrage, eine Frage mit direkten Bezug zu den Grundfesten der Branche, über die sie berichten, ist Ihnen schlicht nicht gleich eingefallen…

    Bei allem Respekt, vielleicht sollten sie abseits des Spiegel-Bashings doch einfach mal einen kritischen Blick auf die eigene Arbeit wagen. Bei allen anderen Medien mahnen Sie ihn ja zu Recht oft genug an.

    Mit kollegialen Grüßen

  2. Hallo,
    ich kann ihnen nur Recht geben und wenn man sich die Untergangsstimmung an der Börse anschaut (Der US-Leitindex Dow Jones erreichte ein neues Rekordhoch, der Dax ging mit einem Plus von fast vier Prozent aus der Wahlwoche) dann muss man sich fragen was Herr Fleischhauer und sein Chef Klaus Brinkbäumer sich dabei gedacht haben mit „Das Ende der Welt“.

  3. “Die Mail war stattdessen an den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt adressiert, zu der MEEDIA seit 2013 gehört.”
    Also quasi wie wenn man in der Redaktion anruft…

    Hier sieht man mal das was ich schon EWIG will: Print ist platzbegrenztes Fast-Food-Burger-Boxen. ONLINE IST VOLLSTÄNDIG.
    https://meedia.de/2016/10/26/jeff-jarvis-bei-donald-trump-hat-der-amerikanische-journalismus-versagt/ ( “800” suchen, 800-Worte-Journalismus)
    D.h. dieser Artikel ist Vorzeigebeispiel wie Sachverhalte VOLLSTÄNDIG erläutert werden, statt nur (inclusive unklaren Bezeichnungen wie Ertrag, Erlös anstelle GEWINN oder UMSATZ oder “Speicher” statt “RAM” oder “Flash”) die PR- oder agenturmeldungen ohne nennenswerte Eigenleistung zu rezitieren – copy-paste-Journalismus…

    Das sollte man sich archivieren und immer referenzieren wenn bei anderen Themen wie üblich meist viel zu kurz nur copy-pasted und weder nachgefragt noch mitgedacht oder gar mal auf die vielen Forenuser gehört wurde.

    Beispiele von Presse-Scheitern gibts schon ewig.
    Vor welcher Krise hat uns die Presse jemals gewarnt ? Klima-Wandel ? Starkregen-Wellen ? Dürre (siehe Getreide-Ernte dieses Jahr) ? Neuer Markt ? Ost-immobilien ?
    Nicht mal davor, das die möblierte Mietmafia die Mietpreisbindung umgehen kann, hat uns vermutlich die AfD, die Linke und natürlich die Bundespresse anscheinend gewarnt…
    Bürgerprobleme sind wohl nicht so wichtig.

    Das System schafft sich ab. Lokalzeitungen beherrschen die Berichterstattung. Bedauerlich ist das nicht. Die mangelnde Kontroll-Funktion (aber auch Fehler-Kultur der Regierung) haben seit den 70ern die Verbesserung nicht geliefert… Durch Smart-E-Cars werden Millionen Jobs vernichtet, Erdöl-Staaten pleite, Car-Handy-Sharing und Mitfahr-Methoden (Taxis seit vorgestern glaube ich !!!) braucht man viel weniger Autos und Benziner werden die neuen Trabbis und Tankstellensterben … Davon erholen sich Auto-Nationen nie wieder und es bleibt nur die Protest-Wahl. Denn jeder weiss, das die Smart-Cars schnell alle Dumb-Cars überflüssig machen werden und keiner die gebraucht kaufen will. Und bei Tesla gibts Updates. Auch von Deutschland und seinen Firmen ? Ach nein.

    Es wird oben auch geoutet, wie über Internet berichtet wird. Da ist klar wieso es keinen vollständigen Ausbau gibt und keine freien WiFis und recht durchgängige Fortschritts-Feindlichkeit und Internet-Ablehnung…
    So macht man keine modernen Geschäfte. Aber aktuell werden di Internet-Ausdrucker durch Generation C64 auf den unteren Management-Stufen ersetzt die erwartet, das Computer alles optimieren und auch Jobs überflüssig machen.

  4. Meedia hat sich ja immer wieder einmal kritisch mit einer ganzen Reihe abenteuerlicher Phänomene des Spiegel auseinandergesetzt: Meedia hat Themen hinterfragt und kritisch kommentiert, innerhalb derer das Selbstbild des Spiegel eine paradoxe Distanz zur Wirklichkeit zeigte.
    Die Fähigkeit zur Selbstkritik , so scheint es, gehörte ohnehin eher selten zu jenen Kompetenzen, die Spiegel-Redakteuren in jeder Sekunde des Tages vollumfänglich souverän zur Verfügung standen.
    Ich verstehe also jederzeit den Impuls des Spiegel, nach einer Bühne zu suchen, um kurz mal abzuladen und draufzuhauen.
    Soweit kein Problem also.
    Dass der Spiegel allerdings das Ventil zur Entlastung lange angestauter, hormoneller Überflutung Meedia gegenüber derart lausig nutzt, ist tragisch und wirkt darüber hinaus auch intellektuell eher unauffällig.
    Das Gap zwischen Selbstbild und Wirklichkeit ist ein Stückchen größer geworden:
    In den Spiegel zu sehen, ist halt nicht jedermanns Ding.

  5. Zu Herrn Majic:

    Da fällt mir wieder die Unausgewogenheit auf: Bei allen Interviewpartnern (Mascolo etc.), die im Artikel aufgezählt werden, herrschte ungefähr die gleiche Distanz. Aber nur beim Interview von Herrn Köppel fordern Sie sozusagen eine Ungleichbehandlung. Zudem ist Herr Köppel zwar auch Politiker, aber dieses wichtige Faktum wurde im Artikel kenntlich gemacht. Es ist allerdings auch reichlich Naiv im Gegenzug anderen Publikationen eine Nähe zu der ein oder anderen Partei abzusprechen und dies nur zu Lasten Herrn Köppels zu werten.

    Zweitens: Ich bin mit dem Spiegel aufgewachsen und unser Lehrer damals empfahl ihn uns auch wärmstens. Die Faszination ist aber seit einigen Jahren bei mir verflogen, ich würde sogar sagen, dass ich ihn regelrecht boykottiere. Die Vorfreude heutzutage, die ich früher beim Erscheinen einer neuen Spiegelausgabe hatte, habe ich heute nur noch bei folgender Publikation: der Jungen Freiheit an jedem Freitag. Wie man früher den Spiegel lesen musste, um zu wissen, was los ist, ist es nun die Junge Freiheit.

  6. Mal ernsthaft. Ein Portal im Besitz EINES bestimmten Verlages- schießt sich seit langen auf Auflagen-, Umsatz-, und Personal- Probleme eines bestimmten
    ANDEREN Verlages ein- und eskaliert das mit einem “Kronzeugen” der politisch
    rechts außen aktiv UND Medienunternehmer ist. Also etwas, was Euresgleichen
    bei Berlusconi gar nicht genug BA BA finden konnte…

    Und was lernen wir daraus ? Tja was wohl: wie immer: Wer – wen. Die alte Frage.

  7. Sie zeigen das Bild der verkauften Spiegelexemplare als Indikator des Erfolgs. Ja, der Spiegel ist in die Jahre gekommen und hat ganz klar die Kraft des investigativen Journalismus verloren. Der Spiegel gehört selbst zum Establishment und verweigert sich, den Finger in die Wunden zu legen und ist damit uninteressant geworden. Die Medienautisten dieses Blattes wollen dies natürlich jicht wahrhaben und ernennen sich daher selbst zum Mekka deutsche Anständigkeit gegen rechte Populisten. Nur wenn einer wirklich Predigten hören will, kann er auch in die Kirche gehen. Dabei haben sie 68 selbst als linke Populisten angefangen.

  8. Alles über den Spiegel und seine Autoren mag zu diesem Thema stimmen. Aber 1) Wenn der Spiegel mählich dahinsiecht – so what. Er hat seinen Standpunkt und Anspruch längst selbst versemmelt.
    Aber 2) Warum, folgt man der Argumentation von meedia, zur Abrundung des Spektrums ausgerechnet ein kompromissloser Rechtsausleger, der Sonnyboy der extravaganten ultrarechten Print-Possen, Köppel – der vielleivcht sogar der AfD zu rechts wäre – so ausführlich und unwidersprochen seine politische und publizisistischen Instrumente so schonungslos ausbreiten konnte – das ist, gelinde gesagt, verwunderlich.

  9. Was brautsich denn da? Auf der Straße könnte man sich denken: Der nassere von beiden wird vermutlich der angepisstere sein. Aber ist das auf halbwegs ernstzunehmender Medienebene angemessen?

    Spiegel hat ganz sicher ordentlich verkackt, Trump angeht, hat ganz sicher ordentlich verkackt, was konservative Strömungen oder Bewegungen in Deutschland angeht. So wie andere Medien auch – und das macht einen Spiegel beliebig (der fairnisshalber: Spiegelonline). Kaum ein “Artikel” kam da in den letzten 12 Monaten über andere Bewegungen als die mutmaßliche Hauspolitik oder die gelassene Meinung des Autos aus, ohne “Getöse”, “stumpf”, “grölen”, “Hass”, “dumm” usw. Nun ja. Keine Ahnung, welchen Leser man damit halten oder gewinnen wollte – mich hat es verprellt. Das kann jeder wie auch immer eingestellte Schreiberling. Nur… für ein Medium Nummer 2, was sich vielleicht Wahrheiten auf das T-Shirt schreibt, ist das wohl wirklich zu wenig.

    Was aber ist das Pinkeln neuerdings hier? Spiegel-Bashing ist wohl eigentlich auch ein bisschen dumm. Ein bisschen mehr. Wird das auf meedia nun so etwas wie die Lombardi-Story?

    Wäre schade. Überflüssig. Verprellend.

  10. Gerade angefangen, Journalisten und ihre Auftraggeber (Politiker) bei Hart aber fair:

    – Julian Reichelt der einzige, der sich glaubhaft gegen das Trump-Bashing ausspricht und wenigstens etwas Sachlichkeit anmahnt

    -Cem Özdemir kriegt Schnappatmung bei Trump und sieht alles ultraschwarz, will nicht über das sprechen was Trump sagt, nennt es “Bibelexegese”

    – Kauder: Hat eben zwei Minuten gesprochen. Aber was zum Teufel, hatte er denn nun überhaupt gesagt?

    – Don Jordan, US-Journalist und als Clinton-Angänger bekannt, läßt kei gutes Haar an Trump “Trump spricht Kauderwelsch”

    – Eine US-Journalistin: “Schock, Schock…. Trump… Schock” Namen der Dame nicht verstanden aber auch nichts verpasst.

    Na, wenn das jetzt nicht (mal wieder) eine durch und durch “ausgewogene Runde” ist, also dann weiß ich ja nicht.

  11. Lieber Herr Altrogge, zwei Anmerkungen zu Ihrem Artikel: Es war schon ausgesprochen peinlich, dass meedia die Rolle Köppels als SVP-Nationalrat erst nachträglich zum Interview hinzugefügt hat. Und dass die Aufforderung, Spiegel-Redakteure zu henken, später gelöscht wurde, macht die Sache doch überhaupt nicht besser. Diese Hass-Tirade hätte gar nicht erst erscheinen dürfen! Ebensowenig übrigens auch die Frage, wieviel es kostet, sich von einer namentlich genannten Bundesministerin “einen blasen” zu lassen. Unglaublich, dass eine solche Obszönität seit Tagen immer noch auf meedia zu finden ist.

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