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Trumps Verachtung für die Medien: Warum die Ablehnung durch den neuen US-Präsidenten auch eine Chance ist

Trumps Hass auf die Medien scheint auch in der Bevölkerung anzukommen

Im US-Präsidentschaftswahlkampf haben die etablierten Medien Donald Trump unisono abgelehnt. Nach seiner Wahl ist von einer Annäherung keine Spur. Das liegt vor allem an Trump selbst, der den Medien stets aufs Neue vorführt, dass er ohne sie gut zurechtkommt. Für die Medien ist die Verachtung durch Trump eine neue, unangenehme Erfahrung, die aber auch eine Chance in sich trägt.

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Noch nie vor Donald Trump gab es einen US-Präsidentschaftskandidaten, der von den Medien derart einhellig abgelehnt wurde. Selbst der dezidiert konservative und Republikaner-nahe TV-Sender Fox News hatte seine Probleme mit dem Kandidaten Trump. Erinnert sei an die hässlichen Kommentare Trumps in Richtung der Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly.

An Trumps Seite stand und steht in erster Linie ziemlich einsam die rechtsradikale News-Website Breitbart.com, deren ehemaligen Chef Stephen Bannon Trump zuerst zum Wahlkampfmanager und mittlerweile zu seinem Chef-Strategen gemacht hat. Der Vergleich hinkt natürlich aber das ist ein bisschen so, als ob in Deutschland Frauke Petry Bundeskanzlerin wird und Kopp-Autor Udo Ulfkotte zum Kanzleramtsminister ernennt.

Nach Trumps Wahl trösteten sich viele Medienvertreter und Nicht-Wähler Trumps mit der Hoffnung, dass es schon nicht so schlimmen kommen würde, wie befürchtet. Dass „nichts so heiß gegessen wird wie es gekocht wird“. Die Beziehung zwischen Trump und den Medien ist aber auch nach der Wahl noch ziemlich ungenießbar. Keine Normalität, nirgends. So hat Trump laut einem Bericht der New York Post, TV-Senderchefs, -Moderatoren und -Reporter zu einem Treffen in sein New Yorker Hauptquartier, den Trump Tower, geladen.

Offenbar reisten die TV-Leute im Glauben an, dass Trump nunmehr besprechen will, wie die künftige Berichterstattung, wie der mediale Zugang zum künftigen Präsidenten und seinem Stab organisiert wird. Aber nichts von alldem. Stattdessen gab es laut Teilnehmern eine zünftige Abreibung im Trump-Style. „Wir sind hier in einem Raum voller Lügner, die täuschenden, unehrlichen Medien, die alles falsch gemacht haben“, soll Trump gesagt haben. Den Nachrichtensender CNN soll er als „Netzwerk der Lügner“ beschimpft haben.

Für diesen Dienstag war ein Treffen zwischen Trump und dem Verleger der New York Times, Arthur Sulzberger, angesetzt, das von Trump via Twitter abgesagt wurde. Angeblich, weil die Times die Bedingungen des Treffens kurzfristig geändert habe. „Not nice“, meint der Twitter-Trump. Die New York Times erklärte, an den Bedingungen des Treffens habe sich nichts geändert. Nach Gesprächen am Montag habe man gemeinsam daran festgehalten, einen kurzen Teil hinter verschlossenen Türen und den deutlich längeren öffentlich mit Reportern machen zu wollen. Von der Absage habe man via Twitter erfahren.

Trump hat ganz offensichtlich keine Angst die Medien schlecht zu behandeln und zu düpieren, weil er sich selbst von ihnen schlecht behandelt und düpiert sieht. Und – für die Medien eine neue, unangenehme Erfahrung – er braucht sie schlicht nicht. Im Gegenteil: Trump hat die US-Präsidentschaft gegen den Widerstand aller klassischen Medien gewonnen. Die Ablehnung durch die Medien ( = Teil des Establishments) hat ihm ja noch geholfen. Warum sollte er also nach der Wahl plötzlich ihre Nähe suchen? Trump ist eine Medienfigur, die sich von den Massenmedien komplett emanzipiert hat.

Stattdessen setzt Trump weiter auf Social media, vor allem auf Twitter als bevorzugten Kommunikationskanal. Statt sich auf einer Pressekonferenz zu erklären, veröffentlicht er eine Ansprache bei YouTube, Kommentare natürlich geschlossen. Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass Trump durch die Plattformen der Silicon Valley-Giganten groß wurde, deren Geschäftsgebaren er ansonsten verachtet.

Den Medien wird nichts übrig bleiben, als ihren Job zu machen, den künftigen US-Präsidenten kritisch zu beobachten auch wenn er wenig oder keine Nähe zulässt. Aber das muss noch nicht einmal schlecht sein. Trump braucht zwar die Medien nicht. Aber Medien brauchen auch nicht unbedingt Nähe, um fundiert und kritisch zu berichten. Manchmal kann Nähe auch den Blick verstellen – gerade im politischen Journalismus. Denn am Ende sind die Medien nicht einem US-Präsidenten oder eine Kanzlerin oder einer Regierung verpflichtet, sondern ihrem Publikum, der Gesellschaft.

Update: Mittlerweile will sich Trump doch wieder mit der New York Times treffen:

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