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„Ertappte mich bei spontanen, etwas peinlichen Jubelausbrüchen“: Roger Köppels verstörendes Outing als Trump-Fanboy

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Im deutschen Medien- und Talk-Zirkus gibt es klare Rollenverteilungen. Jakob Augstein ist die linke Stimme der Vernunft, Nikolaus Blome sein konservativer Gegenpart und so weiter und so fort. Die Rolle des analytischen Rechtsdenkers und AfD-Verstehers wird gerne mit dem Weltwoche-Chefredakteur Roger Köppel besetzt. Dank seines neuesten Editorials aber wissen wir: der Schweizer kann auch anders. Darin outet er sich als glühender Trump-Fan, der vor Freunde durch sein Gästezimmer tanzt.

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Oft wird dem Magazin aus der Schweiz vorgeworfen, maximal populistisch und stets auf der Suche nach der nächsten Provokation zu sein. Die Position von Köppel und seiner Redaktion speist sich dabei seit jeher auch aus einer gehörigen Wut über das Establishment. Vermeintlich festgelegte Mainstream-Meinungen werden dabei immer wieder gegen den Strich gebürstet. An dieser Stelle sei nur an die letztjährige Dezember-Ausgabe erinnert, die Sepp Blatter auf dem Höhepunkt der Affären um den Weltfußballverband Fifa zum „Schweizer des Jahres“ erklärte.

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So gesehen verwundert es nicht sonderlich, dass die aktuelle Ausgabe der Weltwoche den Trump-Triumph gebührend feiert. Zeile: „Donald Trump: Die Sensation, die Revolution. Und, ja, die Ohrfeige fühlt sich gut an“.

Erstaunlich bis verstörend liest sich jedoch das Editorial des Chefredakteurs, in dem er private Einblicke erlaubt, wie er die US-Wahl verfolgte und erlebte. So scheibt er:

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Ich gebe deshalb heute zu: Während der letzten Wochen verbrachte ich jeweils die Mitternächte, angewidert von der ebenfalls ein­seitigen und unprofessionellen Berichterstattung gegen den “rechtspopulistischen” ameri­kanischen Immobilienunternehmer, in der abgedunkelten Semi-Anonymität unseres Gästezimmers und schaute mir mit wachsender Faszination die jeweils aktuellen Trump-Reden an. Der Raum war lichtlos, mein Gesicht einzig beschienen vom fahlen Schimmer meines iPhone-Bildschirms. Draußen nichts als Finsternis und Sterne. Hätten meine Kinder oder meine Frau den Raum betreten, sie hätten geglaubt, den Vater beim Betrachten unsittlicher Filme zu erwischen.

Dem folgt gleich noch ein zweites intimes Geständnis:

Als die Wahlnacht auf das unglaubliche, angesichts der Voraussagen fast unwirkliche Endergebnis zulief, ertappte ich mich bei spontanen, etwas peinlichen Jubelausbrüchen. Bei jeder Wasserstandsmeldung, die Trump vorne zeigte, tanzte ich mit geballter Faust durchs Büro, so als ob mein geliebter Dorfklub EHC Kloten soeben den finanziell und personell weit höher dotierten ZSC im Eishockey-­Play-off-Finalderby nach einem aussichts­losen Rückstand doch noch gebodigt hätte. Ich sage „ertappt“, weil es eigentlich gar keinen Grund gibt, dass ich mich über einen Trump-Sieg derart freue.

Köppel sieht in Trump einen zweiten Ronald Reagan. Allerdings mit einigen charakterlichen Defiziten. Der Chefredakteur ist davon überzeugt, dass die Medien Trump als negative Figur mit einer negativen Botschaft gezeichnet hätten. „Sie wollten nicht sehen, dass seine wichtigste Durch­sage ein zukunftsfroher Patriotismus ist: ­Make America great Again“. Für Köppel hat das „hochmütige politische Kartell, das ihn ­bekämpfte“, eine schreckliche Nieder­lage erlitten und das sei eine großartige Nachricht. „Wir ­haben wieder mehr Vielfalt und Freiheit auf der Welt. Und, ja, das fühlt sich gut an.“ Das hört sich weniger nach rationaler Analyse, sondern mehr nach klassischem Fanboytum an.

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Alle Kommentare

  1. Danke für die präzise Zitierung! Und Grüsse in die offensichtlich in eine regelrechte Trump-Starre hineingeschockte Meedia-Redaktion! RK

  2. Gut, dass es Roger Köppel gibt. Ein Freidenker, der tapfer gegen den linken Meinungstrom der Einheitspresse schwimmt. Denn: Einer muss es tun!
    Das ist mutig! Einen Mordaufruf des linken Künstler-Zentrums für politische Schönheit “Tötet Roger Köppel” als Anzeige im Schweizer Strassenmagazin “Surprise” hat der Top-Journalist schon bekommen. Die Linken sind wahre Humanisten, das kann jeder im Schwarzbuch des Kommunismus nachlesen, wenn das politische Gedächtnis – wie in dieser Zeit – immer öfter aussetzt.

  3. Der konservative Humor und die Widerspenstigkeit eines Roger Köppel sind mir dreimal lieber als die denunzierenden Einlassungen stockfischiger Moralschwester*_Innen aus der Schlechtwetterzentrale der Medienapokalypse.

    Gut, dass es die Schweizer gibt. Von denen können speziell Journalisten und Politiker der BRD noch viel lernen.

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