Anzeige

„Buch des künftigen Bundespräsidenten“: Steinmeier lässt Werbung für neue Publikation stoppen

Frank Walter Steinmeier soll Bundespräsident werden – sein Verlag wirbt bereits mit dem Amt

Arrogant oder ein gekonnter Marketing-Stunt des Verlages? Frank-Walter Steinmeier, amtierender Außenminister und Kandidat der großen Koalition für das Amt des Bundespräsidenten, lässt eine Anzeige für sein neues Europa-Buch stoppen. Obwohl der SPD-Mann noch nicht gewählt ist, wirbt sein Verlag bereits mit dem Präsidialamt.

Anzeige

Am Samstag war unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Anzeige gedruckt worden, in der Steinmeier als „künftiger Bundespräsident“ bezeichnet wird. Die Wahl durch die Bundesversammlung ist aber erst für den 12. Februar vorgesehen. Aller Voraussicht nach wird Steinmeier als einziger Kandidat für das höchste Amt der Bundesrepublik ins Rennen gehen. Da er sowieso die SPD und die Union hinter sich weiß, dürfte ihm der Sieg sicher sein.

Die Marketingstrategie des hinter dem Buch stehenden Verlages Ecowin sorgt für Kritik. So twitterte beispielsweise Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linken im Deutschen Bundestag, Steinmeier glaube wohl, Kanzlerin Angela Merkel, SPD-Chef Sigmar Gabriel und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hätten ihn zum Staatsoberhaupt ausgerufen – und pfeife auf die Bundesversammlung. Andere Nutzer bei Twitter bezeichneten die Aktion als „schamlos“.

Wie der Tagesspiegel berichtet, will Steinmeier nichts von der Werbeaktion gewusst haben. Der Verlag widerspricht der Darstellung teilweise. Man habe Steinmeier die Anzeige „zur Kenntnis“ geschickt, so ein Sprecher gegenüber der Berliner B.Z. „Ob er sie angeschaut hat, wissen wir nicht“, heißt es weiter. Der Text sei als „verkürzte Werbebotschaft“ zu verstehen.

Die B.Z. brachte die „schamlose“ Werbeaktion auf ihre heutige Titelseite. Bei Facebook wetterte Chefredakteur Peter Huth, die Aktion wie auch die Erklärungen seitens der SPD und des Verlages seien eine „Stillosigkeit sondergleichen“. Dabei verglich er Steinmeier Ivanka Trump.

Die Titelseite der Huth-Redaktion, die oftmals ihrer Kreativität wegen positiv hervorgehoben wird, sorgt dieses Mal für Diskussionen. Der Titel sei „daneben“, das Thema werde „übergeigt“, heißt es in den Kommentaren.

Die Kritik der Zeitung zielt dabei weniger darauf ab, dass Steinmeier als künftiger Präsident gehandelt wird, sondern mehr auf die Tatsache, dass das Amt vor Antritt zu Werbezwecken genutzt wird. Andernfalls müsste Huth auch im eigenen Verlag Kritik üben. Am Sonntag brachte Springers Bild am Sonntag ein großes Porträt über das „künftige Staatsoberhaupt“.

Mit Material der dpa

Anzeige