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Klein, arm, wagemutig: Der Saarländische Rundfunk wird 60 – und will auch die Netzwelt erobern

Man wolle zu einem “modernen, zukunftsfähigen Medienunternehmen und einer interaktiven, verlässlichen und unverzichtbaren Präsenz in der Netzwelt” werden, sagt Intendant Thomas Kleist (Foto).
Man wolle zu einem "modernen, zukunftsfähigen Medienunternehmen und einer interaktiven, verlässlichen und unverzichtbaren Präsenz in der Netzwelt" werden, sagt Intendant Thomas Kleist (Foto).

Für die Identität des Saarlandes ist der Saarländische Rundfunk (SR) wichtig. Die kleine Anstalt hat aber auch die deutsche Rundfunklandschaft bereichert. Sechs Jahrzehnte nach seiner Gründung kann sich der SR als innovativer und über die Grenzen hinweg unüberhörbarer Sender feiern. Konzerte, Ausstellungen und ein Treffen von "Altstars" sind zum Jubiläum geplant.

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Er konnte nichts dafür, dass er klein, arm und spät dran war. Als der Saarländische Rundfunk (SR) am 27. November 1956 gegründet wurde, stand der Beitritt des bis dahin von Frankreich beaufsichtigten Saargebiets zur Bundesrepublik Deutschland am 1. Januar 1957 direkt bevor. Sechs Jahrzehnte nach dieser späten “kleinen Wiedervereinigung” kann der SR sich als innovativer und über die Grenzen hinweg unüberhörbarer Sender feiern.

Dass es den Saarländischen Rundfunk überhaupt gibt, hat viel mit Politik und noch mehr mit der schwierigen Geschichte des Saarlandes zu tun. Frankreich hatte seit 1930 von Straßburg aus das Saarland (damals noch unter Mandat des Völkerbundes stehend) propagandistisch beschallt, Deutschland antwortete mit verstärkten Sendern aus dem damaligen Reichsgebiet. Nach dem Votum der Saarländer zur Rückkehr ins Deutsche Reich von 1935 entstand unter dem Hakenkreuz der “Reichssender Saarbrücken” als Nazi-Propaganda-Instrument.

1945 hielten die französischen Besatzer das Saarland aus dem neu entstehenden Südwestfunk heraus. Als “französischer Sender in deutscher Sprache” sollte Radio Saarbrücken die Bürger auf die vollständige Eingliederung nach Frankreich vorbereiten. Sendungen wie “So lebt Frankreich” oder “Wir lernen Französisch” standen täglich im Programm. Mit der zweiten Rückkehr der Saarländer nach Deutschland war dann klar, dass das bisher französisch inspirierte Radio Saarbrücken nun zum Saarländischen Rundfunk werden musste.

Als “Identitätsstifter”, “Saarland-Botschafter”, “Brückenbauer in der Großregion” und “der französischste unter den deutschen Rundfunksendern” sieht sich der Saarländische Rundfunk mit seinen 551 Beschäftigten. Frankreich liegt ebenso wie Luxemburg immer direkt vor der Tür – der SR schöpft aus dem Vollen diverser Kooperationen vor allem im Kulturbereich. Der Deutsch-Französische Journalistenpreis ist hier ebenso zuhause wie die ARD-Berichterstattung über die Tour de France.

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Am 2. Januar 1964 schlugen die Saarländer Radiomacher neue Töne an. Mit der Europawelle Saar reagierten sie auf den Erfolg des benachbarten Radio Luxemburg, das mit seinen “vier fröhlichen Wellen” viele deutsche Hörer zum Umschalten bewegte. Als “kleine Revolution” beschrieb der früherer SR-Intendant Fritz Raff das: Leute wie Manfred Sexauer und der von RTL gewechselte Dieter Thomas Heck spielten plötzlich mehr oder weniger durchgängig flotte Musik. Nachrichten gab es stündlich, nicht nur zu bestimmten Zeiten. Und etwas später wagte man gar, Originaltöne in Nachrichten hineinzuschneiden. Radiohören nicht mehr als “Intensivtätigkeit”, sondern nebenbei – das war die Botschaft von der Saar. Nirgendwo in Deutschland ist der Musikanteil im Radio so hoch wie bei den SR-Sendern: 75 Prozent.

Fast noch wichtiger war, dass der chronisch verarmte SR, der mangels eigener Gebühreneinnahmen schon seit 1959 und ebenso wie auch Radio Bremen bis heute auf Finanzhilfen anderer ARD-Anstalten angewiesen ist, die Werbung neu organisierte: Nicht mehr nur zu bestimmten Zeiten, sondern über den ganzen Tag verteilt. Dafür gab es in der ARD viel Kritik, bis sich das Prinzip überall durchsetzte.

Deutsche Fernsehgeschichte schrieb der SR öfter, unter anderem mit modernen Musikporträts des Regisseurs Truck Branss in den 60er-Jahren, später gab es auch große Fernsehspiele oder Kultserien wie “Familie Heinz Becker”. Derzeit konzentriert man sich auf Zukunftsprojekte. Man wolle zu einem “modernen, zukunftsfähigen Medienunternehmen und einer interaktiven, verlässlichen und unverzichtbaren Präsenz in der Netzwelt” werden, formuliert Intendant Thomas Kleist.

Von Dieter Ebeling

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