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„Die US-Amerikaner haben demokratisch entschieden“: So reagieren Deutschlands Medienchefs auf den Wahlsieg Trumps

Bertelsmann-CEO Thomas Rabe und Springer-Chef Mathias Döpfner

Die Amerikaner haben Donald Trump zum neuen Präsidenten der USA gewählt – und die Welt ist geschockt. Die Börsen sind unter Druck, Politiker weltweit entsetzt. Viele Medienhäuser – darunter Bertelsmann und Springer – äußern sich nach der überraschenden Wende bei der US-Wahl sehr verhalten und rufen zur Besonnenheit auf. Und dies aus gutem Grund: Denn für Bertelsmann und Axel Springer sind die USA ein wichtiger Markt.

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Die USA hat gewählt. Und der neue Präsident heißt Donald Trump. „Die US-Amerikaner haben demokratisch entschieden“, bemerkt Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hierzu in einem kurzen Statement gegenüber MEEDIA und will damit offenbar zum Ausdruck bringen, die Ernennung Trumps durch das amerikanische Volk zu respektieren.

Von der neuen US-Regierung fordert Rabe jetzt vor allem eins. Trump solle die amerikanische Gesellschaft „einen.“ Wörtlich: „Nach der langen Wahlkampfperiode ist es nun an der Zeit, die Gesellschaft wieder zu einen und rasch zu Sachthemen zurückzukehren“, ruft der Konzernchef auf. Und dies offenbar aus guten Gründen: Denn politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Stabilität seien für den Gütersloher Medienkonzern „die Voraussetzung für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der US-Geschäfte“, betont Rabe. Die USA seien für Bertelsmann der zweitgrößte Markt und damit von strategischer Bedeutung. Die Gütersloher setzten dort mit mehr als 11.000 Mitarbeitern 2015 rund 4 Milliarden Euro um – mit wachsender Tendenz.

Der Berliner Springer-Konzern (Bild, Welt) hält sich hingegen mit einer Wertung bedeckt: „Die kurz-, mittel- und langfristigen Folgen, die sich aus der Wahl von Donald Trump ergeben, lassen sich aus heutiger Sicht nicht seriös einschätzen. Eines aber steht fest: Journalismus hat Hochkonjunktur!“, betont Konzernsprecherin Edda Fels auf Anfrage. Vorstandschef Mathias Döpfner wollte vorerst kein persönliches Statement abgeben. Der Journalist hatte frühere politische und wirtschaftliche Großereignisse meist zum Anlass genommen, um sie am nächsten Tag auf der Titelseite der zum Verlag gehörenden Tageszeitung Die Welt zu kommentieren.

Auch für Springer ist der US-Markt wichtig. Das Unternehmen hatte erst jüngst eine eigene Repräsentanz in New York eröffnet. „New York ist in den USA der wichtigste Standort für digitalen Journalismus. Axel Springer ist mit den Übernahmen von Business Insider und eMarketer und den Beteiligungen an NowThis, Thrillist oder auch Mic bereits heute als strategischer Medieninvestor in New York sehr engagiert“, erklärte Döpfner zur Eröffnung der Dependance an der Ost-Küste.

Zurückhaltend äußert sich auch die Münchener TV-Sendergruppe ProSiebenSat1. Das Unternehmen will sich nicht an „kommentatorischen Schnellschüssen“ beteiligen. Ein Konzernsprecher betonte lediglich: „Die USA bekommen einen neuen Präsidenten, man wird sehen, welche Prioritäten er wirklich setzt“, erklärt ein Firmensprecher.

Jetzt meldet sich auch Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), zu Wort: „Der Souverän hat in den USA in fairen und freien Wahlen demokratisch entschieden. Offenkundig standen häufig kaum erträgliche Konfrontation und Aggression beim Wahlkampf im Vordergrund. In einer Welt zunehmender Konflikte, Radikalsierung von Meinungen und Einschränkungen von Freiheitsrechten – gerade auch der Pressefreiheit – sind Entwicklungen in den USA von zentraler Bedeutung“, meint der VDZ-Chef.

Ein Blick auf den ersten Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung würde die zentralen Werte umfassen: „Der Kongress darf kein Gesetz erlassen, das die Einführung einer Staatsreligion zum Gegenstand hat, die freie Religionsausübung verbietet, die Rede- oder Pressefreiheit oder das Recht des Volkes einschränkt, sich friedlich zu versammeln und die Regierung durch Petition um Abstellung von Missständen zu ersuchen.“ Daran müsse sich auch der neue Präsident halten, betont Scherzer.

Der VDZ weist auch auf das enge Verhältnis Deutschlands zur US-Printindustrie: „Die Verbindungen zwischen der deutschen und US-amerikanischen Verlagsbranche und den Verlegerverbänden sind traditionell sehr eng und vertrauensvoll. Nach dem zweiten Weltkrieg waren es die Amerikaner und westlichen Alliierten, die den Grundstein für die Pressefreiheit und die Vielfalt unterschiedlicher Meinungen der publizistischen Landschaft in Deutschland gelegt haben. Wir werden sehen, ob sich nach dem unerträglichen Schauspiel des Wahlkampfes tatsächlich grundlegende Werte und Rahmenbedingen verschieben werden“, erklärt der VDZ-Geschäftsführer.

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