Partner von:
Anzeige

„Hubsis Gelmann“, “ADHS-Manager”: SZ-Chef Kurt Kister verhöhnt Burda-Vorstand Philipp Welte

SZ-Chefredakteur Kurt Kister: “Sitzen ist nichts für ADHS-Manager”
SZ-Chefredakteur Kurt Kister: "Sitzen ist nichts für ADHS-Manager"

Jeden Freitag wendet sich Kurt Kister, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, in einer E-Mail an die Abonnenten der SZ. Darin behandelt er mit spitzer Feder wechselnde Themen. An diesem Freitag dürften die Branchen-Kenner unter den Stammlesern der Süddeutschen nicht schlecht gestaunt haben – Kister nimmt Burda-Vorstand Philipp Welte aufs Korn. Letzteren lässt der Affront einigermaßen gelassen.

Anzeige
Anzeige

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus –  von wegen! Zwar ist die Rivalität zwischen dem Süddeutschen Verlag und der Burda-Gruppe historisch gewachsen, und die Top-Entscheider beider Medienhäuser sind sich zumeist in herzlicher Abneigung verbunden. Aber für das, was Kurt Kister, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, jetzt in seiner Mail rausgehauen hat, ist der Begriff Holzhammer schon ein Euphemismus. Der Ton, den Kister diesmal anschlägt und auch die Ausdauer, mit der er sich an Welte abarbeitet, sind bemerkenswert.

In den ersten Absätzen des Abonnentenbriefes beklagt sich Kister über mehrere Absätze noch, was er alles so lesen müsse. Nach diesem langsamen, aber wortgewaltigen Anpirschen, folgt die erste Attacke. So heißt es im vierten Absatz:

In der Zeit las ich unlängst ein Interview mit einem Mann namens Philipp Welte, den Sie nicht kennen müssen, es sei denn, Sie arbeiten für Burda oder stellen Haargel her. Jener Welte ist Vorstand bei Burda, ein in der Branche irgendwie bedeutender Mann, der rein phänotypisch auch einem Film über Wölfe an der Wall Street entlaufen sein könnte.

Kister ist mittlerweile davon überzeugt, dass immer mehr Menschen, „die etwas Bestimmtes tun, so aussehen, als kämen sie gerade von einem Filmdreh“. Deshalb wäre er auch nicht überrascht, dass der „Burda-CEO nun mal“ so aussehe, „wie Doris Dörrie einen Burda-CEO besetzen würde.“ Und Kister kommt nun richtig in Wallung:

„Dieser Welte also saß beim Interview auf einem Stuhl und wollte wissen, wie lange er da noch sitzen müsse“, schreibt der SZ-Chef weiter. „Der Mann von der Zeit, offenbar ein vernünftiger Kollege, fragte: Wieso? Und dann sagte der simulacristische Manager, der einem gebildeten, älteren Milliardär die Geschäfte führt, folgenden Satz: ‘Sitzen ist das neue Rauchen. Es macht mich unruhig.’“

Anzeige

Das ist der entscheidende Satz, über den sich Kister eigentlich nur aufregen wollte. Denn jetzt scheibt er weiter:

Nun also zu sitzen und rauchen. Rauchen ist böse, unhip, macht krank und stinkt. Das war zwar in den Zeiten, als Hubsi Burda das ererbte Vermögen vergrößerte, noch nicht so, da rauchten alle und wollten gerne aussehen wie Humphrey Bogart oder wenigstens Andy Warhol. Heute aber ist Rauchen äbäh, und Hubsis Gelmann findet jetzt Sitzen äbäh. Sitzen ist für ihn wohl Stillstand, Inaktivität, Verschlafen, Nixmitkriegen. Und wahrscheinlich stinkt es auch.

Kisters Fazit: „Sitzen ist jedenfalls nichts für ADHS-Manager. Allerdings kann man im Sitzen ziemlich gut denken“.

Bei Burda und in der Branche dürfte man schon erstaunt sein, welch heftige Emotionen die Formulierung „Sitzen ist das neue Rauchen“ aus den Mund von Philipp Welte, beim Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung auslöste. In der Aufregung hielt der SZ-Chefredakteur es mit den Fakten allerdings nicht so genau. Welte ist nämlich entgegen Kisters Annahme gar nicht der „Burda-CEO“. Diesen Posten hat Paul-Bernhard Kallen inne. Weltes offizieller Titel lautet Vorstand Medienmarken National.

Am Wochenende gab Welte auf Anfrage ein eher achselzuckendes Statement zu Kisters Mail ab: “Ich kenne Herrn Kister nicht, aber es scheint sich um einen übellaunigen Sitzenbleiber zu handeln.”

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Nun ja, fragen wir uns doch einmal dies: sind diese Ein- oder, besser,: Auslassungen von KK über Welte, und auch noch etwas fasch, wirklich diesen Beitrag in meedia wert? KK führt die SZ unter der Fuchtel Prantels brach und ist ein begnadeter Streiflicht-Autor .Aber schon damals, als im alten SZ-Gebäude im Herzen Münchens noch der Paternoster die Redakteure noch oben oder unten führte, sagte man KK wegen seiner besonderen Ironie nach, zum Lachen führe er in den Keller.

  2. Ich will nicht den Eindruck erwecken, dass sich nun alle ehemaligen SZ-Redakteure über den Humor von Kurt Kister auslassen. Aber jeder, der seinen Abonennten Brief am Freitag liest, kann sich sicher sein, einige kluge Beobachtungen zu finden. Und es gibt nicht wenige Leser, die diese Briefe lieber lesen als einen Kommentar auf der Seite 4.

    Alexander Beckers Erstaunen über die Kollegenschelte zeigt allerdings, dass er nicht zu den regelmässigen Lesern der “Briefe” gehört. Kisters Fähigkeit ist ja gerade, dass er nicht nur auf den Dreck vor anderen Türen aufmerksam macht, sondern bei seinen kritischen Anmerkungen zu Verlegern das eigene Haus nicht ausnimmt. Und sein Hinweis, dass er sich die verlegerische Hauspost im eigenen Haus in einem verständlichen Deutsch wünscht, ist in der Tat der interessantere Aspekt als die gelgestützte Frisur eines Kollegen aus einem anderen Haus.

  3. Lieber Herr Saur,

    ich denke, es macht einen erheblichen Unterschied, ob man über sich selbst oder das eigene Verlagshaus ironisch grantelt – vor allem, wenn man intern für seine Ironie bekannt ist und es zum Sound der Kolumne gehört – oder ob am sich eine andere „fremde“ Person zur Brust nimmt.
    Ein Beispiel: Wenn ich mich öffentlich als Arsch bezeichne, so ist das meine Entscheidung. Wenn ich allerdings jemanden anderes als Arsch bezeichne, muss ich mich nicht wundern, wenn es als Beleidigung empfunden wird. Ob ich das billigend in Kauf nehme, steht natürlich wiederum auf einem anderen Blatt.

  4. Der Pöbeljournalismus kommt nicht von ungefähr.
    Würde er über praktische Erfahrungen beim Sex mit Hackfleisch verfügen oder den Sex mit Kindern in der Kinderehe unterstützen , dann könne er direkt als journalistische Bereicherung bei der Zeit anfangen.
    Aber bei dieser Qualifikation wäre er finanziell um einiges solider aufgestellt, wenn er als Ministerialbeamte oder Berater bei Erdogüz oder Maas oder sonst einem SPD geführten Ministerium anfinge. Dort wäre auch weniger Leidenschaft von Nöten. Eigentlich überhaupt keine Leidenschaft. Besser für die angespannten Nerven.

  5. Lieber Herr Becker,

    die Kunst des Kollegen Kister besteht darin, dass er ohne Vokabeln wie “Arsch” auskommt. Er aktiviert ohne heuteShow-haftige Derb- & Plattheiten das Kopfkino beim Leser. Als ich die Abonnentenkolumne las – von der ich, anders als bei den von seinen nicht immer auf Unterstöger-, Meyer- oder Hacke-Niveau formulierenden Hintersassen verfassten Streiflichtern, keine Folge auslasse –, musste ich mir ein schallendes Lachen verkneifen. Ich hatte das Interview nicht gelesen, fühlte mich aber, live und in Farbe, als dessen Zuschauer. Sage niemand, der mit dem Namen Welte etwas anfangen kann, er habe nicht wenigstens vernehmlich geschmunzelt.

    Im übrigen mokierte sich der “gehobene Verwaltungsbeamte” (Kister über Kister) nicht nur über ADHS, Gel und Tabak, sondern vor allem über die Stuttgarter Flanellmännchen und darüber, wie manche Medienmanager heute ihre eigene Befindlich- bzw. Verhaltensauffälligkeit kommentieren: Wenn Sitzen das neue Rauchen ist, ist Welte vielleicht der neue Todenhöfer?

    Ob Kurt Kister, diese “Mischung aus Vater Theresa und Frankenstein” (noch mal kk über kk), zum Lachen je die Paternoster-Runde durchs Basement an der Sendlinger Straße gedreht hat, weiß ich nicht, Herr Schulze. Dafür kann ich ihm attestieren, dass ich ihn des öfteren bei oberirdischem Gelächter ertappt habe. So ist das wohl mit Chefredakteuren: Die einen kennen sie als Dr. Jekyll, die erkennen ihn ihnen Mr. Hyde.

  6. Dieses sinnfreie Kollegenbashing spricht für den dekadenten Zustand der Medienbranche allgemein wie des Autors Kister im besonderen. Rund um uns herum brennt die Hütte; Demokratie, Rechtsstaatliche Ordnung und Gesellschaftsmodelle brechen im Rekordtempo zusammen (ob in der Türkei, in den USA, in Syrien, Nordafrika oder in der eigenen Hauptstadt) – doch Kister kennt kein größeres Problem als, über die neumodisches Befindlichkeiten eines vermeintlich zu hippen Medienmanagers zu lästern. Na dann gute Nacht, Medienwelt. Und herzliches Beleid, Süddeutsche Zeitung, zu einem solch abgedrehten Chef.

  7. Nun ja, wer Herrn Welte kennt…wird sich mehr als nur klammheimlich freuen…und das mit der Krähe und den Augen…heisst wohl, dass sich jeder Journalist gefälligst mit dem Pennäler-Unfug von Blome oder im Falle der SZ dem transatlantischen Minnegesang von Kornelius einverstanden erklärt, nur weil jeder von denen halt einen Presseausweis hat. Die Winde haben sich gedreht seit 2001 und es darf und muss Klartext gesprochen werden, auch unter Krähen. Ich habe aber das unbehagliche Gefühl, dass diese eigentlich überflüssige Solidaritätsadresse für Burda vielleicht mit dem finanziellen Backing von Media zu tun hat. Wo erfährt man denn, wie sich die Agentur im Detail finanziert?

  8. Herr Welte? Kenne ich nicht. Muß man? Wer ist das? Ein Medien-Manager? Also bald in Vergessenheit versunken, ebenso wie meine unbedeutende Gestalt es schon immer war. Als Abonnent der SZ kenne ich hingegen Chef Kistner. Nur vom Lesen versteht sich, nicht zuletzt wegen seines Abonnentenbriefes. Über diesen kann auch ich häufig schallend lachen. Nur wer keinen Humor hat, nur wer stocksteife Kommentare (ja, meinetwegen wie die eines Herrn Kornelius…) mag, möge sich über Kistners meist treffend triefende Ironie aufregen, womöglich gar richtig ärgern. Nein, ich mag das. Wer mit dem unvergessenen Panther, Tiger und Co., erschienen bei rororo, seine ersten ernsthaften Leseerlebnisse hatte, muß es mögen. Andere lesen lieber Rundschreiben. So dekadent sind die. Nun, sollen sie doch.

  9. Herrn Welte kenne ich nicht, aber Haargel finde ich übel. Schon deshalb bin ich auf der Seite von Herrn Kister. Aber nicht nur deshalb. Wo ich Kister loben kann tue ich es. Ich muss den Brief damals verpasst haben. Das ärgert mich.
    Kisters Anmerkungen heute zu Personenkult und Wichtigtuern finde ich wieder einmal genial. Ich teile seine Auffassung und würde gerne so schreiben können wie er. Das reicht, oder?

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia