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Kanzlerin Merkel auf den Münchner Medientagen: „Wer gründlich recherchiert, vermag auf Dauer zu überzeugen“

Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert an US-Konzerne ihre Algorithmen transparent zu machen

Zum 30. Jubiläum der Medientage München gab sich auch die Bundeskanzlerin die Ehre und eröffnete die Gipfel-Veranstaltung mit einer Rede, in der sie über den medialen Wandel sprach. Darin ermahnte Angela Merkel die Medien, in den hektischen Zeiten des digitalen Wandels auf Qualität zu setzen. Von Konzernen wie Facebook oder Google forderte die Kanzlerin mehr Transparenz – allerdings ohne ihre Namen zu nennen.

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Stattdessen sprach Merkel konsequent von „Algorithmen“, welche die Gefahr mit sich brächten, Nutzern im Netz den Horizont zu beschränken. „Die eigene Bequemlichkeit, sich bestätigt zu fühlen, führt einen in Versuchung, sich nicht mehr um andere Meinungen kümmern zu müssen“, warnte die Kanzlerin. Auch deshalb sei es wichtig, dass Algorithmen transparent gemacht werden.

Merkel kritisierte auch die Debattenkultur im Netz: „Wir erleben in letzter Zeit eine Art und Weise der Äußerung von Zweifeln, die mit Kritik in konstruktiver Art nichts mehr zu tun haben.“ Dabei warnte die CDU-Chefin, dass so der Diskurs und die Fähigkeit, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen, abnehmen und Wahrnehmungen verzerrt werden.

Es ist schon beachtlich, dass die Kanzlerin in ihrer rund 30-minütigen Rede einen Großteil der Zeit auf Chancen und Risiken durch Algorithmen verwendete, ohne die dabei relevanten Akteure Facebook oder Google beim Namen zu nennen. Um der Verzerrung von Wahrnehmungen etwas entgegenzusetzen, appellierte die Kanzlerin auch an die Medien. Vor allem in hektischen Zeiten des digitalen Wandels seien solide Information und Einordnung umso wichtiger.

„Wer gründlich recherchiert, vermag auf Dauer zu überzeugen. Qualität stärkt Glaubwürdigkeit und Vertrauen“, so Merkel. Die Menschen seien auf der Suche nach einem „Anker, dem sie dieses Vertrauen schenken können.“ Gleichzeitig mahnte die Kanzlerin, dass die Medien sich dem steigenden Druck nicht unterwerfen sollen. Manchmal müsse sie lächeln, wenn Redaktionen Ereignisse bereits kommentieren und einordnen, bevor sie überhaupt stattgefunden haben.

Die Kanzlerin bekannte sich auch zu einem einheitlichen „digitalen Binnenmarkt“ in Europa. Die Arbeit des jüngst viel kritisierten deutschen EU-Digitalkommissars Günther Oettinger lobte sie dabei ausdrücklich. Sie sei froh, dass die EU mit Oettinger einen deutschen Experten habe.

Ebenfalls nur auf europäischer Ebene zu klären sei der Umgang mit Big Data. Daten seien der „Rohstoff der Zukunft“ bekräftigte die Bundeskanzlerin. Der Umgang damit werde entscheiden, ob Deutschland in Zukunft eine „verlängerte Werkbank“ oder weiterhin führender Industriestandort sei.

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