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“Applaus und Raus!” mit Oliver Polak bei ProSieben: Tinder-Talkshow mit Harakiri-Humor

In “Applaus und Raus!” (ProSieben) dreht Oliver Polak das Talkshow-Genre auf links.
In "Applaus und Raus!" (ProSieben) dreht Oliver Polak das Talkshow-Genre auf links.

#gastoderspast – das war das offizielle Motto der neuen ProSieben-Talkshow mit Comedian Oliver Polak. Der Titel der Sendung lässt sich wörtlich nehmen: Wer in "Applaus und Raus!" den Moderator anödet, macht Platz für den nächsten Gesprächspartner. Das Ergebnis: Neun Gäste in 43 Minuten. Man ist geneigt zu fragen: Ist das Kunst oder kann das weg?

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Gleich nach den Hallodris von “Circus HalliGalli” quatscht und kumpelt der Talkshow-Host für Generation Y – in Jogging-Anzug und Sneakern, wir sind ja bei ProSieben – nur so lange mit seinen Überraschungsgästen, wie er sie unterhaltsam findet. Schlafen ihm beim unverbindlichen Speed-Talking die Füße ein, drückt der Comedian auf den Buzzer. Und sein Gegenüber macht Platz für den nächsten Gast. So weit, so unüblich.

Oliver Polak schießt schamlosen Sprüchen („Mit ProSieben und mir, das muss man sich vorstellen wie bei Germanwings und den Piloten: Die wissen, da stimmt was nicht, lassen mich aber trotzdem erstmal machen.“) und Judenwitzen (“Ein Jude, fett und in Farbe? Ich weiß, ihr seid Juden in dünn, abgemagert in schwarz-weiß gewohnt”) um sich – und lockt  mit seinem Harakiri-Humor selbst einen Oliver Pocher aus der Reserve.

Seine Fragen an den früheren Viva-Kollegen: “Wen bumst du gerade?”, “Wieder eine Frau, die kleiner ist als Du?” oder warum er zuletzt eher in den Klatschspalten für Aufsehen gesorgt hat. “Da muss ich mich gar nicht rechtfertigen”, eiert Pocher um eine schlagfertige Antwort herum. “Machst du aber!”, attestiert Polak. Und haut auf den Buzzer. „Für alle die jetzt erst einschalten: Stefan Raab ist tot – ich mache das jetzt.“ Raus ist der erste Gast. Oder: Spast, nimmt man den offiziellen Hashtag zur Sendung #gastoderspast wörtlich.

Gefühlt länger als 120 Sekunden saß einzig Margarete Stokowski, Buchautorin und Spiegel Online-Kolumnistin, auf Polaks heißem Stuhl. Ihr Vorgänger, Rapper Frauenarzt, war einfach nicht berühmt genug – und flog noch bei der Begrüßung raus. Nach einem kurzen Sexismus-Schlagabtausch, jeder zweite Gag wäre ja so “Ficken, ficken”, ist aber auch dieses Speed-Date vorbei: “Möchtest Du noch jemanden grüßen?”, fragte Polak. Auch mit SpOn-Kollege Sascha Lobo („Wenn ich dich sehe, mit Deinem Laptop in Berlin-Mitte, denke ich: der schon wieder.“), MTV-Moderatorin Wana Limar (“Du schreibst nie bei Facebook”) und Prinzessin Felicitas von Anhalt (“Was machst Du hier?”) wird kurzer Prozess gemacht. Reden? Raus!

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Man ist geneigt zu fragen: Ist das Kunst, oder kann das weg? Denn so mutig und das Konzept auch sein mag, sinnvoll ist die Tinder-Talkshow nur bedingt. In 43:21 Minuten Sendezeit fertigt Polak insgesamt neun Gäste ab. Den Gehalt der Gespräche kann man sich ausmalen. Darüber täuschen auch die demonstrativen Gags der Kategorie “Darf er das?” nicht hinweg.

Einzig vor seinem letzten Gast scheint der Comedian noch Respekt zu haben: seiner Mutter. Obwohl er auch der erzählt, wie er einst mit seinem Kumpel gemeinsam onaniert habe. “Ich habe jetzt ehrlich gesagt genug”, merkt Polak in einem Moment der Selbstreflektion – und drückt den Buzzer.

Einsicht ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung.

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Alle Kommentare

  1. Das war abzusehen. ProSieben weiß nicht weiter ohne Raab und versucht verzweifelt künstlich etwas ähnliches aufzuziehen. Dabei kommt unweigerlich nur Schund raus.

    “gastoderspast”? Wird jetzt “Spast” als beleidigende Äußerung im Fernsehen saloontauglich? Begriffe aus dem Vokabular für Behinderungen als Beleidigungen zu verwenden dürfte eigentlich etwas sein, was die Breite der Gesellschaft längst überwunden hat. Oder ProSieben ist wirklich verzweifelter als man denkt und muss sich Inhalte von Comedy-Central abgucken.

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