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Donald Trump droht, die New York Times zu verklagen – und die kontert grandios

Donald Trump

Neuer Wahlkampftag, neue Breitseiten von Donald Trump. Auf einer Veranstaltung in Florida teilte der republikanische Präsidentschaftsbewerber wie gewohnt heftig gegen Hillary und Bill Clinton aus („Sie sind Verbrecher“), aber auch gegen die Medien. Vor allem die New York Times ist nach einer neuen Enthüllungsgeschichte über die sexuelle Belästigung zweier Frauen durch Trump ins Fadenkreuz seiner Attacken gerückt. Trump will die NYT verklagen, doch die kontert Minuten nach seiner Wahlrede gekonnt.

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Stein des Anstoßes ist diese investigative Reportage der New York Times, die gestern veröffentlicht wurde.

Die renommierte amerikanische Tageszeitung berichtet darin von Zudringlichkeiten Trumps gegenüber den Frauen Jessica Leeds und Rachel Cross, die sich im Flugzeug und in einem Bürogebäude ereignet hätten. Donald Trump stritt die Vorwürfe kategorisch ab.

Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Florida zog Trump dagegen kräftig gegen die „scheiternde“ New York Times vom Leder: „Die Anschuldigungen sind eine einzige Erfindung“, wetterte der 70-Jährige in Palm Springs.

„Diese Geschichten kommen aus Pressekanälen, die in der Vergangenheit schon diskreditiert worden sind“, erklärte Trump an die NYT gewandt. Auch ein New York Times-Artikel vor fünf Monaten sei „ein Schwindel und eine Blamage“ gewesen. Gemeint ist die Reportage „Crossing the Line: How Donald Trump behaved with Women in Private„.

Dieselben zwei Redakteure – Megan Twohey und Michael Barbaro –, die laut Trump „längst von der New York Times für das, was sie taten, hätten gefeuert werden müssen“,  haben nun mit ihrer neuen Reportage nachgelegt, die Trump eine weitere „lächerliche Erzählung“ nannte – „keine Zeugen, nichts“.

Donald Trump: „Wahrscheinlich wird es die New York Times in ein paar Jahren gar nicht mehr geben“

„Dies ist Teil einer konzertierten Aktion, die von der New York Times und anderen durchgeführt wird“, betrieb Trump Medienschelte und attestierte der vielfach prämierten US-Tageszeitung,“verzweifelt auf der Suche nach Relevanz“ zu sein und „ums finanzielle Überleben zu kämpfen“. „Wahrscheinlich wird es sie in ein paar Jahren gar nicht mehr geben, was nicht mal so schlecht wäre“, trat der Multimilliardär nach.

Donald Trump wiederholte auf der Wahlkampfrede zudem, die New York Times für die neuen Anschuldigungen verklagen zu wollen. Trumps Anwalt hatte die NYT zuvor bereits aufgefordert, die Verbreitung des Artikels einzustellen, ihn offline zu stellen und sich bei Trump zu entschuldigen.

NYT: „Herr Trump hat seinen Ruf durch seine eigenen Worte und Handlungen selbst geschaffen“

Zeitgleich zu Trumps Rede in Florida reagierte die als „Gray Lady“ bekannte US-Tageszeitung mit einem anwaltlichen Schreiben, das es in sich hatte.

Das Wesen einer Verleumdungsklage ist der Schutz des eigenen Rufs. Herr Trump hat mit seinen nicht einvernehmlichen, sexuellen Berührungen von Frauen geprahlt. Er hat damit geprahlt, auf Schönheitswettbewerben Teilnehmerinnen in Umkleidekabinen nachzustellen. Er erklärte sich damit einverstanden, dass ein Radiomoderator seine eigene Tochter als „Stück Arsch“ bezeichnen dürfe. Mehrere Frauen, die nicht in unserem Artikel erwähnt wurden, haben von sich aus über die unerwünschten Annäherungen von Herrn Trump berichtet. Nichts in unserem Artikel hat die geringste Wirkung auf den Ruf von Herrn Trump, den er durch seine eigenen Worte und Handlungen bereits  selbst geschaffen hat.

Die NYT schloss das Schreiben mit der regelrechten Aufforderung zu einem Prozess:

Wenn Herr Trump anderer Meinung ist, wenn er davon überzeugt ist, dass amerikanische Bürger kein Recht haben, zu hören, was die Frauen zu sagen hatten, und das Gesetz dieses Landes uns und diejenigen, die es gewagt haben, ihn zu kritisieren, dazu zwinge, still zu sein oder bestraft zu werden, dann begrüßen wir die Möglichkeit, ihm durch ein Gericht den Kopf zurechtzurücken.

Der kraftvolle Konter schlug im Social Web erwartungsgemäß hohe Wellen:

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