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Penis-Witze und fröhliches Apple-Bashing: So lief die erste Böhmermann-Sendung “nach Erdogan”

Böhmi is back: Nach Abschluss des Strafverfahrens gab sich der Comedian im “Neo Magazin Royale” launig und relaxed – aber auch ein wenig bieder
Böhmi is back: Nach Abschluss des Strafverfahrens gab sich der Comedian im "Neo Magazin Royale" launig und relaxed – aber auch ein wenig bieder

Von Adam bis Apple: Für seine erste „Neo Magazin Royale“-Folge nach Einstellung des Erdogan-Strafverfahrens scheint sich Jan Böhmermann fest vorgenommen zu haben, möglichst harmlosen Mainstream abzuliefern. Im Angebot: ein paar Penis-Witze zum RTL-Trash "Adam sucht Eva", niedrig dosierte Anspielungen auf die „kleine Staatskrise“ und ein ausuferndes, durchaus lustiges Bashing des "Appletums".

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Gerade der langjährige Kult-Konzern aus Cupertino ist witzetechnisch schon länger fällig – zumindest im deutschen Fernsehen. Die US-Late-Night-Shows arbeiten sich seit einiger Zeit an den immer neuen – vermeintlich – revolutionären Neuerungen der iPhone-Erfinder ab. Vor allem Conan O’ Brien hat das mediale Apple-Lästern zu einer eigenen Kunstform erhoben. Seinen eigenen Apple-Spott kann Böhmermann diesmal aus einer für einen Satiriker höchst komfortablen Position heraus anbringen: die der enttäuschten Liebe. Von dem Moderator ist schon lange bekannt, dass er eigentlich in die Riege der Apple-Fanboys einzusortieren ist.

Spätestens seit der ersten Apple Watch scheint aber seine Liebe erkaltet zu sein. Pünktlich zum fünften Todestag von Steve Jobs legt Böhmermann in einer neuen Folge der „Tele-Lupe“ nun dar, warum das “Appletum” noch vor dem Christentum und dem Islam die größte aller Weltreligionen ist. Immerhin zeigt das US-Unternehmen alle Merkmale einer echten Glaubensgemeinschaft: Es gibt einen charismatischen Vordenker/Propheten (Steve Jobs), der nach seinem Tod zum Halbgott erhoben wurde, ritualisierte heilige Messen (die Keynotes), die den Glauben stärken und auch eigene Gotteshäuser (Apple-Stores).

„Wir beim ZDF “Neo Magazin Royale” sind alle gläubige Jünger“, gibt der Moderator an einer Stelle zu. Immerhin sind die Mitglieder dieser Glaubensgemeinschaft davon überzeugt, cool und besonders zu sein. Genauso, wie es den alten Werbespots mit dem spießigen PC-Typen und dem hippen Mac-Mann früher immer gezeigt wurde.
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Diese Bewunderung scheint zumindest bei Böhmermann erloschen zu sein. Denn erst feierte er den jungen Franzosen, der in einem Apple-Store mit einer Boule-Kugel 95 iPhones und iPads zerstöre. „Er forderte so, dass sich was ändern muss.” Für den Moderator ist er ein „Held des europäischen Verbraucherschützers“. Dann arbeitete Böhmermann sich zu seiner Kernfrage vor: „Für was steht Apple eigentlich?“ Noch immer für „Erlösung“, „Lebenssinn“, „Seelenheil“ und „The next big thing“ oder doch längst für „schmuddelige Steuer-Vermeidungstricks“, „rücksichtsloses Ausnutzen der Marktmacht“, „Zensur von Inhalten und Apps“ und „Kundenunfreundlichkeit und Wucher“?

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Die Antwort für Böhmermann ist klar: Letzteres. Die „Tele-Lupe“ gipfelt in einer hübschen Parodie eines klassischen „I am Mac / I am PC“-Spot, nur das die Protagonisten mittlerweile alte Männer sind. Während der PC-Mann damit beschäftigt ist, umständlich die Kabel seines Kopfhörer wieder aufzurollen, kann der Mac-Mann schon gar nicht mehr richtig hören, weil er bereits einen seiner kabellosen AirPods verloren hat.

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Das war witzig. Die restliche Sendung bewegte sich dagegen zwischen belanglos und leidlich unterhaltsam. Es gab eine Vielzahl von Penis-Witzen zu Richter Schill und Peer Kusmagk aus „Adam sucht Eva“ und ein paar Mini-Anspielungen auf die vermeintliche Staatskrise, die das Schmähgedicht ausgelöst hatte.

Mit seinem Verzicht auf lautes Triumph-Geheul hat Böhmermann schon einmal alles richtig gemacht. Er hätte mit dem vorentscheidenden Etappensieg gegen den türkischen Präsidenten in der ersten Sendung nach der Einstellung des Ermittlungsverfahrens auch anders umgehen können. Doch Böhmermann handelte nach dem alten Grundsatz: Der Gentleman schweigt und genießt.

Fast. Denn das Team ließ es sich dann noch nicht nehmen, einen kleinen launigen Clip, der noch einmal die fälschlich nicht-ausgestrahlte Sendung aus der Vorwoche thematisiert, mit ein paar kleinen Anspielungen zu spicken. So wurde erwähnt, dass jede neue Folge von der Redakteurin „Niki“ begutachtet wird, damit sie auch keine Staatskrise auslöst und dass dann noch der „Steffen“ vorbeikommt, der auch mal beim ZDF gearbeitet hat: „Der guckt, dass niemand bewusst verletzt wird“.

Mehr Boshaftigkeit war nicht. Der neue Böhmermann scheint sich tatsächlich vorgenommen zu haben, niemanden mehr bewusst zu verletzen. Diesen Eindruck vermitteln alle neuen Folgen seit der Sommerpause. Eigentlich auch ein bisschen schade. Vielleicht wird das „Neo Magazin Royale“ auch nur noch zu einer normalen Late-Night-Show. So wie Apple längst auch nur noch ein normales Unternehmen ist und keine Religion mehr.

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Alle Kommentare

  1. böhmermann, böhmemann, böhmermann – gibt es wirklich kein anderes thema als diesen hampelmann. Zum beispiel malk einen anständigen text über den öffentlch-rechtlichen seichtfunk und Syrien . . . mit der ausnahme des zdf neulich nachts von 0:45 bis 1:20 über die woche in aleppo nach dem bombenhagel auf den UN-Hilskonvoi. Guter Bericht – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und meedia? macht Böhmermann . . .

  2. “Adam sucht Eva” bei den Öffentlich-Rechtlichen:

    Böhmemann holt seine kleine Nudel raus und besorgt es dem verantwortlichen Intentanden mal richtig von hinten.

    Die Einschaltquoten würden durch die Decke gehen
    und der nächste Grimmepreis in Sachen Satire wäre beiden sicher.
    Natürlich für Toleranz und Vielfalt, Volkserziehung und mediale Grundversorgung.

    1. schon okay, wenn “ihr” mal dran seid, dann hat es sich was mit humor, dann kommen so welche wie der jan als erste ins umerziehungslager und lernt, was ein anständiger toitscher witzig zu finden hat.

      danke für den beleg in sachen merkbefreiheit.

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