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Neue Studie: “Chancen der politischen Kommunikation über Twitter werden überschätzt”

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Ernüchternde Untersuchung für Politiker, Journalisten und Twitter selbst. Nach Politmagazinen, Satire-Sendungen und Bild analysiert die Otto-Brenner-Stiftung diesmal die Möglichkeiten, Chancen und Risiken der politischen Kommunikation über den Zwitscher-Dienst. Auch wenn ständig über Twitter-Äußerungen von Politikern berichtet wird, kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass "die Möglichkeiten" von Twitter "überschätzt" werden und man dem Trending Topic nur bedingt trauen könne.

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Dabei ist die Plattform gerade im laufenden US-Wahlkampf fast täglich in aller Munde. Ob in den USA oder auch hierzulande: Ständig berufen sich die Nachrichten auf Tweets von Hillary Clinton und vor allem auf wütende Posting-Ausfälle von Donald Trump. Trotzdem sprechen die Autoren der Studie, Mathias König und Wolfgang König, dem Social-Network so gut wie jedwede Massen-Relevanz ab. So wäre das Versprechen, dass durch die sozialen Netzwerke eine herrschaftsfreiere und demokratische Kommunikation mögliche wäre, “unrealistisch”. Die etablierten Gatekeeper, wie Medienprofis und Journalisten dominieren nach wie vor die politische Kommunikation. Viral gehe ein Hashtag erst dann, wenn er durch die traditionellen Meinungsführer aufgegriffen wird, schreiben die Autoren – “und dies wird oftmals von den beteiligten Akteuren auch bewusst genutzt”.

König und König profilierten sich bislang mit Kommunikationsstudien an der Uni Landau. Für ihre OBS-Analyse untersuchten sie über einen mehrtägigen Zeitraum die politische Hashtags #klöckner, #landaulandunter sowie #flüchtlinge. Dabei zogen sie schnell ein erstes ernüchterndes Fazit: “Letztlich zeigt sich, dass ein Hashtag in Twitter dann erfolgreich ist, wenn traditionelle Medien involviert oder relevante Kommunikatoren beteiligt sind”.

Ein weiterer Kritikpunkt der Autoren ist die Undurchsichtigkeit, mit der das US-Unternehmen bei den Trending Topics agiert. “Twitter macht nicht transparent, auf welchen Kriterien die Trends beruhen. Trotzdem werden Trends journalistisch als Nachrichtenwert wahrgenommen. Das ist problematisch, weil Twitter die Aufmerksamkeit auf Hashtags lenkt, bei denen man anzweifeln könnte, ob mehrere hundert Tweets wirklich ein ‘Trend’ sind”, so das Forscherteam.

Beim Testbegriff #landaulandunter reichten 656 Tweets von 119 Nutzern, um in die Liste der Trending Topics aufgenommen zu werden. Das gelang dem Hashtag #Flüchtlinge dagegen nicht, obwohl 1254 Nutzer insgesamt 2303 Tweets abgesetzt hatten.

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Möglicherweise haben die Forscher-Zwillinge an dieser Stelle etwas missverstanden. Wenn es zu einem bestimmten grundsätzlich ein hohes Tweet-Aufkommen gibt, schafft er es fast nie in diese Liste. In ihr geht es schließlich um “Trends” und nicht um die beliebtesten Hashtags.

Weitere Kritikpunkte des Forscherteams betreffen die Suche und den Einsatz von Bots. So bemängelt die Studie, dass das US-Unternehmen die Ergebnisse der Twitter-Suche nach einem nicht bekannten Algorithmus beschneide. Zudem sind längst Bots innerhalb des Systems aktiv, ohne dass man diese identifizieren kann.

So entdeckten König und König während der Arbeit einen Bot, der bei den Hashtags #klöckner und #flüchtlinge bestimmte Tweets der CDU retweetete. Allerdings stehe diese Form der Aufmerksamkeitsgenerierung nur den wenigsten Twitter-Nutzern zur Verfügung. “Ein Dilemma bei der journalistischen Twitter-Berichterstattung besteht darin, dass die technische Machtoption von Twitter oder auch von Bots nur am Rande thematisiert wird. Der Mythos, dass alle gleichberechtigt via Twitter kommunizieren könnten, bleibt dadurch bestehen”, urteilen die Forscher.

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