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„Guten Tag, mein Name ist Nicolaus Fest“ – der neue AfD-Star geht unter die Video-Blogger

AfD-Neuzugang Nicolaus Fest hat YouTube für sich entdeckt

Nicolaus Fest, einst stellvertretender Chefredakteur der Bild am Sonntag, später Publizist und Blogger am ganz rechten Rand, ist der AfD beigetreten. In seiner neuen Rolle als AfD-Politiker ist Fest unter die YouTuber gegangen und hat ein erstes Video veröffentlicht, in dem er seinen Eintritt in die AfD erklärt. Es ist – wenig überraschend – ein Lehrstück für bürgerlich verbrämte rechte Propaganda.

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„Guten Tag, mein Name ist Nicolaus Fest.“ So beginnt der neue Star der AfD seine Video-Vorstellung vor bürgerlicher Bücherwand. Gleich nach seiner Stadt (Hamburg) und seinem Alter (54) erwähnt er, dass er viele Jahre für Bild und Bild am Sonntag gearbeitet hat, zuletzt als stellvertretender Chefredakteur. Erstaunlich, dass jemand, der nach dem Streit über einen islamfeindlichen Kommentar die BamS verlassen hat und nun einer Partei beigetreten ist, die mit dem Begriff „Lügenpresse“ hantiert und gegen Mainstreammedien wettert, sich so mit seinem alten Arbeitgeber brüstet.

Fest, Sohn des früheren FAZ-Herausgebers Joachim fest, verließ die BamS, nachdem es wegen des Anti-Islams-Kommentars Ärger gegeben hatte. Fest hatte den Islam pauschal als „Integrationshindernis“ bezeichnet. Zitat: „Der Islam stört mich immer mehr. Mich stört die weit überproportionale Kriminalität von Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund. Mich stört die totschlagbereite Verachtung des Islam für Frauen und Homosexuelle.“ Der damalige Bild-Chefredakteur und heutige Herausgeber Kai Diekmann antwortete in seiner Zeitung mit einem Gegen-Kommentar mit der Überschrift „Keine Pauschalurteile gegen den Islam.“ Zitat: „„Genau solche Auseinandersetzung entlang religiöser Grenzen wollen wir NICHT. Wir wollen sie nicht führen, nicht befördern und nicht herbeischreiben. Denn sie enden immer verheerend – das hat die Geschichte oft genug gezeigt!“ Diekmann nannte Fest zwar nicht namentlich, es war aber klar, dass er ihn meinte. Dies war ein ungeheuerlicher Vorgang in der Geschichte des Blattes.

Einige Zeit später trennten sich die Wege von Fest und Springer. Offiziell hieß es stets, der Anti-Islam-Kommentar habe damit nichts zu tun gehabt. Man konnte aber freilich eins und eins zusammenzählen. Nach seiner Springer-Zeit, schrieb Fest dann u.a. ein Blog unter seinem Namen, in dem er ungebremst Ressentiments und Hass aus Muslime schürte. U.a. stellte er die Behauptung auf, muslimische Arbeiter hätten nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York vor Freude auf den Tischen getanzt. Die Richtung von Fest war und ist deckungsgleich mit Pegida und AfD: gegen die Mainstreammedien (mit denen er sich trotzdem gerne brüstet, s.o.), gegen die aktuelle Politik, gegen die EU, gegen den Islam.

Das wird in seinem Video nochmals sehr deutlich. Drei Gründe nennt er für seinen Eintritt in die AfD. Erstens brauche eine Demokratie Opposition. Alle im Bundestag vertretenen Parteien hätten die Grenzöffnung, die Bankenrettung und Griechenland-Rettung mitgetragen. „Das ist ein bisschen wie in der DDR-Volkskammer“, bemüht Fest einen mehr als schiefen Vergleich, denn die Bundestagsparteien wurden – anders als in der DDR – ja tatsächlich frei gewählt. Zweitens sieht Fest die Rechtsstaatlichkeit in Deutschland schwinden, weil das Parlament die Regierung nicht mehr kontrolliere. „Wo es keine Rechtsstaatlichkeit gibt, herrscht Willkür. Wohin das führt, zeigen Russland oder die DDR“, so Fest. Der Staat könne seine Bürger verhaften, mit Prozessen überziehen und enteignen. Obwohl er es nicht direkt so sagt, erweckt er den Eindruck, als sei Deutschland schon soweit oder auf dem Weg dahin. Ein perfides, unverantwortliches Spiel mit Ängsten.

Und schließlich schürt Fest noch die Angst vor der „totalitären Bedrohung durch den Islam“. Da ist es wieder, sein Lieblingsthema. In der Folge zählt er unbelegt alles auf, wofür der Islam seiner Meinung nach steht. Dafür, dass Frauen nachts nicht mehr auf die Straße könnten bis hin zum bloß behaupteten Ausnahmezustand in vielen Schwimmbädern. Andere Parteien, so Fest, hätten sich dem Islam bereits unterworfen.

All dies ist schlimm, am Ende wird es dann sogar noch ein bisschen lächerlich, als er den „ästhetischen Grund“ nennt, der AfD beizutreten: „Ich bin ein Freund von einem fröhlichen, bürgerlichen Optimismus und auch von Manieren und Stil. Darum habe ich Schwierigkeiten mit einer Kanzlerin, die jeden Tag mürrischer und verdruckster wirkt und ich habe auch Schwierigkeiten mit einem Vizekanzler, der Demonstranten als Pack denunziert und schon gegenüber ein paar dummen Jungs die Beherrschung verliert und den Mittelfinger zeigt.“

Ein Mann, der nach eigener Aussage wert auf „Manieren und Stil“ legt fühlt sich in der AfD gut aufgehoben. Das entbehrt in der Tat nicht einer gewissen Komik. Fest ist keiner, der sich auf Marktplätze stellt und „Volksverräter“ schreit, dass ihm der Speichel aus dem Mund fliegt. Fest ist feiner, gediegener. Aber darum keinen Millimeter weniger rechts.

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