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Neuer Zoff im Constantin-Reich: Aktionärsgruppe will Firmenchef Fred Kogel das Vertrauen entziehen

Streiten um die richtige Strategie: Bernhard Burgener (li.) und Fred Kogel
Streiten um die richtige Strategie: Bernhard Burgener (li.) und Fred Kogel

Showdown für Constantin Medien-Chef Fred Kogel: Der ehemalige ZDF und Sat 1-Manager plant, sich von der Filmsparte zu trennen. Doch eine Aktionärsgruppe um den ehemaligen Constantin-Chef Bernhard Burgener hat ganz andere Pläne. Sie will Kogel „das Vertrauen entziehen“ und für das vergangene Geschäftsjahr nicht entlasten. Für Kogel wird es damit immer schwieriger, den Konzern nach seinen Vorstellungen neu auszurichten.

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Es ist ein Ort, an dem die bayrische Lebensart gern zelebriert wird: das Wirtshaus Paulaner am Nockherberg, vielen Münchenern noch als Salvatorkeller bekannt. Ausgelassen wird hier bei Starkbier gefeiert – häufig bis in die Morgenstunden.

Wohl jedoch kaum am 9. und 10. November. Dann findet hier die ordentliche Hauptversammlung der Münchener Constantin Medien AG statt. Denn den Aktionären ist kaum zum Feiern zumute, da ein neuer Eklat droht. Der Grund: eine Anteilsgruppe um den ehemaligen Constantin-Chef Bernhard Burgener plant, dem amtierenden Firmenchef Fred Kogel das Vertrauen zu entziehen – sprich: die Aktionärsgruppe will dem früheren Sat 1-Programmdirektor die Entlastung für das Geschäftsjahr 2015 verweigern. Dies geht aus der Einladung zur Hauptversammlung vor, die Meedia eingesehen hat.

Damit droht Kogel mit seinem Vorhaben zu scheitern, sich aus der traditionsreichen Filmsparte zurückzuziehen, wo Kinofilme wie „Fack Ju Göhte“, „Der Schuh des Manitu“ oder „Der Untergang“ produziert wurden. Denn der Manager verfolgt ein anderes Ziel. Er will sich auf die gewinnträchtigen Bereiche Sport 1 und die Champions-League-Vermarktung konzentrieren und sie weiter ausbauen. Dazu soll der Verkauf der Filmgeschäfts dienen, der rund 200 Millionen Euro in die Konzernkasse spülen könnte, heißt es.

Interessen für Constantin Film dürften Schlange stehen. Vor allem große US-Filmgesellschaften könnten auf die Gesellschaft ein Auge geworfen haben. Denn Constantin Film ist auf dem europäischen Filmmarkt ein Leckerbissen. Die Gesellschaft arbeitet profitabel. Sie erzielte im vergangenen Geschäftsjahr 272 Millionen Euro Umsatz und trug damit 57 Prozent zum Konzernumsatz bei.

Rückendeckung für seinen Plan bekommt Kogel von einer Aktionärsgruppe um den Constantin-Aufsichtsratschef Dieter Hahn, Zögling des inzwischen verstorbenen Medienmoguls Leo Kirch. Vom Kontrollgremium der Constantin Medien AG hat sich der Firmenchef bereits die Zustimmung geholt. Nun will er sich die strategische Neuausrichtung von der Hauptversammlung absegnen lassen. Doch das ist nicht so leicht. Denn die Constantin Film AG ist Teil der schweizerischen Constantin-Medien-Tochter Highlight Communications AG. Hier ist der Ex-Constantin-Vorstandschef und Großaktionär Burgener Präsident des Verwaltungsrats. Und der hat nicht vor, den Konzern zu zerschlagen und die Filmsparte zu veräußern. Welche Aktionärsgruppe sich also mit ihrem Vorstellungen durchsetzt, hängt davon ab, wer die meisten Aktien vereint. Beiden Gruppen sollen jeweils mehr als 30 Prozent der Anteile besitzen.

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Die Neuausrichtung des Konzerns war bereits auf der vergangenen Hauptversammlung Anlass für heftige Auseinandersetzungen. 14 Stunden lang stritten die beiden verfeindeten Anteilgruppen um das weitere Schicksal des Münchener Unternehmen – ohne Ergebnis. Daher wird die Aktionärsversammlung nun wiederholt.

Sollte die Aktionärsgruppe um Burgener auf den neuen HV damit durchkommen, Kogel die Entlastung zu verweigern, hat der Vorstandschef einen schweren Stand im Unternehmen. Doch der zweifelt in der Einladung zur Hauptversammlung an, ob das Vorgehen der Anteilsgruppe überhaupt rechtlich möglich ist. „Namentlich in Bezug auf die Beachtung wertpapierhandelsrechtlicher Meldepflichten bestehen nach wie vor erhebliche Bedenken, ohne dass die Prüfung dieser Vorgänge derzeit abgeschlossen ist“, heißt es hier.

Doch das ist nicht alles. Es gibt noch ein weiteres Problem. Die Constantin Medien AG hatte zuletzt ein Darlehen aufgenommen und dafür Highlight-Aktien an die Firma Stella Finanz verpfändet, die eng mit dem Ex-Contantin-Chef Burgener verbunden ist. Doch Stella verweigert derzeit die Rückabwicklung des Darlehens und damit die Freigabe der Sicherheit. Das ist für Kogel und Hahn misslich. Denn es ist fraglich, ob sie die Stimmrechte ihrer Highlight-Aktien nutzen können, um einen Verkauf der Filmsparte auf der HV durchzudrücken. Wie aber jetzt aus der HV-Einladung hervorgeht, will Kogel „das Stella-Darlehen schnellstmöglich zurückführen“. Dadurch hofft er, dass das Veto-Recht der Stella Finanz aufgehoben wird. Doch davon will die Aktionärsgruppe um Burgener nichts wissen. Sie hat weiterhin vor, von ihrem Vetorecht Gebrauch zu machen. Eine vertrackte Situation.

Damit ist eine turbulente Hauptversammlung vorprogrammiert – und ein Ende des Richtungsstreits scheint nicht in Sicht. Vielleicht helfen da den Aktionären am Ende nur eine paar Maß Starkbier, um ihren Ärger herunter zu spülen. Denn der Aktienkurs der Constantin Medien AG kennt seit Anfang des Jahres nur eine Richtung: abwärts. Heute gab die Notierung erneut um mehr als 4 Prozent nach.

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