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“Wir wollen die Stimmen, die etwas zu sagen haben”: Was sich beim TV-Talk “Maischberger” ab Herbst ändert

“Wir wollen kein Publikum, das uns zuschaut und applaudiert, sondern das Publikum als Hauptakteur”, so Sandra Maischberger (Foto) über die Zukunft von “Maischberger” im Ersten.
"Wir wollen kein Publikum, das uns zuschaut und applaudiert, sondern das Publikum als Hauptakteur", so Sandra Maischberger (Foto) über die Zukunft von "Maischberger" im Ersten.

499 Mal schon hat Sandra Maischberger ihren Personalitytalk im Ersten abgeliefert. An diesem Mittwoch steht die Jubiläumssendung von "Maischberger" an. Für den Herbst hat sie einige Neuerungen vor – von einer Publikumssendung über direkte Duelle. Was die Zukunft sonst noch bringt? Verrät die Modertorin im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

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Interview: Carsten Rave, dpa

Sandra Maischberger (50) will ihrem ARD-Talk im Herbst einige Änderungen verpassen. Zum einen soll das Publikum zumindest in einigen Sendungen die Gelegenheit bekommen, die Talkshow durch Fragen und Einwürfe aktiv mitzugestalten, zum Beispiel bei Themen wie “Zuwanderung, das Verhältnis der Religionen, soziale Fragen oder Sexismus”, wie Maischberger der Deutschen Presse-Agentur sagte. Außerdem möchte die Journalistin gelegentlich den Duell-Charakter zweier Interviewpartner mit konträren Einstellungen hervorheben. An diesem Mittwoch (um 22.45 Uhr) talkt sie zum 500. Mal im Ersten.

Seit Jahresbeginn heißt ihre Talkshow “Maischberger” und nicht mehr “Menschen bei Maischberger”, außerdem haben Sie einen neuen Sendeplatz. Was hat sich seitdem geändert?

Vor allem die Rahmenbedingungen: Wir sind vom Dienstag auf den Mittwoch gewechselt und haben im Ersten nur noch drei Talkshows. Das hilft uns bei der Ausdifferenzierung unserer Themen. Wir können am Mittwoch nach einem Tag Talk-Pause stärker auf die Aktualität gehen und sehr viel häufiger auf politische Themen setzen, was wir uns in den letzten Jahren manchmal verkniffen haben, weil wir eingeklemmt waren zwischen Frank Plasberg am Montag und Anne Will am Mittwoch. Die neue Schwerpunkt-Setzung gefällt mir sehr gut. Aber die eigentlich interessanten Neuerungen gehen wir erst jetzt im Herbst an. Wir wollen uns auf dem Erfolg nicht ausruhen – und von Erfolg können wir angesichts der 500 Folgen reden. Aber wir entwickeln uns immer weiter.

Was bringt der Herbst?

Was wir ausprobieren wollen, ist eine sogenannte Publikumssendung – ich habe dafür noch keinen passenden Namen gefunden. Wir wollen kein Publikum, das uns zuschaut und applaudiert, sondern das Publikum als Hauptakteur. Daran arbeiten wir schon seit langer Zeit. Dahinter steht der Gedanke, dass unsere Zuschauer sich stärker einmischen als früher. Sie äußern sich über Twitter oder andere Netzwerke – das ist aber oft eine Einbahnstraße. Wir wollen die Stimmen, die etwas zu sagen haben, ins Studio holen. Ganz normale Menschen, keine Politiker, keine Experten. Wir wollen so ein Plenum zu einem großen gesellschaftlichen oder politischen Thema einberufen: zum Beispiel Zuwanderung, das Verhältnis der Religionen, soziale Fragen oder Sexismus.

Schön wäre es auch, in der einen oder anderen Sendung eine Art Duell zu versuchen oder Gäste in ein Einzelgespräch zu verwickeln. In unserer ersten Ausgabe nach der Sommerpause hatten wir die Politikerinnen Sahra Wagenknecht und Frauke Petry zu Gast und haben hinterher überlegt: Es wäre spannend gewesen, zunächst nur die beiden miteinander ins Gespräch zu bringen und erst später weitere Gäste einzubinden.

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Verändert der Rechtsruck im Land auch die Rolle der Talkshows?

Im Moment passieren viele Dinge gleichzeitig, die sicher Geglaubtes verschieben. In Deutschland und in anderen europäischen Ländern sind ähnliche Tendenzen abzulesen. Das ist grundsätzlich eine gute Zeit für Talkshows, weil Vieles neu zu verhandeln ist. Aber der manchmal geäußerte Vorwurf, die Talkshows böten den Rechten oder der AfD ein Podium, stimmt in vieler Hinsicht nicht. Erstens bleiben deren Argumente in unserer Sendung nie ohne Widerspruch. Und zweitens hatten diese Kräfte längst vorher schon ein Forum: das Internet.

Das Fernsehen trägt ja nicht alleine zur Meinungsbildung bei. Gerade diese neuen Kräfte waren durch soziale Medien schon lange in den deutschen Wohnzimmern. Wenn wir sie nicht in unseren Sendungen spiegeln, setzen wir uns dem anderen Vorwurf aus: sie auszugrenzen, totzuschweigen, als Teil eines ominösen Kartells gegen sie verschworen zu sein. So kann man es auch nicht machen.

Der Sendeplatz kollidiert immer wieder mit der Champions League im ZDF – ist doch ärgerlich, wie zum Beispiel vergangenen Mittwoch, als Bayern München bei Atletico Madrid spielte?

Ich meckere nicht, ich habe angesichts der Fußballkonkurrenz mit viel schlechteren Quoten gerechnet. Für mich überwiegen die Vorteile, die uns der Mittwoch bringt. Ich bin eben an diesem Tag auf Sendung und mache das Bestmögliche. Punkt, aus.

500 Talks haben Sie bestritten – legen Sie noch einmal 500 drauf?

Wir haben zuletzt bis Ende 2017 verlängert. Und ich bin noch weit davon entfernt, amtsmüde zu sein. Außerdem arbeite ich noch in einigen anderen Feldern, in denen es auch immer lauter Dinge gibt, die ich noch nicht gemacht habe. Fürs Planen bleibt gar keine Zeit.

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Alle Kommentare

  1. “Was wir ausprobieren wollen, ist eine sogenannte Publikumssendung – ich habe dafür noch keinen passenden Namen gefunden.”

    Wie wäre es mit -Menschen bei Maischberger- ?

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