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FAZ plus: So funktioniert das neue Paid-Content-Modell der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

FAZ-Herausgeber Werner D'Inka (o.) und der Digital-Chef Mathias Müller von Blumencron

Voraussichtlich am Donnerstag heißt es bei FAZ.net: zurück in die Zukunft. Auf der Suche nach einem tragfähigen Geschäftsmodell für das Internet machen die Frankfurter einzelne Online-Artikel wieder kostenpflichtig. Dabei soll es sich um „besondere Hintergrundstücke, das Beste aus der Zeitung“, handeln, wie die dpa am Sonntagabend aus der Verlagsleitung hörte. Konkret planen die Hessen den Online-Start der neuen und kostenpflichtigen Premium-Sektion FAZ plus.

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Das frische Angebot ist angelehnt an die Konzepte der Süddeutschen Zeitung und der Welt, die bereits einzelne Stücke nur gegen Bezahlung oder für Abonnenten freischalten.

Vor rund zehn Jahren hatte die FAZ bereits versucht, die meisten ihrer Inhalte nur gegen Bezahlung anzubieten. Damals scheiterte das Konzept. Allerdings waren die Frankfurter damals mit ihrem Paid-Content-Ansatz im deutschen Medien-Web noch weitestgehend alleine. Das hat sich längst geändert.

Das FAZ plus-Modell sieht nicht vor, dass alle Stücke kostenpflichtig werden. Die meisten Artikel sollen frei zugänglich bleiben. Ähnlich wie das Wall Street Journal in den USA oder Bild Plus will die Zeitung die Leser von FAZ.net auf diese Weise von einem Abo für ihre unterschiedlichen digitalen Angebote überzeugen.

Bislang hat die FAZ nur einen Teil der Artikel in der Printausgabe online veröffentlicht. Deren Zahl soll dem Vernehmen nach steigen. Abonnenten der digitalen FAZ sollen freien Zugang zu allen Inhalten von FAZ.net haben. Im Januar diesen Jahres hatten die Frankfurter das neue App-Angebot FAZ plus eingeführt, das für eine besonders lesefreundliche Darstellung der Zeitung auf Smartphones und Tablet-Computern sorgte. Dieses Angebot wird nun auf die Webseite übertragen.

„Ziel ist es, sowohl die in den vergangenen Jahren sehr gut gewachsene Reichweite von FAZ.net weiter zu steigern und zusätzlich den Verkauf digitaler Abos anzukurbeln“, heißt es in der FAZ. Damit ist auch die strategische Richtung vorgegeben. Die Hessen werden keine rabiate Bezahlschranke niederlassen, sondern schauen, dass es Ihnen gelingt mehr Online-Abos zu generieren und gleichzeitig auch bei der Netz-Reichweite weiter zu wachsen.

Das neue Konzept erinnert an die gerade erst erfolgte Umstellung der Welt. Im Zuge des Relaunches wechselten die Berliner von ihrem bisherigen Metered Model auf ein Freemium-Angebot. Als Grund nannten sie, dass sie mit einem Bezahlmodell arbeiten wollen, das die investigativen Recherchen, besonderen Meinungsbeiträge und hochwertigen Dossiers noch stärker würdigen würde.

Ebenfalls angekündigt, aber noch nicht online ist ein neuer Ansatz bei Zeit Online. Die Berliner setzen nicht auf den Einzelverkauf einzelner Stücke, sondern auf ein spezielles Abo-Modell. Um bestimmte Stücke lesen zu können, muss man Teil der Community werden. Dann wiederum sind automatisch aber auch nicht alle Stücke frei, für weitere muss ein Abo abgeschlossen werden.

Der Startschuss für das neuen Bezahl-Modell der FAZ soll gegen Ende der Woche fallen. Intern hoffen die Frankfurter darauf, am Donnerstag ihre Systeme umzustellen. „Es ist ein zaghafter Prozess“ zitiert die Hessenschau den Herausgeber Werner D Inka. Diese Aussage ist jedoch nicht unbedingt mutlos zu verstehen. Die Frankfurter wollen erst einmal einen Fuß ins Wasser stecken und dann Schritt für Schritt ihre Paid-Content-Aktivitäten ausbauen. Anders als beim ersten Versuch sollen die Leser weder überfordert noch verprellt werden.

Mit Material von dpa

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