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Soll Jörg Kachelmann zurück ins Fernsehen – ja warum eigentlich nicht?

Jörg Kachelmann wurde im Prozess freigesprochen – im Umgang mit den Anschuldigungen gegen Bild-Herausgeber Kai Diekmann mahnt er Zurückhaltung an

Der Wetterexperte Jörg Kachelmann hat vor dem Oberlandesgericht Frankfurt Recht bekommen. Seine Ex-Geliebte – so das Gericht – habe die Vergewaltigung „mit krimineller Energie“ vorgetäuscht. Kachelmann sagte nach der Urteilsverkündung, er wolle nun wieder „dorthin, wo er einst war“. Damit kann er eigentlich nur das Fernsehen meinen. Warum eigentlich nicht?

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Im Jahr 2011 – da war Jörg Kachelmann bereits im Strafverfahren freigesprochen worden – schien eine Rückkehr des Wetterexperten auf den TV-Schirm noch undenkbar. Der ARD-Programmdirektor Volker Herres sagte damals laut Kachelmann: „Wir müssen uns vorstellen, welche Bilder die Leute vor Augen haben, wenn Sie im Fernsehen wären.“ Der Fakt, dass Kachelmann freigesprochen war, schien egal. Es ging der ARD nur um die „Bilder“ im Kopf der Leute. Nach dem Motto: schuldig bei Anklage.

Nun ist das Verhältnis zwischen Kachelmann und seinem ehemaligen Arbeitgeber ARD während und nach dem unseligen Strafprozess von Mannheim schwierig bis zerrüttet. Die ARD ließ Kachelmann schnell fallen. Nach seinem Freispruch zeigte sich Kachelmann gekränkt und verletzt und ließ kaum eine Gelegenheit aus, gegen Journalisten und Medien im Allgemeinen und Boulevardmedien und die ARD im Besonderen zu schießen.

Eine Einladung zu einer SWR-Talkshow quittierte er 2014 öffentlich mit dem Spruch „Fuck the ARD“. Zwar hat Kachelmann den zornigen Blog-Beitrag mittlerweile entfernt und gegen einen anderen ausgetauscht, dass sich die ARD und ihr Ex-Wettermann wieder annähern, ist trotzdem unwahrscheinlich.

Schon während des Prozesses in Mannheim waren sich viele Beobachter sicher: Dieser Mann wird nie wieder den lustigen Wetterhansel im TV geben können. Nicht mit dieser Story im Gepäck. Aber Zeit heilt ja vieles. Vielleicht lässt sie auch die „Bilder im Kopf“ der Zuschauer verblassen. Es ist nicht ohne Beispiel, dass öffentlich Gestrauchelte im Medienbetrieb wieder Tritt gefasst haben. Der TV-Moderator Michel Friedman ist Jahre nach seiner Kokain und Rotlicht-Affäre wieder ganz normal im Geschäft. Ein früherer Talkshow-Moderator, der ebenfalls falsch beschuldigt wurde, tritt auch wieder im TV auf. Eine Rückkehr ist möglich, warum nicht für Jörg Kachelmann?

Nach seinem Freispruch wirkte Kachelmann häufig zornig und verbissen. Getrieben von dem Gedanken, seine verlorene Ehre wieder herzustellen mit Anwälten und Twitter-Sprüchen. Das ist menschlich nachvollziehbar aber jemand, der sich augenscheinlich auf einem Rachefeldzug befindet, will man vielleicht nicht unbedingt den Wetterbericht vortragen lassen. Nun hat er von Axel Springer fast 400.000 Euro (plus Zinsen) an Schmerzensgeld erstritten und – noch wichtiger – es wurde in Frankfurt richterlich festgestellt, dass er das Opfer war in dieser Geschichte und seiner Ex-Freundin die Täterin.

Nun wäre eigentlich der Weg frei für einen Neustart. Auch im TV, auch abseits regionaler Mini-Auftritte. Es soll ja außer der ARD noch andere Sender geben.

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