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“Headlinez” vom Y-Kollektiv: ARD und ZDF ködern mit Web-TV “Funk” die Generation Snapchat

Bei denen funkts: Sophie Burkhardt und Florian Hager managen das neue Jugendangebot von ARD und ZDF
Bei denen funkts: Sophie Burkhardt und Florian Hager managen das neue Jugendangebot von ARD und ZDF

Am Sonnabend ist es soweit: Das „junge Angebot“ von ARD und ZDF geht an den Start. Der Name: „Funk“. Die Botschaft: informieren, orientieren, unterhalten. Das Ziel: Die junge Zielgruppe von 14 bis 29 Jahren ins öffentlich-rechtliche Boot holen und (zum Start) mit über 40 Online-Formaten versorgen. MEEDIA war bei der Pressekonferenz in Berlin vor Ort.

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Der Weg zur Pressekonferenz führt durchs Industriegebiet und – wenig öffentlich-rechtlich – in den Hinterhof. Mit einem Paternoster geht es in den zweiten Stock. Und da sind wir: In der jungen Welt von ARD und ZDF. Oder zumindest dort, wie sich die öffentlich-rechtlichen Sender diese vorstellt: Ein großes Loft mit Backstein-Fassade und Holzpaletten-Verkleidung, bestens ausgeleuchtet mit Spotlights und hier und da ein paar Flatscreens. Und da sind sie: Diese „jungen Leute“, die ARD und ZDF die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen erschließen sollen.

Über ein Jahr wurde unter dem Arbeitstitel „Junges Angebot von ARD und ZDF“ an über 40 neuen Online-Formaten mit über 60 Protagonisten – von Studenten, über Youtubern bis hin zu gestandenen Journalisten – geschraubt. „Das ist aber nur der Anfang“, versichert Vize-Geschäftsführerin Sophie Burkhardt. „Wir sind für den zweiten Schwung schon an 30 neuen Formaten dran.“ Der erste Schwung soll heute vorgestellt werden. „Die Intendanten wurden aber in die Flatscreens verbannt – die können da erzählen, warum das hier alles so toll wird“, winkt Funk-Chef Florian Hager ab.

Aber: Was ist „Funk“ überhaupt? Kurz: Ein Content-Netzwerk mit unterschiedlichsten Inhalten und Themen. Die Webvideos sollen in erster Linie über Drittanbieter – also Youtube, Snapchat, Facebook & Co. – gespielt werden, finden aber auch auf der hauseigenen Website und App eine Plattform. „Wir gehen davon aus, dass wir erst einmal die Leute, die wir später erreichen wollen, auch erst einmal erreichen müssen“, erklärt Burkhardt. Einen TV-Auftritt? Wird es nicht geben. „Wir finden ausschließlich im Web statt“, hält Hager gegenüber MEEDIA fest. „Wenn eines unserer Formate thematisch für das Fernsehen funktioniert, fein. Aber darum müssen sich dann andere kümmern.“

Um zu sehen, womit Funk die jungen Leute erreichen will, wird der Pressetross auf verschiedene Räume verteilt – immerhin wolle man auch zahlreichen Themen (Stichwort: aus „Informieren“, „Unterhalten“ und „Orientieren“) bei Funk einen Raum geben. Erster Stopp: „Informieren“, in dem wir verschiedene Trailer zu sehen bekommen. Etwa mit Youtuber und Polit-Blogger Rayk Anders, der jeden Freitag in „HEADLINEZ“ die News der Woche „faktentreu aber meinungsstark“ aufarbeitet. Er habe zwar einen SWR-Redakteur im Rücken, „aber ich bin natürlich kein Spiegel oder eine FAZ. Ich will ein Interesse für Nachrichten wecken.“ Das wollen zehn Journalisten von „Y-Kollektiv“ auch – ihr Ansatz ist aber ein anderer: Einmal wöchentlich werfen sie in ihren Web-Reportagen via Youtube und Facebook einen persönlichen Blick auf aktuelle Reizthemen. So wurde etwa ein radikaler Tierschützer bei seiner Arbeit gegen Massentierhaltung oder ein Flüchtlingsboot auf dem Mittelmeer begleitet.

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„Klassische Nachrichtenformate sind das nicht“, gesteht Vize-Programmgeschäftsführerin Burkhardt. Klar würden diese zwar kuratiert werden, aber vor allem sollen die verschiedenen Kanäle mit verschiedenen Haltungen zum Denken anregen. „Bei den Lügenpresse-Parolen ist es vielleicht ganz wohlwollend, sich mit nur einem Gesicht und einer gewollt subjektiven Meinung auseinandersetzen“, ergänzt ein „Y-Kollektiv“-Reporter. „Irgendwelche Geheim-Gremien bei ARD und ZDF, die sich über die Berichterstattung austauschen würden, sind halt völliger Quatsch.“

Für Quatsch sind aber auch die Kollegen aus dem „Unterhalten“–Bereich zuständig. Erster Eindruck: mit Erfolg. Die zum Start insgesamt 14 Formate (aus Eigenproduktionen und Lizenzserien) sind schamlos, saukomisch aber auch spannend. Wie die eigenproduzierte Sketch-Comedy „Gute Arbeit Originals“, in der die Schauspieler (und Produzenten!) Katjana Gerz und Florentin Will drei Mal die Woche auf Youtube für massenhaft Gags sorgen wollen. Ernste Töne wolle man aber auch anschlagen, zum Beispiel mit der Web-Mystery-Serie „Wishlist“: Im Auftrag von Radio Bremen sind zehn Folgen à 20 Minuten für Youtube entstanden – die Story um eine folgenschwere Smartphone-App ist komplett in Eigenregie der Macher entstanden. Einer von ihnen ist sogar noch Film-Student. Komplettiert wird das Angebot durch den Bereich „Orientieren“, in dem man etwa Heimwerker Fynn Kliemann beim Umbau eines alten Bauernhofs ins „Kliemannsland“ begleiten kann.

Neben den ambitionierten Eigenproduktionen will Funk aber auch mit internationalen, quasi klassischen Lizenzserien – etwa mit „Fargo“, „The Alien“ und „Hoff the Record“ – auffahren. Diese seien allerdings handverlesen, der Schwerpunkt liege bei den eigenen Formaten. „Wir wollen nicht gegen private Angebote oder Netflix & Co. angehen“, sagt Florian Hager. „Wir wollen im Web-Video-Markt ankommen. Und ganz davon abgesehen haben wir, natürlich neben Bock, auch einen politischen Auftrag erhalten. Und damit ein Budget. Mit dem gehen wir sehr sorgfältig um.“

Doch warum bedarf es einer Dachmarke, wenn alle Formate bei Facebook, Youtube & Co. eigentlich ihren eigenen Weg gehen? „Natürlich wollen wir die stark personalisierten Formate transporieren, mitentwickeln und zusammenfügen“, sagt Burkhardt gegenüber MEEDIA. „Aber wir sehen uns nicht als starres Dachmarkenkonstrukt. Für uns zählen die Inhalte.“ Wohin es mit den Inhalten noch gehen soll, lassen die Geschäftsführer lieber offen. „Eine gute Geschichte bleibt eine gute Geschichte“, sagt Florian Hager zu MEEDIA. Auch sichere Sache: „Unsere Formate sind erst der Anfang“. Die Formate würden durch Diskussionen auf Facebook oder Youtube erst leben und sich auch so weiterentwickeln. „Wir sind jetzt schon dran, Neues auszuprobieren.“

Einen gelungenen Vorgeschmack haben wir heute in Berlin bekommen. Und das ganz ohne das Wort „jung“.

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Alle Kommentare

  1. Krampfhaft auf jung machen ist einfach nur albern und wird vom jungen Publikum zielsicher ignoriert werden. Sehr amüsant war übrigens gestern das heute-journal, wo kräftig auf die Werbepauke geschlagen wurde. Demnach scheint das Revolutionärste am neuen Format eine Moderatorin mit Kopftuch zu sein.

  2. Als hätten wir vom aufgeblasenen Staatsfernsehen nicht schon genug, versucht man hier krampfhaft auch noch die letzten Euro rauszuhauen. Kostet ja nur die dummen Bürger.

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