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Das Erfolgsgeheimnis der Washington Post: “Jeder Newsroom braucht eine Prise Badassness”

Jeremy Gilbert: Der Digital-Experte der Washington Post auf dem Scoopcamp in Hamburg
Jeremy Gilbert: Der Digital-Experte der Washington Post auf dem Scoopcamp in Hamburg

Seit dem Kauf der Washington Post durch Jeff Bezos blickt die gesamte Branche gespannt auf die Zeitung aus der US-Hauptstadt. Medien-Manager, wie auch Journalisten fragen sich seitdem: An welchen Stellschrauben dreht der Web-Milliardär? Wie wird sein Geschäftsmodell aussehen, mit er den Journalismus der Post in eine erfolgreiche digitale Zukunft führen will? Beim Scoopcamp in Hamburg gab nun der Strategie-Chef der Washington Post, Jeremy Gilbert, einen spannenden Einblick in die neue Arbeitswelt und die neuen redaktionellen Abläufe.

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Neben Gilbert erklärte der Playbuzz-Vize Assaf Sagy noch einmal eindringlich, wie wichtig es für die traditionellen Medienmarken geworden ist, im Web bunten, schnellen und unterhaltsamen Content zu produzieren. Die Inhalte der neuen und modernen Medienangebote sehen für ihn gegen die meisten Artikel der klassischen Verlage, wie “4K-TV vs. Schwarzweiß-Fernsehen” aus.

Die wirklich wichtige Währung für alle Nachrichten- und Content-Produzenten ist längst das User-Engagement. Darum geht es und alle Verlage müssen sich die Frage stellen, wie man diesen Wert pflegt und ausbaut.

Eine Aussage, der Gilbert uneingeschränkt zustimmt. Auch bei der Washington Post geht es längst auch um die Frage, wie man die Leser dafür begeistert, mit den gelesenen Texten weiterzuarbeiten. Sie zu teilen, weitere Stücke zu dem Thema zu lesen, ein Facebook-Freund der Zeitung zu werden oder gar ein Web-Abo abzuschließen.

Gilbert ist jedoch davon überzeugt, dass dies vor allem mit guten Stories geht. Genau darin hat die Post seit dem Watergate-Skandal eine große Tradition. Also geht es seit dem Kauf von Bezos vor allem darum, den guten Journalismus der Redaktion auf ein zeitgemäßes technisches Level zu heben.

Gilberts Kernaufgabe in der US-Hauptstadt lässt sich wohl am besten mit spielen und ausprobieren umschreiben. “Ich experimentiere mit neuen Storytelling-Tools, suche und probiere neue Wege, mehr Leser zu erreichen und unterstütze unsere Journalisten”, sagt er im Interview mit MEEDIA. Dabei sieht er sich noch immer als Journalist, der aber eng mit dem Technik-Team zusammenarbeitet.

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Der US-Amerikaner, der vom National Geographic zur Post wechselte, ist davon überzeugt, dass die meisten Medienhäuser nur dann eine Zukunft haben, wenn sie über große digitale Newsrooms verfügen und bereit sind, möglichst große Web-Reichweiten aufzubauen. Ohne solche Ressourcen könnten wohl nur Zeitungen mit straffen und sehr lokalen Communities überleben. “Bei der Post arbeiten wir immer stärker mit unterschiedlichen sozialen Kanälen, um spezielle Geschichten noch passgenauer an die Leser zu liefern”, erklärt er gegenüber MEEDIA. Gilbert ist davon überzeugt: “Die Zukunft ist für die Medien rosig, die ständig Neues ausprobieren”, und die bereit sind “schnell zu lernen”, Gelerntes aber auch genauso fix wieder zu ignorieren.

Ähnlich wie seine Kollegen bei Bild Digital, der New York Times und anderen Experten, geht auch Gilbert davon aus, dass eine der wichtigsten Kerntechnologien für das digitale Storytelling der kommenden Dekade aus dem Bereich der Virtual Reality und den Video-Teams kommt. Zudem glaubt der Experte, dass sich vertikale Smartphone-Videos durchsetzen werden und dass es immer wichtiger wird, dass sich Bewegtbild-Inhalte auch ohne Ton konsumieren lassen.

Seit der Übernahme der Zeitung durch den Amazon-Gründer im Dezember 2013 wurden 200 weitere Journalisten und 95 zusätzliche Programmierer eingestellt. Die Folge war unter anderen eine Zunahme des Web-Traffics von 35 Millionen auf 87 Millionen Visits.

Zum neuen Konzept unter Bezos gehört allerdings auch, dass die Journalisten und die Entwickler im Newsroom zusammensitzen. “Wir streben nach Exzellenz. In beiden Gebieten”, sagt Gilbert gegenüber MEEDIA. Auf dem Scoopcamp ergänzte er, dass es längst nur noch um Stories gehe, die dann passend über die jeweiligen Plattformen gespielt werden. So braucht eine gute Story ein gutes Bild für Instagram, eine spannende Verknappung für Twitter, Audio-Material für einen Podcast und Bewegtbild für Videos.

Neben all diesen Bausteinen ist Bezos aber noch etwas anderes wichtig. Bei einem Besuch der Post machte der Web-Milliardär deutlich, dass er davon überzeugt ist, dass ein erfolgreicher Newsroom bei aller Kompetenz auch eine gewisse “Badassness” brauche. Die Mitarbeiter müssen davon überzeugt sein, dass sie besser und schneller als die Konkurrenz sind.

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Alle Kommentare

  1. WP (WashingtonPost) ist ein BullevardBlatt – ein MainstreamMedia – Ein weiteres Lügenpresse der CIA und seinem Sprachrohr dem Reuters zirkulierten Bashing’s und Fake’s..!!

    Alles erfundenes und selbst insziniertes Müll,,
    Spiegel-Focus-DW-Zeit-Handelsblatt-Bild-TagesAnzeiger-NeueZürcherZeitung-Krone-Presse-Standard-N24-ARD-ORF-SRF… alle sind CIA ableger und übermitteln die Missionierung und Inquisitionen..

    Meinungfreiheit ist Schütenswerteste aller Güte – Pressefreiheit existiert und hat nie exsistiert daher auch minderwertigste Lari-Fari ein zu Ordnen..

    Wir Leser intervenieren jedesmal zurecht über diese schmalspur MedienHuren die sich als Journalisten ausgeben – dabei nicht einmal ein lesenswertes Kommunne od Berichterstattung abliefern können..

    Ein Kritik in die entgegen gesetzte Richtung gar dem inkompetenten Berichterstatter wird nicht erduldet und sofort DISQUALIFIZIERT.. Eben sogenante QualityMedien-MainstreamMedien – CIA Ableger..

  2. Die Washington Post büßte nach ihrem Erwerb durch Bezos leider stark an journalistischer Qualität ein, so dass die NY Times die letzte verbliebene US Qualitätszeitung darstellt.

  3. Als zahlender NYT Leser buchte ich, nachdem mir einige neuere WP Artikel sehr gut gefielen, den kostenpflichtigen Zugang via Android App und Webseite. Negativerfahrung: Die WP lässt auch zahlenden Lesern belästigende Online Ads via Android App ausliefern. Diese Praxis stellt eine Frechheit und Respektlosigkeit gegenüber zahlenden Lesern dar. Ich werde daher meinen kostenpflichtigen Zugang kündigen. So nicht, Herr Bezos!

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