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TV-Duell Trump vs. Clinton: zehn Dinge, die Sie über den „politischen Superbowl“ wissen sollten

Erstes TV-Duell: US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton (l.) und Donald Trump

Die TV-Duelle sind traditionell Höhepunkt des US-Präsidentschaftswahlkampfes – und können darüber entscheiden, wer mächtigster Mensch der Welt wird. Heute stehen sich Hillary Clinton und Donald Trump im ersten 1:1-Vergleich gegenüber. Beim 90minütigen Live-Talk wird eine Rekordquote mit bis zu 100 Millionen Zuschauern erwartet. MEEDIA klärt die wichtigsten Fragen zum entscheidenden Schlagabtausch.

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Wie wichtig ist die TV-Debatte?

Eineinhalb Jahre politische Schelten, Schikanen und Schlagabtäusche – selten hat ein Wahlkampf so polarisiert. Kein Wunder, dass mittlerweile von einem „politischen Superbowl“ gesprochen wird: Bis zu 100 Millionen Zuschauer könnte das diesjährige TV-Duell vor die Bildschirme locken, der bisherige Rekord aus dem Jahr 1980 (Reagan gegen Carter mit knapp 81 Millionen Zuschauern) damit gebrochen werden. Dementsprechend birgt die TV-Debatte für Hillary Clinton und Donald Trump großes Potenzial. Mit ebenso großer Fallhöhe: Die US-Präsidentschaftskandidaten liegen in aktuellen Umfragen fast gleich auf. Wer bei der TV-Debatte „liefert“, könnte unentschlossene Wähler für die Wahl am 8. November mobilisieren. Oder eben verprellen.

Wird das TV-Duell die Präsidentschaftswahl entscheiden?

Die tatsächliche Tragweite der traditionellen TV-Debatte(n) ist umstritten. Klar sind einem Szenen wie die von Kandidat Michael Dukakis im Gedächtnis geblieben, der 1988 „Nein, wäre ich nicht“ antwortete, als er gefragt wurde, ob er denn für die Todesstrafe wäre, wenn seine eigene Frau vergewaltigt und ermordet worden wäre. Ob Dukakis’ viel diskutiertes Statement George Bush das Amt beschert hat? Ist nicht auszuschließen, aber eher unwahrscheinlich. Bei Experten und Beratern gilt die Grundregel: Als Kandidat kannst Du eine Wahl bei den TV-Duellen nicht gewinnen – sehr wohl aber verlieren. Eine Erkenntnis, die wohl eher für die als Favoritin gestartete Demokratin Hillary Clinton zur Hypothek werden könnte.

Wo wird das Duell im deutschen TV zu sehen sein?

Sowohl ARD (2.55 Uhr) als auch Phoenix (2.45 Uhr) übertragen das Duell in der Nacht von Montag auf Dienstag. Sky-Abonnenten können die Debatte außerdem über den US-Sender FOX, der im Entertainment-Paket enthalten ist, verfolgen. Eine via Web zu sehende Variante bietet etwa der Facebook-Livestream von ABC News oder der 24/7-Livestream von ABC News auf deren Website.

Gibt es noch weitere TV-Debatten von Clinton und Trump?

Insgesamt treten die Präsidentschaftskandidaten in drei TV-Duellen gegeneinander an. Am 10. Oktober geht die Debatte in die zweite Runde, am 20. Oktober folgt die dritte Begegnung. Außerdem treten am 5. Oktober die Vize-Präsidentschaftskandidaten Tim Kaine (Clinton) und Mike Pence (Trump) in einer TV-Debatte an.

Seit wann gibt es das TV-Duell – und warum?

Bereits Abraham Lincoln und Senator Stephen A. Douglas haben im Jahr 1858 debattiert – natürlich noch nicht vor Kameras, auch Moderatoren gab es damals nicht. Das erste TV-Duell bestritten John F. Kennedy und Richard Nixon im Jahr 1960 in den NBC Studios in Washington vor rund 66 Millionen TV-Zuschauern. Seit jeher werden in der Debatte zur besten Sendezeit die aktuellen Reizthemen diskutiert und natürlich ordentlich die Werbetrommel für die eigene Kandidatur gerührt. Denn vor allem unentschlossene Wähler sollen mit den TV-Debatten mobilisiert werden.

Wer wird das TV-Duell moderieren?

Seit 1988 werden die Moderatoren von der Kommission der Präsidentschaftsdebatten (Comission on Presidential Debates), die den „politischen Superbowl“ produzieren, auserkoren. In diesem Jahr wird das erste TV-Duell von NBC-Moderator Lester Holt, der mit den „NBC Nightly News“ eine der reichweitenstärksten Nachrichtensendungen des Landes modereriert, präsentiert. Eine Personalie, die schon vorab für Diskussionen gesorgt hat: „Lester ist ein Demokrat“, beschwerte sich Republikaner Trump bei FOX News über diese Ungerechtigkeit. Nur blöd, dass Holt sogar eingetragener Republikaner ist.

Welche Themen werden behandelt?

Wie vor einigen Tagen bekannt gegeben, soll sich die Debatte im wesentlichen um drei große Themen-Blöcke drehen: Die Zukunft des Landes („America’s Direction“), Wirtschaftspolitik („Achieving Prosperity“) und Sicherheitspolitik („Securing America“). Vor allem letzteres Thema dürfte nach den Bombenexplosionen in New York und New Jersey und anderen Tragödien in jüngster Zeit viel Raum einnehmen.

Wie haben sich die Kandidaten vorbereitet?

Die eine mehr, der andere weniger – so wollen es zumindest die üblichen Verdächtigen (Stichwort: Insider) erfahren haben. So soll besonders Hillary Clinton zahllose Stunden mit ihrem Stab geprobt haben. Die renommierte New York Times will sogar erfahren haben, dass Philippe Reines – Clintons ehemaliger Pressesprecher – in den realitätsnahen Proben die Rolle von Donald Trump übernommen hat. Trump hingegen wolle vor allem auf seine spontane Schlagfertigkeit setzen. Und habe dementsprechend ein Clinton-Double abgelehnt. Er habe sich vor allem vergangene Debatten von Clinton angesehen, um ihre Schwächen zu studieren.

Wer bringt mehr Erfahrung für das TV-Duell mit?

Eindeutig Hillary Clinton. Bereits seit 1974 – damals Rechtsberaterin für den Justizausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses – bewegt sie sich auf dem politischen Parkett. Von ihrer Zeit als First Lady der Vereinigten Staaten (1993 – 2001) ganz abgesehen. Dabei dürfte vor allem Clintons erste Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2008, die sie gegen Barack Obama verloren hat, den entscheidenden Vorteil bringen: Die 68-Jährige hat bereits fast 40 Fernsehdebatten absolviert. Kontrahent Donald Trump hat hingegen oft mit politischen Ämtern geliebäugelt, aber erst im Juni 2015 den Schritt mit seiner Präsidentschaftskandidatur gewagt. Zuvor wechselte er mehrmals zwischen der demokratischen und republikanischen Party und verteilte bis 2012 fast ausgewogen Parteispenden.

Und wer wird das Duell für sich entscheiden?

Wenn man bei den TV-Debatten überhaupt von „gewinnen“ sprechen kann, wird Hillary Clinton das Rennen machen – das ergibt zumindest eine Umfrage der Washington Post: Auf die Frage „Was glauben Sie: Wer gewinnt die Fernsehduelle?“ antworteten 47 Prozent der Befragten mit Hillary Clinton, 33 Prozent sehen Donald Trump als Sieger. 16 Prozent der Teilnehmer hätten dazu keine bestimmte Meinung, zwei Prozent sehen keinen Sieger oder Verlierer – und weitere zwei Prozent erwarten ein Unentschieden.

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