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Hauptstadt-Wikileaks: B.Z.-Chefreporter Lars Petersen und der Erfolg von Berlin Investigativ

Lars Petersen: Der Chefreporter der B.Z. und der Bild Berlin/Brandenburg ist der Kopf hinter Berlin Investigativ
Lars Petersen: Der Chefreporter der B.Z. und der Bild Berlin/Brandenburg ist der Kopf hinter Berlin Investigativ

Lokaljournalismus gilt immer schnell als altbacken, provinziell und innovationsfeindlich. Dass das nicht so sein muss, zeigt die Facebook-Seite Berlin Investigativ. Für die B.Z. und die Bild Berlin/Brandenburg will Chefreporter Lars Petersen innerhalb des Social-Networks ein "Wikileaks für die Hauptstadt" etablieren. Dort veröffentlicht er Original-Dokumente seiner Recherchen und hofft auf weitere Informationen von Lesern und Whistleblowern. Trotz des regionalen Fokus gelangen ihm bereits erste bundesweite Scoops.

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Für bundesweites Aufsehen sorgte beispielsweise die Veröffentlichung zahlreicher interner Mails eines Berliner Flüchtlingsheimbetreibers (“Pewobe”). In ihnen wurde über die massenhafte Tötung von Heimbewohnern fantasiert. Der Chefreporter veröffentlichte die Mail auf seinem Investigativ-Portal und sorgte so nicht nur innerhalb der Hauptstadt für Diskussionen. Auch die Zeit, die Süddeutsche und Spiegel Online griffen die Recherchen auf.

Gestartet ist das Angebot am 21. März. Die erste Story, mit der sich Petersen damals beschäftigte, waren die Gerüchte um eine Fusion von Easyjet und Air Berlin. Der Launch verlief jedoch noch weitgehend unbemerkt, seitdem wächst die Fangemeinde langsam aber stetig. Bislang konnten die Berliner rund 1.300 Freunde sammeln. Die Gesamtreichweite liegt derweil mittlerweile bei über 700.000.

“Die Chefredaktion steht voll hinter der Idee. Immerhin strahlt das Projekt auch direkt auf die Marke B.Z. und die Bild Berlin/Brandenburg ab und zum anderen gelingt es uns über Facebook eine deutlich jüngere Zielgruppe für regionalen und investigativen Journalismus zu begeistern”, erklärt Petersen gegenüber MEEDIA. Laut Seiten-Statistik sind die meisten Leser zwischen 25 und 35 Jahre jung. Ein Durchschnitt, von dem die meisten Zeitungen nur träumen können.

Allerdings interessiert sich der Macher gar nicht sonderlich für die statistische Auswertung seiner Facebook-Freunde. Ihm geht es, ganz der Reporter, erst einmal um anständige Scoops. “Neue Fans will ich mit meinen Recherchen und Inhalten überzeugen, nicht mit Werbung oder irgendwelchen Marketing-Aktionen.”

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Dementsprechend hat Petersen auch keine konkreten Ziele, was das Wachstum des Projektes betrifft. Solang die Inhalte stimmen, ist er zufrieden.

Tatsächlich ist das Angebot, wie auch bei Wikileaks, nicht als Einbahnstraße gedacht. Es gehe ja nicht nur darum, dass der Chefreporter der B.Z. ein paar Dokumente, die er ausgegraben hat, postet. “Alle Berliner und Leser sind natürlich auch aufgerufen, von sich aus brisantes Material zu schicken.” Klassische Enthüllungsplattformen leben ausschließlich von dem Material, dass ihnen Whistleblower zur Verfügung stellen. Das müsste bei einem Angebot, das sich selbst als eine Art Hauptstadt-Wikileaks sieht, auch so sein.

Davon ist das Projekt aber noch entfernt. In diesem Bereich lauern jedoch auch die größten technischen Tücken. Denn via Facebook mit seinem Klarnamen-Zwang ist es fast unmöglich, sein Material anonym an einem Journalisten zu schicken. Der Informant müsste sich schon ein Fake-Account anlegen. Deshalb bittet Petersen, potenzielle Tippgeber auch darum, brisante Papiere etc. via Mail zu schicken.

Gegen ein wenig mehr Manpower würde er sich allerdings nicht wehren. Denn bislang macht er überwiegend alles allein. Aber auch hier steigt wohl die Unterstützung des Verlages und der Chefredaktion im Verhältnis mit der Zunahme der Scoops.

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Alle Kommentare

  1. Warum träumen alle von Lesern zwischen 25 und 35? Wer 50 plus ist, ach was, 40 plus, soll mal sterben gehen? Was soll der Scheiß? Das sind erstens zahlenmäßig viel mehr Leute, zweitens können die auch noch einen geraden Satz verstehen, drittens haben die vielleicht noch ein bisschen Kohle für das, was die Anzeigen bewerben – – wieso immer bloß die Jungen? Ältere werden nur noch mit Volksmusik und Hämorrhoidensalbe in Verbindung gebracht? Was für ein Quatsch.

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