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Ausland, ade! Gruner + Jahr erwägt angeblich Rückzug auch aus Spanien und China

G+J-Topmanager Oliver Radtke, Julia Jäkel, Stephan Schäfer (vl.): Konzentration auf Kernmärkte Deutschland und Frankreich
G+J-Topmanager Oliver Radtke, Julia Jäkel, Stephan Schäfer (vl.): Konzentration auf Kernmärkte Deutschland und Frankreich

Einst galt das Auslandsgeschäft von Gruner + Jahr als eine der wichtigsten Säulen des Hamburger Verlags. Doch nun zieht sich das Medienhaus Verlagshaus immer stärker aus den externen Märkten zurück. Nach dem jüngsten Verkauf der News-Gruppe in Österreich stehen offenbar die Tochterunternehmen in Spanien und China auf der Streichliste. Am Ende könnten nur Deutschland und Frankreich übrig bleiben.

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Es ist ein Rückzug mit Ansage. Erst im vergangenen Jahr trennte sich die Bertelsmann-Druckeinheit Be Printers von ihren Geschäften in Spanien. Überraschend verkaufte der Gütersloher Medienriese Anfang April die Druckereien Rotocobrhi in Madrid und Eurohueco in Barcelona an den britischen Druckinvestor Walstead Capital.

Jetzt steht nach Informationen von MEEDIA auch das Verlagsgeschäft von Gruner + Jahr mit 180 Mitarbeitern auf der Verkaufsliste. Als mögliche Interessenten sind Branchenkreisen zufolge das dortige Management sowie der spanische Verlag ABC im Gespräch. Über derartige Verkaufspläne hatte jüngst auch der Branchendienst New Business berichtet. In Spanien verlegt Gruner + Jahr Zeitschriften wie Beef, Cosmopolitan, divinty, Geo, Marie Claire, Mia sowie Muy. Nicht von dem Verkauf betroffen sind die spanischen Aktivitäten der Motorpresse Stuttgart, heißt es aus Unternehmenskreisen. Ein Sprecher von Gruner + Jahr hält sich hierzu bedeckt. “Wie bekannt, prüfen wir alle Geschäfte und Märkte im Hinblick darauf, wie sie sich strategisch in das künftige Gruner + Jahr einfügen. Aktuelle Entscheidungen gibt es nicht.”

Auch das Gemeinschafts-Unternehmen in China hat Gruner + Jahr zum Verkauf gestellt. Als möglicher Käufer gilt hier der einheimische Joint-Venture-Partner Boda. Der Deal ist aber noch nicht unter Dach und Fach, weil laut New Business der Segen der politischen Führung fehlt. Bereits seit Längerem steht das Printgeschäft für Bertelsmann-Chef Thomas Rabe nicht mehr im Fokus. Zur Erinnerung: Im März diesen Jahres erklärte Rabe auf der Bilanzpressekonferenz, dass das G+J-Geschäft im Land der Mitte deutlich rückläufig ist. Als Grund nannte er hier die nachlassende Wachstumsdynamik. Der Gütersloher Medienkonzern konsolidiert die Geschäfte von Boda seit Ende 2014 nur noch at-equity, heißt es.

Spanien und China sind keine Einzelfälle. Immer stärker verabschiedet sich Gruner + Jahr aus dem Ausland. So verkaufte das Printhaus jüngst die österreichische News-Gruppe an den Medienmanager Horst Pirker, der dort seit 2014 Geschäftsführer ist. Auch vielen anderen Ländern kehrte Gruner + Jahr den Rücken. Dazu gehören die USA, Russland und Polen. In Polen veräußerte das Medienhaus 2013 das Magazin-Geschäft an den Konkurrenten Burda. Ein Jahr später gab der Verlag seine US-Drucktochter Brown Printing an den Wettbewerber Quad/Graphics, Inc. ab.

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Dabei galt das Auslandsgeschäft noch vor einigen Jahren als die wichtigste Säule von Gruner + Jahr. Es trug 2004 noch mehr als 63 zum Gesamtumsatz bei, doch 2015 sind es nur noch rund 45 Prozent. Dass die norddeutsche Bertelsmann-Tochter vielen Ländern weltweit die kalte Schulter zeigt, hat mehrere Gründe. In vielen Märkten sind die konjunkturellen Aussichten schlecht, die künftige Geschäftsentwicklung ist schwer zu prognostizieren und das Management vor Ort nicht unbedingt stets leicht steuerbar.

Seit Julia Jäkel als CEO am Baumwall die Geschäfte führt, hat sich der strategische Fokus des Hauses deutlich verlagert und gilt vor allem dem Ausbau des Digitalgeschäfts und der Stärkung der Markenfamilien (Community of Interests). Dazu wurden auf dem deutschen Markt eine ganze Reihe neuer Titel gestartet. Offenbar traut man bei G+J angesichts ungewisser Weltlage der Bündelung der Kräfte auf Kernmärkten mehr als dem Splitterbesitz in verschiedenen Regionen der Welt. Mittel- bis langfristig, so heißt es, werde sich das Unternehmen ganz auf die Märkte in Deutschland und Frankreich fokussieren.

Und angesichts der bei Verkäufen unvermeidlichen Auswirkungen auf das Unternehmenswachstum scheint es Unterstützung aus Gütersloh zu geben. Bertelsmann-Chef Rabe ist allem Anschein nach bemüht, den durch Verkäufe rückläufigen Konzernumsatz der Verlagstochter am Hamburger Baumwall aufzufangen. Dies macht er, indem er G+J Teile aus dem Gütersloher Reich zuschlägt. Dazu gehört beispielsweise die Medienfabrik. Gruner + Jahr schmiedete aus dem Kommunikationsdienstleister jüngst den CP-Riesen Territory. Der neue Dienstleister soll künftig mehr zum Konzernumsatz von G+J beitragen.

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