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„Vielleicht ein bisschen Angst vor der Wahrheit“: Wie die CSU auf Rassismus-Vorwürfe von Spiegel-Korrespondent Hasnain Kazim reagiert

Hasnain Kazim ist Korrespondent beim Spiegel und Spiegel Online und wirft der CSU Rassismus vor

Die CSU will Zuwanderer aus einem „christlich-abendländischen Kulturkreis“ bevorzugen. Hasnain Kazim, Spiegel-Korrespondent mit indisch-pakistanischen Wurzeln, gefällt das gar nicht. In einem offenen Brief hat er der CDU-Schwesterpartei Rassismus vorgeworfen. Nun hat die CSU zurückgeschrieben und mutmaßt – in Anlehnung an den Spiegel-Claim – dass der Journalist Angst vor der Wahrheit haben könnte.

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Kazim, der die CSU konsequent duzt, ist deutscher Staatsbürger mit indisch-pakistanischen Wurzeln. In seinem Brief an die Partei beschreibt er seine persönliche Betroffenheit und die Erfahrungen seiner Eltern, als sie nach Deutschland eingewandert sind. „Meine Familie hat in der Helmut-Kohl-Zeit jahrelang um die deutsche Staatsbürgerschaft kämpfen müssen. Schon damals ließen die Behörden uns spüren, dass wir als Zuwanderer nicht erwünscht sind“, erklärt der Spiegel-Korrespondent, der aus Wien vor allem über die Türkei berichtet.

In seinem Schreiben wirft der Journalist der CSU vor, mit rechtspopulistischen Inhalten um Wählerstimmen zu kämpfen.

In deiner Haltung, die du in einen Mantel der kulturellen Differenzierung hüllst, steckt eine hässliche Portion Rassismus. Und deine Spitze, liebe CSU, ist intelligent genug zu wissen, dass sie genau mit diesen rassistischen Elementen spielt, um Wähler am rechten Rand für sich zu gewinnen.

Die Partei sei dabei, für den kurzfristigen Erfolg „etwas viel Größeres“ zu opfern, kritisiert Kazim weiter. Statt Parolen solle die CSU lieber daran mitwirken, dass in islamischen Ländern demokratische Kräfte gestärkt werden. „Diese Heuchelei ist man von dir leider gewöhnt.“

Kazims Ansprache an die CSU hatte Wirkung. Keine politische aber immerhin hat die CSU reagiert, und zwar ebenfalls mit einem offenen Brief, den Spiegel Online veröffentlicht hat. Volksnah schreibt die CSU im Duz-Ton zurück:

Dass du mich deine „liebe CSU“ nennst, bin ich von dem Nachrichtenmagazin, für das du schreibst, nun wirklich nicht gewohnt. Aber wenn man deinen Text genauer liest, merkt man halt doch, dass du ihn mit ziemlich viel Ärger im Bauch geschrieben hast.

Den Rassismus-Vorwurf will man freilich nicht gelten lassen – Kazim habe ein „Totschlagargument“ gezückt.

Nun weißt du ja selber, dass ich ‚Kulturkreis‘ geschrieben habe und nicht Rasse. Und du weißt natürlich auch, dass Kulturkreis eine andere Sache ist als Rasse. Leider schreibst du nicht, was Kulturkreis mit Rassismus deiner Meinung nach zu tun hat. Warum also derjenige, der über Kulturkreise redet, ein Rassist sein soll. Eigentlich geht es dir ja auch nur darum, mich mit dem Wort Rassismus zu bedenken.

Man hat sich gewünscht, Kazim hätte sich einer „intellektuellen Diskussion“ gestellt. Darüber hinaus werfe man auch der EU keinen Rassismus vor, weil sie innerhalb der Grenzen freizügig sei. „Das finden alle ganz normal, und da regt sich auch keiner drüber auf“, schreibt die CSU weiter und wirft dem Journalisten vor, nach Aufmerksamkeit zu haschen:

In dem Nachrichtenmagazin, für das du schreibst, wird ja in der Flüchtlingsdebatte immer wieder intellektuelle Redlichkeit eingefordert. Völlig zu Recht. Aber dazu passt es halt schlecht, wenn man andere, über die man sich gerade ärgert, als Rassisten verunglimpft. Oder die Wählerschaft als dumpf beleidigt. Das ist vielleicht gut für die Auflage oder die Klickrate, aber bestimmt nicht für das öffentliche Meinungsklima.

Schließlich macht sich die CSU ein bisschen über den Spiegel und lustig, indem sie eine Anspielung auf den Spiegel-Claim („Keine Angst vor der Wahrheit“) am Ende unterbringt:

Ich glaube nicht, dass dir dafür der Scharfblick fehlt, immerhin schreibst du ja für ein großes deutsches Nachrichtenmagazin. Aber vielleicht hast du da einfach ein bisschen Angst vor der Wahrheit.

Es wohl kein Wunder, dass Kazim dies nicht auf sich sitzen lassen will. Die Replik auf die Replik veröffentlichte er dann bei Facebook:

To be continued…

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