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ARD-Vorsitzende Wille: Seehofer-Vorstoß für Fusion mit ZDF bedroht Meinungsvielfalt

Die ARD-Vorsitzende Karola Wille tritt nach zwei Jahren im Amt turnusgemäß in dieser Woche ab. Zum 1. Januar übernimmt BR-Intendant Ulrich Wilhelm den Posten
Die ARD-Vorsitzende Karola Wille tritt nach zwei Jahren im Amt turnusgemäß in dieser Woche ab. Zum 1. Januar übernimmt BR-Intendant Ulrich Wilhelm den Posten

Vor dem Hintergrund der Diskussion über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk will die ARD über weitere Kooperationen mit dem ZDF Geld sparen. Wie bei den Olympischen Spielen in Rio sollen weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausgelotet werden, sagte die ARD-Vorsitzende Karola Wille am Mittwoch nach einer Intendantentagung in Berlin. Den Vorschlag von CSU-Chef Horst Seehofer nach einer Zusammenlegung von ARD und ZDF wies Wille wenig überraschend zurück.

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“Entscheidend ist: Wie stark sind wir in der Gesellschaft verankert?”, sagte Wille. Bei der großen Mehrheit der Bevölkerung genieße der öffentlich-rechtliche Rundfunk großes Vertrauen. Eine Fusion mit dem ZDF hält die MDR-Intendantin für kontraproduktiv. “Das wäre ein Weniger an publizistischer Vielfalt, an Meinungsvielfalt und an publizistischem Wettbewerb.” Eine einzige nationale Rundfunkanstalt nach dem britischen BBC-Vorbild würde dem föderalen System in Deutschland zuwiderlaufen.

Seehofer hatte der “Bild am Sonntag” gesagt: “Wir sind der Auffassung, dass die Grundversorgung auch von einer Fernsehanstalt geleistet werden könnte.” In einem Entwurf für ein neues Grundsatzprogramm der CSU heißt es: “Wir streben langfristig die Beseitigung von Doppelstrukturen und die Zusammenlegung von ARD und ZDF unter einem Dach an.”

Transparenz bei Sportexperten-Honoraren “nicht ganz einfach”
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“Nicht ganz einfach” ist nach Willes Darstellung das Transparenz-Gebot bei den Honoraren für die TV-Sportexperten. Bis zum Jahresende will die ARD eine gemeinsame Position zu den Forderungen nach einer Offenlegung der Vergütungen erreichen.

Beim Lizenzerwerb für die Olympischen Spiele 2020 in Südkorea und Japan vom US-Medienkonzern Discovery wollen sich ARD und ZDF das Gebot der Sparsamkeit zu Herzen nehmen. Man werde sich aber nicht mit “Krümeln” wenig attraktiver Sportarten abspeisen lassen, sagte ARD-Programmchef Volker Herres. Der Vorsitzende der ARD-Gremienkonferenz, Steffen Flath, mahnte zur Sparsamkeit: “Ich glaube, dass wir die Schraube langsam überdrehen.”

Neu geregelt hat der Senderverbund seinen internen Finanzausgleich. Vom 1. Januar 2017 werden sieben der neun Landesrundfunkanstalten als “Geber” auftreten und nur noch zwei Sender, Radio Bremen (RB) und der Saarländische Rundfunk (SR), Geld erhalten. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und der Hessische Rundfunk (HR) werden in der nächsten bis 2020 dauernden Beitragsperiode zu den zusätzlichen “Gebern” gehören. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR), größter Geldgeber im ARD-Verbund, wird seinen Beitrag etwas zurückschrauben. Über die Neuregelung müssen noch die Gremien der ARD-Sender abstimmen.

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Alle Kommentare

  1. “Bei der großen Mehrheit der Bevölkerung genieße der öffentlich-rechtliche Rundfunk großes Vertrauen.”
    Wo hat sie das denn her?
    Deshalb auch die Zwangsgebühren, denn die Meinungsvielfalt kann durch die Privaten ja nieeemals abgedeckt werden.

  2. “Vorstoß für Fusion bedroht Meinungsvielfalt” (Karola Wille). Na ja. Das mit der Meinungs”vielfalt” in ARD und ZDF sehen ja einige Menschen vielleicht doch etwas anders. Vielleicht wird es ja wieder besser, wenn auch die AfD in die Fernsehräte einzieht und man auch in diese Richtung buckeln muss.

    Natürlich ist der Fusions-Vorschlag gut. Da könnte man nen Haufen Geld bei gleichbleibender “Qualität” sparen und die Gebühren senken. Dieses System ist doch völlig aus dem Ruder gelaufen. Überrascht war ich bei der Reaktion des ZDF, dass dieser Fliesenleger aus Rheinland-Pfalz, der, wenn ich mich recht erinnere, Brender aus dem Amt gekegelt hat, beim ZDF immer noch das Zepter schwingt.

  3. “Bei der großen Mehrheit der Bevölkerung genieße der öffentlich-rechtliche Rundfunk großes Vertrauen. Das zeige die überwältigende Zahl derjenigen, die ihren Beitrag entrichten…” 🙂

  4. Welche Meinungsvielfalt denn bitte ?
    Gegenüber dem deutschen Staatsfernsehen sind ja selbst ORF und SFR regelrecht pluralistisch.

    Die höchsten Fernsehgebühren der Welt (!), dann diese “Haushaltsabgabe”, wo Leute selbst dann zahlen müssen, wenn sie keinen Staatsrundfunk hören und sehen wollen. Oder noch nicht mal können. Sonst am Ende der Gerichtsvollzieher kommt.
    Fürstliche Gehälter, die in keiner Relation zur Verantwortung stehen.
    Weshalb verdienen diese Rundfunkräte alle mehr als die Bundeskanzlerin ?
    Wofür braucht man so viele Programme, die ohnehin größtenteils nur noch Fußball, Talkshows oder Spielfilmwiederholungen zeigen ?
    Dazu Spartenkanäle fast ohne messbares Zuschauerinteresse, bei denen man einschalten kann wann man will, aber immer nur Hitler oder/und Stalin sieht. Man hat den Eindruck, der Kampf gegen Stalingrad dauert seit über 20 Jahren an.

  5. Natürlich hat Seehofer Recht. Die Herrschaften kleben nur an ihren öffentlich-rechtichen Stühlen und müssen jetzt ihre Pfründe verteidigen. Nirgends wird so viel Kohle mit Nichtstun verdient wie bei den ÖR.

  6. Welche Meinungsvielfalt???
    Die Nachrichten sind von ARD, ZDF, N24, RTL, SAT1 und wie sie alle heißen, ein und die selbe Schmiere, diktiert von einem Meinungsmacher….Und der Rest…..globaler Dreck…wie Joko & Claas oder Menschen im Container….Prommi Big Brother…..

  7. Mir egal was die da machen, aber jeweils zwei/drei Fernseh- und Radiosender würden als Grundversorgung ausreichend sein. Das ganze zu fünf Euro im Quartal. Und das bei [bitte nicht lachen] neutraler Berichterstattung.

  8. Von welcher Meinungsvielfalt redet die denn?
    Der Einheitsbrei mit unterschiedlicher Präsentation? In einen Restaurant würde man sagen das gleiche Gericht auf unterschiedlichen Tellern, bleibt trotz dem das Gleiche!
    Die Dame meint wohl die Einheitliche Vielfalt in abgesteckten Rahmen, welche eher die Einfalt darstellt. Es ist einfach erschreckend wie realitätsblind solche Menschen leben.
    Vielfalt, ja die gab es wirklich einmal. Heute sieht man nur noch austauschbaren Teflon-Moderatoren und in den Redationen scheint das selbst abgesteckte Terrain inzwischen so klein zu sein, dass für die Wirklichkeit kaum noch Platz vorhanden ist. Jeden Tag eine große Portion “Flüchtlinge”, 1x wöchentlich irgend etwas vom Holocaust und jeden Monat das notwendige Quantum Nazivergangenheit und dazwischen vorsichtig aussortige Meldungen und Dokus um ja keinem auf die Füße zu treten. Auf solch eine vorgespielte Vielfalt, zu diesem Zwangsbeitrag, würde ich gerne verzichten.

  9. In Zeiten “vor der Systempresse” hätten längst versierte Journalisten (keiner der heutigen Lügner-Bande) dieses Thema aufgegriffen, Pro und Kontra präsentiert und eine Rechnung gemacht, wie viele Milliarden man auf einem Schlag sparen oder vernünftig verwenden könnte.
    Die Grundidee ist also nicht übel. Dass jetzt vor allem die Oberabkocher Partei ergreifen, wundert überhaupt nicht…

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