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VG Wort-Tantiemen: Freischreiber fordern für Autoren auch Zinsen von Verlagen ein

Freischreiber-Vorsitzender Benno Stieber: Hölle-Preis 2017 für die SZ
Freischreiber-Vorsitzender Benno Stieber: Hölle-Preis 2017 für die SZ

Mit Blick auf die Vertagung der Neuverteilung von Tantiemen durch die VG Wort hat die Autorenvereinigung Freischreiber die Entscheidung begrüßt. Die kurzfristig modifizierte Beschlussvorlage des Vorstands sei zu Recht gescheitert . Nun hätten die VG-Wort-Mitglieder "genügend Zeit, die komplexe Materie bis zur nächsten Versammlung zu prüfen", sagt der Vorsitzende von Freischreiber, Benno Stieber.

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Der eigentliche Erfolg der Kritiker an der bisherigen Verteilungspraxis liege jedoch schon in der Vorbereitungsphase der Mitgliederversammlung, kommentiert Stieber: “Nur weil der Vorstand befürchten musste, mit seinem ursprünglichen, unzureichenden Verteilungsplan baden zu gehen, hat er kurz vor der Eröffnung der Sitzung eine geänderte Vorlage präsentiert.“ Der  Vorschlag enthalte zwar “einige substanzielle Verbesserungen”, müsse aber noch weiter entwickelt werden. So sollten aus Freischreiber-Sicht auch die angefallenen Zinsen bei den Verlegerrückzahlungen Berücksichtigung finden.

Die Abstimmung zur Änderung des Verteilungsplans war durch ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) erzwungen worden, das der Jurist und Autor Martin Vogel im Frühjahr dieses Jahres erwirkt hatte. Es verlangt die Rückzahlungen von Tantiemen, die die VG Wort rechtswidrig an Verlage ausgeschüttet hatte. Geld, das nach dem Urteil des BGH den Urhebern zusteht.

“Wer uns jetzt die Verzögerung der Auszahlung vorwirft, verkennt dass durch die Untätigkeit des Vorstands seit den ersten Urteilserfolgen von Martin Vogel, bereits Jahre vertan wurden”, erklärt Stieber. Jetzt sei genügend Zeit, aus einem guten Anfang einen guten Verteilungsplan zu machen.

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Aus Sicht von Freischreiber gibt es, anders als der VG-Wort Vorstand nun verlauten lässt, trotz der Abstimmungsniederlage keinen Grund, nicht wie geplant kommende Woche mit den Rückforderungen an die Verleger zu beginnen. „Nur weil es noch keinen Verteilungsplan gibt, können doch bereits Forderungen gestellt werden“, erklärte Stieber. Er kündigte an, dass die Freischreiber den Vorschlag für einen geänderten Verteilungsplan “eingehend juristisch prüfen und Verbesserungsvorschläge einbringen” würden. Die nächste Gelegenheit für eine Entscheidung sei dann die Mitgliederversammlung am 26. November.

Für die Politik sei das Abstimmungsergebnis ebenfalls ein Signal, erklärt der Freischreiber-Vorsitzende. Es zeige, dass die Solidargemeinschaft aus Verlegern und Urhebern schwer gestört ist. Den Medienpolitikern sollte das zu denken geben, wenn Sie derzeit daran arbeiten, die Verlegerbeteiligung an den Urhebertantiemen durch ein Gesetz wieder zu legalisieren. „Tantiemen aus Urheberrechten können nur Urhebern zustehen“, so Stieber.

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Alle Kommentare

  1. Als Wahrnehmungsberechtigter (nicht Miglied, da wird ein feiner Unterschied gezogen) der VG Wort unterstütze ich vor allem Dr. Vogel und dessen beim BGH erwirktes Urteil vollumfänglich und hoffe darauf, dass alle Beteiligten dieses nunmehr respektieren und danach handeln.

  2. Ach, die chaotisch und zum Teil würdelos verlaufene Sitzung, gell Herr Stieber, zeigt, dass die Solidargemeinschaft zwischen Autoren und Verlegern gestört ist? So sieht eben jeder, was er sehen will. Ich hatte viel eher den Eindruck, dass vielmehr das Verhältnis zwischen den Journalisten der Berufsgruppe 2, namentlich den Freischreibern, und den dort ebenfalls vertretenen Sachbuchautoren und – übersetzern sowie allen anderen Berufsgruppen nunmehr “schwer gestört” ist. DAS sollte den Medienpolitikern zu denken geben, wie selbstherrlich hier eine kleine Gruppe aufgetreten ist. Und wie leicht es offenbar ist, allen die lange Nase zu drehen. Wenn das die Zukunft der VG Wort ist, dann müssen sich die dort Verbleibenden aber warm anziehen.
    Alles andere ist ja heute schon in SZ und FAZ nachzulesen, die hinreichend geschockt sind von den samstäglichen Vorkommnissen, die Sie hier so schön verbrämen.
    Hinweis: Ich bin als Freizeit-Autor Wahrnehmungsberechtigter der VG Wort und war als Justitiar der Verlagsgruppe Random House GmbH am Samstag abstimmungsberechtigter Delegierter.

    1. Lieber Herr Dresen, sie haben eine chaotische Verhandlung erlebt. An der schwachen Sitzungsleitung, die allzu gern auch nach geschlossener Rednerliste noch Leute mit genehmer Meinung zu Wort kommen lassen wollte, sind wir jetzt also auch noch schuld. Vor allem aber mache ich mir natürlich Vorwürfe, dass Sie es am Samstag nicht mehr rechtzeitig zum Badesee geschafft haben, obwohl sie doch in ihren Redebeiträgen mehrfach auf das schöne Wetter verwiesen haben. Mit demokratischen Abstimmusprozessen haben Sie es offenbar nicht so. Schade.

  3. Da sieht man mal, was Vereine leisten können.

    Solche Bürger-Projekte erwartete ich von den Piraten z.b. zur Astra-Analog-Abschaltung oder jetzt zu T2. Berlin war die erste T1-Stadt und die Rentner erinnern sich !!! Tja. nix geworden.

    Sowas könnte auch AfD leisten: Bürger für Bürger. Und dann aus Dank gewählt zu werden. Fokussierung auf Flüchtlinge (evtl durch bezahlte V-Männer oder bezahlte Lobbyisten) führt dazu, das die etablierten Parteien weiter regieren können und keiner – im Gegensatz zur Schill-Partei – mit der AfD koalieren will…

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-19237118.html
    damals streckte ich irgendetwas nämlich in die Länge und die Frage nach der Höhe und Verbleib der Zinsen stellte sich. Jeder gute Reporter hat sich natürlich sofort erinnert und nennt es als Beispiel…

    Solche Zins-Fragen hätte man schon am ersten Tag der Republik vom BGH klären lassen müssen, damit jeder seinen Zins berechnen kann:
    – wann fangen Wucherzinsen an
    – Zinsen für nicht gezahlten Unterhalt. Eine große Belastung womöglich der Hartz4-Kassen.
    – Zinsen für nicht bezahlte Freiberufler- Handwerker-Rechnungen, verspätete Mieten… usw.
    Sowas findet täglich statt. Also muss es jeder in der Grundschule lernen und die Regeln sind so einfach und klar zu sein wie die 10 Gebote…

    Ist wohl zu kompliziert für die Wirtschafts-Presse, welche uns schon nicht vor dem neuen Markt gewarnt hat.

    Angeblich “Komplizierte” Systeme führen oft dazu, das sich Verwalter die Taschen füllen und oft leider auch noch für Sudoku-Verwaltungs-Sitzungen Teilnahme-Gebühren kriegen.

    Im Supermarkt oder Restaurant wird man satt und die Punkt-Regeln bei Formel-1 und insbesondere Fußball kann fast jeder auf der Straße aufsagen und da gehts um wahre Leistung und Millionen. Was also muss komplizierter sein ? Alles was komplizierter ist, sollte sich die Presse mal genau anschauen und vorhandene Nieten und Parasiten austrocknen. Aber das scheitert oft wohl schon am Duden…

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