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„Cansel Dünnschiss“ – DJV fordert CDU-Politikerin Kudla auf, sich für Twitter-Beleidigung gegen Can Dündar zu entschuldigen

Can Dündar (l.), DJV-Vorsitzender FRank Überall, Twitter-Beleidigung von Bettina Kudla

Die Leipziger CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla hat den in der Türkei verfolgten Journalisten Can Dündar auf Twitter als „Cansel Dünschiss“ beleidigt. Ein Sturm der Entrüstung war ihr für diese Entgleisung sicher. Nun fordert auch der Deutsche Journalisten Verband in Gestalt von seinem Bundesvorsitzenden Frank Überall und der Vorsitzenden des DJV Sachsen, Ine Dippmann, eine Entschuldigung.

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„Mit großem Befremden haben wir Ihren Twitter-Eintrag zu Can Dündar zur Kenntnis genommen. Die Art und Weise, wie Sie seinen Namen verunstalten und damit suggerieren, er würde nur Schlechtes von sich geben, ist unserer Meinung nach einer Bundestagsabgeordneten nicht würdig.“ So schreiben es Frank Überall und Ine Dippmann in einem offenen Brief an Bettina Kudla.

Hasskommentare im Netz würden die Spaltung der Gesellschaft befördern und seien die Vorstufe zu physischer Gewalt, heißt es in dem Schreiben weiter. Die öffentliche Verunglimpfung von Can Dündar offenbare „in eklatanter Weise“ mangelnden Respekt vor der Person und der Arbeit des Journalisten, dem in der Türkei eine mehrjährige Haftstrafe droht. Dündar war Chefredakteur der regierungskritischen liberalen Zeitung Cumhuriyet. Wegen angeblichen Geheimnisverrats wurde er in der Türkei zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Derzeit hält er sich in Europa auf. Weil er nicht in die Türkei zurückkehren kann ohne in Haft genommen zu werden, hat er kürzlich die Chefredaktion bei der Zeitung abgegeben.

Vom DJV heißt es dazu: „Der mehrfach preisgekrönte Medienmann wurde in einem aus rechtsstaatlicher Sicht mindestens umstrittenen Verfahren von einem türkischen Gericht dafür verurteilt, dass er kritisch berichtet hatte. Er hat nach unseren Maßstäben keine Straftat begangen, sondern bloß Tatsachen in der Zeitung Cumhurriyet korrekt wiedergegeben.“

Überall und Dippmann schreiben weiter an Bettina Kudla: „Nun mögen Sie diese Verdienste des Journalisten Can Dündar gering schätzen, das ist Ihr gutes Recht. Sein Recht ist es, nicht von Ihnen beleidigt zu werden. Wir begrüßen wir es, dass sich die CDU/CSU-Bundestagfraktion bereits von Ihrem Tweet distanziert hat. Wir können aber nicht nachvollziehen, dass Sie es bisher nicht geschafft haben, Dündar via Twitter um Verzeihung zu bitten.“

Die beiden DJV-Funktionäre schließen mit der Aufforderung an Kudla, sich bei Dündar zu entschuldigen: „Erinnern Sie sich an das, was gute Kinderstube ausmacht, kehren Sie zurück zu sachlicher Auseinandersetzung und vor allem entschuldigen Sie sich bei Can Dündar!“

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