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Enttäuschende Keynote kostet Apple 27 Milliarden Dollar Börsenwert: Warum das iPhone 7 zu wenig Kaufanreize bietet

Apples iPhone 7 Plus (© Apple)

Außer Spesen nichts gewesen: Apple ist bei seiner mit Spannung erwarteten Vorstellung des neuen iPhone 7 an der Börse krachend durchgefallen. An den zwei auf die Keynote folgenden Handelstagen brach die Apple-Aktie um fünf Prozent ein und vernichtete mehr als 27 Milliarden Dollar Börsenwert. Die Wall Street reagiert enttäuscht über die fehlenden Innovationen und stuft Apple teilweise herab. Vor allem in China fehlen die Kaufargumente für das neue iPhone.

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Bitteres Ende der wichtigsten Woche des Jahres für Apple: Bei der Enthüllung des neuen iPhones erntete Apple erst Spott für den eigenen Twitter-Leak, dann viel Gegenwind für die „mutige“ Entfernung der Kopfhörerbuchse, um dann vom Social Web für die höchst gewöhnungsbedürftigen Drahtlos-Kopfhörer AirPods ausgelacht zu werden.

An der Wall Street bezog Apple für seine Neuvorstellungen kräftig Prügel und büßte fünf Prozent an Börsenwert in den beiden auf die Keynote folgenden Tagen ein. Mehr als 27 Milliarden Dollar wurden binnen 48 Stunden ausradiert – vor allem, weil Tim Cook die Börse mit seiner Äußerung schockierte, keine Verkaufszahlen mehr vom Startwochenende bekannt geben zu wollen.

Negativwachstum dürfte sich mit iPhone 7 fortsetzen

Für die Wall Street klingt es wie das Eingeständnis, dass Apple etwas zu verbergen hat – nämlich fallende iPhone 7-Absätze, die wiederum den Abwärtstrend der vergangenen Monate fortsetzen würden. Seit Jahresbeginn brechen dem Techpionier die Absätze seiner  mit Abstand wichtigsten Produktsparte zweistellig weg.

Nach allem, was man am vergangenen Mittwoch gesehen hat, scheint für Anleger festzustehen, dass das iPhone 7 nicht in der Lage ist, das Wachstum wieder zu beleben. Im Gegenteil: Treffsichere Analysten wie Ming-Chi Kuo von KGI Securities rechnen im Weihnachtsquartal gar mit einer Ausweitung des Negativwachstums.

iPhone 7 setzte in China zu wenig Kaufanreize

Vor allem im wichtigsten Wachstumsmarkt der Welt – China – steht Apple vor einer großen Herausforderung: Das iPhone 7 scheint dafür im Reich der Mitte kaum geeignet, den freien Fall zu stoppen, den Apple seit Monaten verzeichnet.  „Chinesische Kunden wollen ein  Smartphone, das ihnen ein Gesicht gibt, ein Smartphone, das nach einer echten Neuheit aussieht“, erklärt ein chinesischer Manager eines Internet-Unternehmens gegenüber dem Wall Street Journal.

Genau diesen Wow-Faktor kann Apple mit seinem neuen iPhone nun nicht bieten: Das iPhone 7 sieht aus wie das Update des iPhone 6s, das ein Update des iPhone 6 war. Auf der zweistündigen Keynote versuchten Tim Cook, Phil Schiller und Jeff Williams mit bahnbrechenden Veränderungen unter der Oberfläche zu punkten, doch die vermeintlichen Innovationen entpuppen sich bei genauer Betrachtung als Kopie der asiatischen Rivalen.

Chinas Smartphone-Hersteller setzten längst die Trends

Chinas Marktführer Huawei, der Reich der Mitte inzwischen fast dreimal so viele Smartphones wie Apple verkauft, hat bereits vor Monaten eine Dual Kamera bei seinem Flaggschiff P9 verbaut, während sich der einheimische Anbieter LeEco schon im Juni von der Kopfhörerbuchse verabschiedete. Wasserdichte Smartphones bietet Platzhirsch Samsung mit seinem Galaxy S7 (edge) unterdessen schon seit dem Frühjahr an.

Entsprechend reagiert die Wall Street zurückhaltend auf den iPhone 7-Launch – die Investmentbank Wells Fargo stufte Apple etwa auf „neutral“ herab. „Es wird immer schwieriger für Apple, mit seinen Produkten zu überraschen – die Ankündigungen auf der Keynote lagen genau im Rahmen der Erwartungen“, äußerte sich auch Deutsche Bank-Analyst Sherri Scribner wenig euphorisch.

„Das neue iPhone stellt eine Verbesserung gegenüber Vorgängermodellen dar, ist aber kein Gamechanger, der einen neuen Upgrade-Zyklus einläutet“, glaubt die Deutsche Bank-Analystin.

„Das iPhone 7 ist ein weiterer Grund, Apple zu verkaufen“

Vermögensverwalter Doug Kass, der Apples schwere Börsenabstürze 2012/13 und 2015 vorausgesehen hatte, geht sogar noch weiter und sieht sich durch die jüngste Apple-Keynote in seiner Verkaufsempfehlung bestätigt: „Das iPhone 7 ist ein weiterer Grund, die Apple-Aktie zu verkaufen“,  schreibt Kass beim Finanzportal TheStreet.com.

„Apple ist längst nicht mehr der Innovator, der es unter Steve Jobs war. Es ist ein CopyCat-Nachzügler, der ein Smartphone zu einem hohen Preis im Vergleich zur Konkurrenz verkauft“, ist Kass pessimistisch für das Verkaufspotenzial des iPhone 7.

„Kunden werden irgendwann herausfinden, dass sie von Apple abgezockt werden“

Und mehr  noch: „Aus meiner Sicht läuft Apple Gefahr, dass sie Kunden verlieren, die bis heute in ihrem Ökosystem gefangen sind, aber irgendwann herausfinden, dass sie von Apple durch teure, proprietäre Peripheriegeräte abgezockt werden“, erklärte Kass in Anspielung auf die 179 Euro teuren Drahtlos-Kopfhörer AirPods, die nur in Verbindung mit Apple-Geräten genutzt werden können.

Die Wall Street hat sofort reagiert – und hat die Apple-Aktie mit der harten Ausverkaufswelle zum Ende der Woche auf Jahressicht wieder ins Minusterritorium gestoßen.

Das nächste Ungemach droht zu Wochenbeginn: Der Vorsprung beim Börsenwert auf den Erzrivalen Alphabet ist schon wieder auf rund zwei Prozent zusammengeschmolzen. In anderen Worten: Das iPhone 7 könnte Apple den Börsenthron kosten.

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