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Flop-Verdacht: Apple macht keine Angaben zu iPhone 7-Vorbestellungen – Wall Street reagiert entgeistert

Nächste Hiobsbotschaft aus Cupertino: Apple hat überraschend angekündigt, keinen Einblick mehr in die iPhone-Vorbestellungen und Erstverkäufe am Startwochenende zu geben. Tim Cook bricht damit mit einer neunjährigen Tradition, die als guter Indikator für die Nachfrage nach den neuen iPhones galt. Während der Apple-Chef erklärte, die Absätze am Startwochenende würden nicht die tatsächliche Nachfrage, sondern die Verfügbarkeit der Modelle widerspiegeln, las die Wall Street etwas anderes heraus: Apple will offenbar keinen Absatzrückgang eingestehen.

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Für eine Stunde sah es so aus, als hätte Apple mit seiner Keynote an der Wall Street bestanden: Sia und Tim Cook hatten die Bühne verlassen, der Vorhang fiel – und die Apple-Aktie stieg gestern um mehr als ein Dollar und schloss auf einem Tageshoch bei 108,30 Dollar.

Tags darauf hatte Tim Cook jedoch eine kalte Dusche für seine Aktionäre parat: Höchst überraschend teilte der Apple-Chef dem Finanzinformationssender CNBC mit, dass der Techpionier mit seiner neunjährigen Tradition brechen und erstmals weder die Zahlen der Vorbestellungen noch die tatsächlichen Verkäufe am Startwochenende zwischen dem 16. und 18. September kommunizieren werde.

„Die Erstverkäufe sind keine geeignete Statistik mehr für unsere Investoren“

Tim Cook begründete die ungewöhnliche Zurückhaltung wie folgt: „In den vergangenen Jahren haben wir immer kommuniziert, wie viele iPhones am Startwochenende verkauft wurden. Nachdem die Distribution unserer iPhones durch Mobilfunkbetreiber und andere Verkäufer hunderttausendfach in der Welt erfolgt, sind wir an dem Punkt angelangt, dass wir wissen, dass das iPhone ausverkauft sein wird.“

Und weiter: „Die tatsächlichen Erstverkäufe werden also von der Verfügbarkeit, nicht der Nachfrage bestimmt. Deshalb haben wir uns entschieden, dass die Erstverkäufe keine geeignete Statistik mehr für unsere Investoren und Kunden sind“, teilte der Apple-Chef mit.

Wall Street: „Fehlende Daten sind niemals gut, vor allem angesichts der Fragezeichen um das iPhone“

Das Statement wirft viele Fragen auf: Es stellt sich einerseits die Frage, inwieweit sich Apples iPhone-Distribution binnen 12 Monaten so sehr geändert hat, dass eine statistische Erhebung der Rekordverkäufe des iPhone 6s noch sinnvoll erschien, beim iPhone 7 aber plötzlich nicht mehr. Und andererseits: Wieso Apple beim nur marginal veränderten iPhone 7 plötzlich Lieferengpässe erfahren haben könnte, die die Verfügbarkeit schmälern – beim iPhone 6s aber nicht.

Entsprechend schlecht kommt die neue Kommunikationspolitik an der Wall Street an. „Fehlende Daten sind niemals gut, vor allem angesichts der Fragezeichen um das Smartphone“, erklärte Analyst Colin Gillis vom Finanzdienstleister BGC Partners. Gillis spielt damit auf die Unsicherheit hat, die sich um das Absatzpotenzial des iPhone 7 rankt.

Wall Street rechnet auch mit zweistelligen iPhone 7-Absatzeinbrüchen

Erst zu Wochenbeginn hatte der viel respektierte KGI Securities-Analyst Ming-Chi Kuo vor einem drastischen Absatzrückgang des iPhone 7 gewarnt. So prognostizierte der extrem treffsichere Apple-Analyst für das iPhone 7 im Vergleich zum iPhone 6s bis Jahresende einen weiteren Absatzeinbruch von 21 bis 27 Prozent; die taiwanische DigiTimes kam mit Verweis auf Bestellungen bei Zulieferern auf ähnliche Prognosen.

Tim Cooks plötzliche Verschlossenheit wird von der Wall Street entsprechend interpretiert, zumal nach der Vorgeschichte der Apple Watch. Auch bei der 2015 neu eingeführten Smartwatch weigerte sich Cook beharrlich, die genauen Verkäufe einzeln in der Bilanz auszuweisen und versteckt die Apple-Uhr lieber in der Kategorie „Andere Produkte“ zusammen mit Kabeln, iPods, Beats-Kopfhörern und bald auch AirPods.

Neue Geheimniskrämerei kostet Apple 16 Milliarden Dollar Börsenwert

Ein Tag nach der großen September-Keynote steht fest: Apple hat nun auch beim iPhone etwas zu verstecken. Die Wall Street hat sich über die neue Geheimniskrämerei in Cupertino schnell eine Meinung gebildet und straft den noch knapp wertvollsten Konzern der Welt mit heute einem Minus von fast drei Prozent auf 105 Dollar ab.

Oder anders formuliert: Tim Cooks neue Verschlossenheit kostet Apple 16 Milliarden Dollar Börsenwert und hat das Momentum von Apples gestriger Keynote damit am Tag darauf komplett zunichtegemacht. Der Narrativ hat sich über Nacht verschoben: Dass das iPhone 7 nicht zum Turnaround taugt, steht seit gestern fest – die Frage ist heute nun nur noch, wie drastisch die Absätze einbrechen werden.

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