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Von „SchreckPomm“ bis „Kanzlerdämmerung“: Medienstimmen zur Wahl in MeckPomm

In Mecklenburg-Vorpommern wurde gewählt und die Kommentatoren beschäftigen sich vor allem mit zwei Themen: Dem Sieg der Alternative für Deutschland und der Niederlage für die CDU, die nur noch drittstärkste Partei ist („AfD demütigt CDU“, „CDU rechts überholt“). Einig sind sich alle Beobachter darin, dass die Wahl auch eine Abstimmung über die Politik von Angela Merkel war. Nüchtern bemerkt Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart dazu: „So sehen Kanzlerdämmerungen aus“.

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In seinem Morning Briefing analysiert Steingart: „Die Merkel-CDU landete gestern Abend auf Platz drei hinter der Alternative für Deutschland. Bei allen das bürgerliche Publikum bewegenden Themen – Flüchtlinge, Europa, Innere Sicherheit – trifft die Kanzlerin derzeit nicht den Ton. Im großen Bild-Interview vom Samstag wirkte sie in der Sache hilflos, in der Argumentation rechthaberisch und – als das Befrager-Trio nicht locker ließ – im Ton zänkisch. So fällt denn in diesen Tagen ein merkwürdig fahles Licht auf die erste Frau im Staate. So sehen Kanzlerdämmerungen aus.“

MOPO-taz-Text

Auch für Sebastian Fischer (Spiegel Online) handelte sich bei der Abstimmung an der Ostsee um ein Kanzler-Voting: „Politisch betrachtet ist Mecklenburg-Vorpommern eine Miniatur von einem Bundesland, nahezu gänzlich ohne Bedeutung. Normalerweise. Bei dieser Wahl aber war das anders. Denn diese Landtagswahl war im Grunde genommen eine Kanzlerwahl, oder genauer: eine Merkel-Wahl. Das macht sie so bedeutsam.“ Deshalb ist sei die Wahl für die Kanzlerin auch „ein politisches Debakel“.

In seinem Kommentar zur Wahl in Mecklenburg Vorpommern schreibt der Politik-Chef der Bild, Nikolaus Blome, dass von nun an Koalitionen mit der AfD kein Tabu mehr seien. Denn die Alternative für Deutschland werde nicht so schnell verschwinden. „Schon jetzt sitzt die Partei in mehr Landtagen als die FDP. Wegwünschen hilft nicht mehr. Weggucken hat es noch nie getan“. Blome fordert: „CDU und CSU müssen deshalb schnell Klarheit schaffen, unter welchen Bedingungen Koalitionen mit der AfD möglich sind, auch auf Bundesebene. Das tut weh und wird intern für Streit sorgen. Aber das muss die Union aushalten, wie es die SPD angesichts der Linkspartei auch aushalten musste (und mancherorts noch muss).“

Bild-Welt-Tagesspiegel-Text

Für die Süddeutsche kommentiert Heribert Prantl: „Die AfD lebt fast ausschließlich von Anti-Stimmungen: von einer Anti-Flüchtlings-Stimmung, einer Anti-Islam-Stimmung, einer Stimmung, die sich pauschal über Fremdbestimmung und Bevormundung beklagt, von einer allgemeinen Gereiztheit und von pauschalen Ängsten, die die AfD selbst schürt. Diese Stimmungen entspringen einer irrealen Realität, sie sind nicht sehr haltbar. Die Wähler, die jetzt AfD wählen, erwarten wenig von ihr. Sie wollen in erster Linie, dass die anderen, die gewohnten Parteien und Politiker, eins auf den Deckel kriegen. Die Gereiztheit kann schnell ihren Reiz verlieren, wenn diese Strafaktion vorüber ist und dann nicht Propaganda, sondern ernsthafte Politik gemacht werden muss.“ Weiter merkt er aber auch an: „Wenn man Aufregung und Aufgeregtheit liebt, kann man das, was die AfD bisher in der deutschen Parteiendemokratie angerichtet hat, als Kettensägenmassaker bezeichnen.“

Bei Zeit Online bittet die Islam-Wissenschaftlerin Lamya Kaddor darum, nicht zu viel und immer über die Alternative für Deutschland zu berichten: „Stillschweigen oder hypen? Ich denke, die goldene Mitte wäre nicht schlecht. Das Wichtige besprechen, das Unwichtige verschweigen. Wenn wir alle nicht jeden Beitrag über die AfD in sozialen Medien teilen, nicht jede Aussage kommentieren würden, wäre schon vieles gewonnen.“

In ihrem Kommentar schlägt die taz ganz andere Töne an. Barbara Junge meint, dass es jetzt vor allem darum gehen muss, auch den AfD-Wählern mehr Toleranz entgegenzubringen. „Das Werben um diese Toleranz ist die dringendste Aufgabe in den kommenden Monaten, und es muss lauter und leidenschaftlicher sein als die Melodie des Hasses.“ Weiter schreibt Junge: „In Mecklenburg-Vorpommern beklagen viele Menschen, die nun AfD gewählt haben, man habe sie vergessen. Das Geld ginge immer nur zu anderen, Straßen bröckelten, die Jugend sei ohne Perspektive. Es ist die Aufgabe von Politik, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Die Aufmerksamkeit für Probleme vor Ort, das Lösen von Konflikten im Kleinen, das ist neben dem Werben um Toleranz jetzt dringend nötig.“

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