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Fünf Gründe, warum die Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“ bei alt und jung so erfolgreich ist

Es gibt sie noch, die gute TV-Unterhaltung: "Die Höhle der Löwen" bei Vox

Die zweite Folge der neuen Staffel „Die Höhle der Löwen“ bei Vox holte noch einmal bessere Quoten als die ohnehin schon gute Auftaktfolge. Die Startup-Show ist auch in neuer Besetzung stark wie nie. Woher kommt die Begeisterung des Publikums für das Gründer-Casting? MEEDIA identifiziert fünf Gründe.

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1. Substanz

Hier werden echte Gründer mit guten oder zumindest interessanten Ideen präsentiert. So zum Beispiel der 60-jährige Installateur-Meister in der jüngsten Folge, der mit der „Abfluss Fee“ dem lästigen Problem von verschmutzten Waschbecken-Abflüssen zu Leibe rückte. Die meisten der Kandidaten haben tolle Ideen und Mut und Einfallsreichtum bei der Umsetzung bewiesen. Ein anderes Beispiel aus der jüngsten Folge ist der frühere Zahntechniker, der einen revolutionären Reparatur-Stift entwickelte. Das ist echter Erfindergeist und begeistert nicht nur die Jury-Mitglieder, sondern auch die Zuschauer zu Hause. Die Show setzt auch wirkliches Talent und Können und nicht auf den schnellen Knalleffekt. Umgekehrt sieht es der Zuschauer auch gerne, wenn überhebliche Jung-Gründer mit unausgereiften Ideen und überzogenen Forderungen sich an den Löwen die Zähne ausbeißen (die Flaschen-Zwillinge aus der zweiten Folge). Die Show funktioniert hier ähnlich wie „Rach der Restauranttester“ zu seinen besten Zeiten. Beides ist unterhaltsam anzuschauen: Die „guten“ Gründer werden belohnt, die „schlechten“ abgewatscht.

2. Jury

Die Zusammensetzung der Löwen-Runde ist auch in neuer Besetzung überaus stimmig. Dass der Elder-Statesman Vural Öger im echten Leben pleite ging, hätte leicht peinlich sein können. Die Produktion fand mit Carsten Maschmeyer aber einen prominenten und durchaus umstrittenen Ersatzmann. Bislang füllt Maschmeyer die ihm zugedachte Rolle sehr gut aus. Dass er immer wieder seine Ehe mit der Schauspielerin Veronica Ferres erwähnt und über keinen absolut untadeligen Ruf verfügt – für die Show ist es unerheblich. Die schon immer eher schwache Lencke Steiner, die sowieso fast nie investierte, wurde durch den Vertriebler Ralf Dümmel ersetzt. Eine gute Wahl, denn Dümmel ist entscheidungsfreudiger und bringt die Spielfarbe Massenmarkt in die Show („… soundsoviele Regalmeter …“, „… ganz Deutschland zuplakatieren …“ usw.). Die drei stärksten Jurymitglieder sind aber Judith Williams mit ihrer Empathie, Frank Thelen mit einer gewissen Rabautzigkeit und Jochen Schweitzer als verständnisvoller Investor-Onkel. Die drei bilden eine gut funktionierende Kerngruppe, bei der sich die beiden neuen passend einfügen.

3. Präsentation

Die Show verzichtet weitgehend auf rührselige oder ablenkende Hintergrund-Geschichten rund um Schicksale der Kandidaten. Im Vordergrund stehen die Ideen und Produkte sowie deren Bewertung. Es gibt ab und zu kurze Einspieler über den Werdegang eines Startups nachdem es in der Show war, was völlig in Ordnung ist. Der Kern der Show – Präsentation und Bewertung – ist so stark, dass man kein weiteres emotionales Beiwerk braucht. Emotionen gibt es genug bei der Präsentation, wenn etwa die Gründerin eines Hochzeits-Plan-Dienstes in Tränen ausbricht, weil sie schon zu viel an ihrem Unternehmen weggegeben hat. Die Macher tun gut daran, sich auf diesen Kern der Show zu konzentrieren. Das gibt dem Format ein hohes Tempo, das die relativ lange Laufzeit wie im Flug vergehen lässt. Man könnte, wenn man wollte, die kurzen Sequenzen in denen die Gründer vorher und hinterher befragt werden sogar auch noch weglassen – sie gehören nicht zum Kern der Show. Sie stören aber auch nicht weiter.

4. Gesprächsstoff

Wie bei einem guten Casting-Format üblich, regt „Die Höhle der Löwen“ zur Kommunikation an. Beim Anschauen kann vor dem Fernseher lebhaft diskutiert werden, was man selbst von der jeweiligen Gründer-Idee hält und es darf spekuliert werden, ob und von welchem Löwen es Geld gibt. Dass es hier um Geschäftsideen geht und nicht um die allgegenwärtigen Sangeskünste, spornt noch mehr zum Mitreden an. Die hier vorgestellten Gründungs-Ideen sind durchweg komplexer und haben stets mehrere Ebenen, was auch für mehr Gesprächsstoff sorgt. Ist die Idee wirklich marktreif, einfach nur charmant oder strunzdoof? Wie ist die Gründer-Persönlichkeit? Würde ich ein solches Produkt kaufen? Zu welchem Löwen passt das Produkt am besten? Dies alles geht über das relativ einfache Bewerten von Ausstrahlung und Gesangstalent deutlich hinaus. Das macht die Show vielschichtiger und dauerhaft spannender als ein Gesangs-Casting.

5. Generationen

„Die Höhle der Löwen“ schafft das Kunststück, mehrere Generationen von Zuschauern anzusprechen. Die Jüngeren können den Älteren erklären, was es mit dieser App-Economy auf sich hat, von der der Thelen da schon wieder faselt. Ältere können der staunenden Jugend mitteilen, dass das Bügeln von Hemdsärmeln durchaus ein Problem sein kann, das einer pragmatischen Lösung bedarf. Es gibt kaum noch Sendungen, die von Alt und Jung gleichermaßen so gut konsumierbar sind wie die „Höhle der Löwen“.

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