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Die Bertelsmänner und der müde Tod, Heiko Maas und der Twitter-Fettnapf

"Der müde Tod" in Berlin, Zorro in der Achterbahn und Heiko Maas im Shitstorm

Bei Bertelsmann haben sie schon seit einigen Jahren einen Narren an deutschen Stummfilm-Klassikern gefressen. Heiko Maas springt mit Anlauf in einen Twitter-Fettnapf. Und der Chef der Heilbronner Stimme interviewt Leute in Achterbahnen. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Wem die Sommerlaune angesichts der grassierenden Schönwetterlage diese Woche zu sehr zusetzte, der konnte sich in Berlin bei den Ufa-Filmnächten, präsentiert von Bertelsmann, wieder in die angemessene Medien-Weltuntergangsstimmung versetzen lassen. Aber mit Style. Der Medienkonzern aus Gütersloh hat schon länger einen Stummfilm-Tick, restauriert immer wieder Klassiker der deutschen Stummfilmgeschichte und führt diese in Berlin auf. Diesmal dabei: „Die Bergkatze“, „Unheimliche Geschichten“ und Fritz Langs Stimmungs-Granate „Der müde Tod“ (läuft heute abend um 20.30 Uhr im Kolonnadenhof auf der Museumsinsel, ist aber offiziell ausverkauft).

In früheren Jahren wurden von Bertelsmann auch schon die Kracher „Der Golem, wie er in die Welt kam“ und „Das Cabinet des Dr. Caligari“ restauriert und gezeigt. Die aus heutiger Sicht durchaus sperrigen Werke bilden einen hübschen Kontrast zur sonstigen Bertelsmann-Medienwelt, die mit RTL & Co ja eher für eine gewisse Knallbuntheit steht. Vielleicht gibt es in Bertelsmann-CEO Thomas Rabe („Der Rabe“!!!) ja eine stille Sehnsucht nach dem Düsteren, dem Mysteriösen, das diese Filme verströmen. Unter seinen Vorgängern war Bertelsmann jedenfalls noch nicht als großer Förderer der Stummfilmkunst der 20er Jahre aufgefallen. Es gibt durchaus Uninteressanteres, für das man sich begeistern kann.

Während sich die Bertel-Bosse an Stummfilm-Klassikern berauschen, hat der Chefredakteur der Heilbronner Stimme, Uwe Ralf Heer, handfestere Vorlieben: Achterbahnen. Für eine Videoreihe interviewt er regionale Personen in einer Achterbahn des ortsansässigen Freizeitparks Tripsdrill. Mit diversen Kameras, Drohnentechnik und allem Pi-Pa-Po. „Aus dem Interview entsteht jedes Mal eine hintergründige Geschichte mit spektakulären Fotos für die Tageszeitung“, schwärmt die eigene Zeitung per Pressemitteilung.

Schaut man sich die Reihe „Extrem Interview“ bzw. „Auf den Kopf gestellt“ bei Stimme.de an, kann man sogleich ein paar Sachen über Online-Videos lernen:

1. Was auf dem Papier wie eine gute Idee aussieht (Interview in Achterbahn), muss in der Realität nicht unbedingt gut funktionieren. Sobald die Achterbahnen nämlich loslegen, also nach unten rauschen, ist der Ton wegen des Gerumpels teils schwer verständlich und das eigentliche Interview wird zur Nebensache.

2. Video-Lösungen Marke Eigenbau funktionieren viel schwerfälliger („Das Videocenter wird geladen.“) und Nutzer-unfreundlicher als die Video-Technik bei Facebook und YouTube.

3. Sich ständig wiederholende Preroll-Werbung nervt so gewaltig, dass man einen regelrechten Hass auf die werbenden Firmen entwickelt. Ich werde ganz sicher KEIN Nissan-Elektroauto kaufen.

4. Man darf bei so einer Reihe offenbar keine Angst vor Plattitüden mit Achterbahn-Anspielungen haben („Es geht auf und ab durch alle Emotionen“. „Ziemlich rasant verlief auch ihre Karriere.“) und auch ein unverkrampftes Verhältnis zu Werbung (Freizeitpark Tripsdrill) schadet nicht.

5. Wenn man hinterher zu sehr am Ton rumfuddelt, dann hört man das. So wie beim „Extrem Interview“ mit Porsche-Vorstand Albrecht Reimold, der klingt als ob er in eine Blechbüchse reden würde. Vermutlich wurde hier versucht, die Rattertattergeräusche der Bahn rauszufiltern.

Von Justizminister Heiko Maas (SPD) lernen, heißt verlieren lernen. Jedenfalls, was Social Media betrifft. Das Maas-Männchen fing sich nun wieder einen veritablen Shitstorm ein, weil er auf Twitter anlässlich eines Konzerts gegen Fremdenhass u.a. die Punk-Kombo „Feine Sahne Fischfilet“ ausdrücklich belobhudelte.

Blöd halt, dass diese Band seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet wird und in Liedern offen zu Gewalt gegen Polizisten aufruft. Man könnte auch sagen, dass die Band ganz üble Hatespeech verbreitet, gegen die der Minister ja so offensiv vorgehen will. Dumm gelaufen. Noch ungeschickter war es, anschließend die Schuld dem Social Media Team zuzuschieben. Merke: Wenn man sich öffentlich als hochrangiger Politiker äußert, sollte man einigermaßen wissen, was man sagt. Und wenn man ein Social Media Profil mit dem eigenen Foto, dem eigenen Namen und blauem Verifizierungshäkchen betreibt, sollte man auch wissen, was da so veröffentlicht wird. Noch besser wäre natürlich, man twittert selbst und lässt das nicht erledigen. Aber wir wollen die Ansprüche nicht zu hoch hängen. Heiko Maas war diese Woche auch bei Dunja Hayalis „Donnerstalk“ im ZDF zu Gast. Die Bild fertigte aus der Sendung eines dieser schnellen Talkshow-Protokolle an, wie sie bei fast jeder Talkshow mittlerweile üblich sind. Interessant ist hierbei der Autor: Ernst Elitz. Der frühere Intendant des Deutschlandradios bedient jetzt also das Talkshow Zoff-O-Meter bei der Bild. Irgendwas muss man ja offenbar machen.

Zum heiteren Ausklang hier noch ein Fundstück aus Facebook. Ein asiatischer Sadomaso-Werbespot für Fischer Dübel.

Spaßiges Wochenende!

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