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F.A.Z.-Woche startet mit schwacher Auflage: Geschäftsführer Lindner schiebt Maßnahmenpaket an

Die Startauflage des Politik- und Weltgeschehens-Magazins F.A.Z. Woche hat nicht die Erwartungen des renommierten Frankfurter Verlagshauses erfüllt. Vor allem im Handel findet das Magazin kaum Abnehmer. Jetzt schiebt Geschäftsführer Thomas Lindner diverse Maßnahmen an, um den Verkauf zu beflügeln. Dickeres Papier, eine größere Redaktionsmannschaft und eine neue breit angelegte Werbekampagne sollen helfen, um mehr Leser zu gewinnen.

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Vor vier Monaten brachte die F.A.Z.-Gruppe das freitäglichen Politik- und Weltgeschehen-Magazins F.A.Z. Woche an die Kioske. Die Zeitschrift galt als der Startschuss für eine breit angelegte Innovationsoffensive des renommierten Verlagshauses aus Frankfurt. F.A.Z.-Geschäftsführer Thomas Lindner legte deshalb große Hoffnungen auf das Produkt, das vor allem junge Leute ab 35 Jahren begeistern soll. Als Minimalziel hatte sich Lindner zumindest 50.000 verkaufte Exemplare gesetzt.

Jetzt holt ihn die Realität ein. Nach Informationen von MEEDIA bewegt sich die gesamte verkaufte Auflage unter rund 30.000 Exemplaren. Nun will der F.A.Z.-Chef mit einem Maßnahmenpaket gegensteuern. Dazu startet er im Herbst eine breit angelegte Werbekampagne. Hierfür hat das Medienhaus extra die Berliner Werbeagentur Scholz & Friends beauftragt, die eine Kampagne ausarbeiten soll. Doch das ist nicht alles. Dickeres Papier und eine größere Redaktionsmannschaft sollen den Verkauf des Produkts beflügeln. F.A.Z-Chef Lindner hofft hierdurch, dass die „Gesamtauflage“ bereits im 4. Quartal auf rund 50.000 bis 60.000 Exemplaren steigt, heißt es auf Anfrage. Geplant ist dann, den Titel Anfang nächsten Jahres in der IVW auszuweisen. Erste Zahlen sollen Mitte April erscheinen.

Probleme bereitet dem Zeitungshaus vor allem der Einzelverkauf der Zeitschrift. Wie die F.A.Z. erklärt, müsse sich die F.A.Z. Woche“ im Handel ihren Platz „erwartungsgemäß erkämpfen.“ So sei der Start des Magazin mit dem schmalen, kompakten Format nicht mit der Vehemenz erfolgt, die sich das Unternehmen vorgenommen hatte. Die Zeitschrift müsse noch erste Hürden bei der Markteinführung nehmen. Die Gründe: „Unerfahrenheit der Kunden im Hinblick auf die neue Zeitschrift und Unsicherheit der Mitarbeiter bei der Platzierung des Produkts“, heißt es intern. So sei der Titel in vielen Verkaufsstellen nicht auf den ersten Blick zu finden. Alle Verlage würden die Problematik kennen, die das Unternehmen in den nächsten Monaten „zunehmend“ lösen wolle. Die verkauften Abos liegen „aktuell im fünfstelligen Bereich“. Sie hätten den Planwert „bereits Ende Juli überschritten“. Absolute Zahlen nennt die F.A.Z. nicht. Der Verlag rechnet jedoch damit, dass sich die Abo-Auflage bis zum Jahresende bei rund 20.000 Exemplaren bewegt.

Fraglich ist, ob Lindner mit dem jetzt angeschobenen Maßnahmenpaket sein ehrgeiziges Auflagenziel erreicht. Viele Mediaagenturen hatten im MEEDIA-Check bereits Zweifel angemeldet, dass das Produkt große Auflagenhöhen erreicht. „Ich sehe eher großes Potenzial in der digitalen Variante und halte maximal Verkaufszahlen von 40.000 bis 50.000 Exemplaren in gedruckter Form für realistisch“, meint Volkmar Amedick, Geschäftsführer von pilot München, gegenüber MEEDIA. So würde die junge, gebildete und an Qualitätsjournalismus interessierte Zielgruppe „eher nach neuen, anderen Darreichungsformen“ suchen.

Auch Bernhard Becker, Head of Buying bei Mediaplus, hatte am Vermarktungserfolg des FAZ-Neulings im Vertriebs- und Anzeigenmarkt Bedenken geäußert. Die Idee, bereits am Freitag und vor allen etablierten Wochenmagazinen wie Spiegel oder Focus die Leser zu informieren, sei zwar clever, betonte er damals. Auch der Aufbau und Heftstruktur würde ihn überzeugen, da man sich schnell zurecht findet. Ebenso würde die erhoffte Zielgruppe mit dem schmalen Zeitfenster „komprimiert“ versorgt. Die Optik und Haptik hingegen blieben hinter den hohen Erwartungen zurück. „In unmittelbarer Regalnachbarschaft zu Stern, Focus und den anderen Nachrichtenmagazinen kann die Erstausgabe rein optisch nicht überzeugen. Schade, hier wurde eine Chance vertan, denn die F.A.Z.-Woche könnte für eine Vielzahl von Werbetreibenden eine interessante Alternative im Nachrichtensegment sein“, meinte Becker. Gutverdienende Leser würden seiner Meinung nach „sicher auch ein paar Cent mehr bezahlen, wenn die Haptik mit der redaktionellen Qualität mithalten könnte.“

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