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„Die Höhle der Löwen“ bei Vox: Einstand nach Maß für „Robocop“ Maschmeyer und „Teilzeit Dressman“ DÜMMEL

Carsten "Maschi" Maschmeyer und Glimmerman Ralf DÜMMEL - die beiden Neuen bei "Die Höhle der Löwen"

300.000 Euro für Gewürze, 250.000 Euro für Online-Dirndls. Sogar für einen eher planlosen Reiseblogger gab es am Schluss noch 200.000 Euro und die Quoten waren auch bombig. Die Startup-Show „Die Höhle der Löwen“ hat sich mit ihrem Comeback zum TV-Groß-Event gemausert. Nicht ohne Grund. „Die Höhle der Löwen“ hat, was den meisten anderen TV-Shows derzeit fehlt: Substanz.

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Das Beruhigende für alle Fans des Formats: Der Ausstieg von Pleitier Vural Öger und „Ich bin raus!“-Frau Lencke Steiner ließ sich verschmerzen. Carsten Maschmeyer war zwar gewohnt maskenhaft aber seine Robocop-artige Tapsigkeit wirkte auch ein kleines bisschen niedlich. Sein Auftreten war gar nicht so unsympathisch, wie sich seine vielen Feinde das womöglich wünschen würden. Wie der Mann „in Wirklichkeit“ ist: Who knows? Who cares? Die Ferres Vroni vielleicht, aber gewiss nicht wir Otto Normalzuschauer. Der zweite Neuzugang ist „Vertriebsprofi“ und Teilzeit-Dressman Ralf DÜMMEL (man muss sich seinen Nachnamen IMMER in Großbuchstaben vorstellen und das auch so aussprechen: DÜMMEL!!). Er steht für das Maßhemdsärmelige, für das ganze bunte Plaste-Zeugs in Großregal-Lagern, in denen Gabelstapler pausenlos billige Thermomix-Nachbauten verladen. So einen braucht man wohl, wenn man „ganz Deutschland zuplakatieren“ will, wie DÜMMEL!! – ganz Stratege – erklärte. Ein echter Vertriebler also, der mit samtig-schwarz glänzendem Disco-Anzug, rotem Einstecktuch und roten Socken Edding-dick unterstreicht, was für ein Hammer-Mega-Erfolgstyp er ist.

Die anderen drei kennt man als Zuschauer schon und schätzt sie ja auch irgendwie: der freundliche Stunt-Onkel Jochen Schweizer in seiner Mönch-Joppe, die traditionell pfundweise überschminkte „Homeshopping-Queen“ Judith Williams und den stets leicht bis schwer missgelaunten App-Fetischisten und Hemd-aus-derHose-Träger Frank Thelen. Bei Vox haben sie der Versuchung widerstanden, an ihrem Erfolgsformat zu schrauben. Die Gründer wurden kurz vorgestellt, dann kam der Pitch und die Bewertung, das Nachgespräch und hopphopp weiter ging es. Unterbrochen natürlich von viel Werbung für Waschmittel, Naschkram und Firmen der Löwen.

Im Kern ist „Die Höhle der Löwen“ eine Casting-Show ohne Gesang aber mit Geld. Das macht die Sache ehrlicher und handfester. Man könnte jetzt anfangen zu meckern, dass das ja alles irgendwie Schleichwerbung ist und ob das denn nötig ist, dass Schweizer und Williams auch noch in den Werbeblöcken für ihre Unternehmen trommeln, dass womöglich die Löwen vorher schon wissen, was auf sie zukommt, dass viele Deals auch platzen und die Löwen in echt gar nicht so lieb und toll sind, wie sie tun (huch!) undsoweiter. Dies alles mögen Kritikpunkte sein aber das ändert nichts daran, dass „Die Höhle der Löwen“ verdammt unterhaltsam anzuschauen ist. Und darum geht es bei einer TV-Show schließlich zuvörderst.

Die Show schafft es sogar, einen ab und zu noch zu überraschen. Dass der Reiseblogger mit seinem hauchdünnen Konzeptchen von einer Travel-Community erst von F. Thelen und Maschi förmlich in der Luft zerrissen wurde (mit Recht!) und am Ende von Onkel Jochen doch noch 200.000 Euro zugesteckt bekam (freilich für 50 Prozent am Unternehmen) – wer konnte es ahnen? Und die Show sorgt für Gesprächsstoff: Ist die Dirndl-Frau nun eine echte Top-Gründerin oder hat sie bloß Glück, weil der Herr Papa als Stahl-Unternehmer die Trachten-Träume der Tochter eben auch durchpäppeln konnte? Und bringt die Ärmel-Bügelhilfe des leicht creepy Rechtsanwalts wirklich so viel wie Frau Williams denkt? Und warum zum Teufel, investiert sie dann nicht auch??

Man fühlt sich gut unterhalten und kann am TV-Schirm trefflich diskutieren ohne dass man sich fremdschämen müsste. Das ist sehr viel mehr, als man über sehr viele andere TV-Shows derzeit sagen kann.

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