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Böhmermann ging „entschieden zu weit“: ZDF-Programm-Chef rechtfertig Löschung des Schmähgedichtes

ZDF-Programmchef Norbert Himmler und Jan Boehmermann

Seit 2012 ist Norbert Himmler für das Gesamt-Programm des ZDF verantwortlich. Für Einige ist er aber vor allem der Mann, der das Schmähgedicht von Jan Böhmermann aus der Mediathek löschen ließ. Einen Tag vor dem Start der neuen „Neo Magazin Royale“-Staffel erklärt der TV-Macher im Interview mit der FAZ noch einmal ausführlich, warum er Böhmermann zensierte, dass es mit einer Vertragsverlängerung mit dem Moderator „sehr gut“ aussieht und warum Netflix & Co. von den ZDF-Abrufzahlen „nur träumen“ könnten.

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Bevor der Programmmacher des zweiten deutschen Fernsehens im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verraten durfte, was den geneigten Zuschauer in den kommenden Monaten an Programm-Highlights erwartet, musste er noch einmal genau erklären, warum er die Entscheidung traf, dass Schmähgedicht von Jan Böhmermann zu löschen.

Das ist alleine vor dem Hintergrund schon interessant, weil der Fall – wie FAZ-Medienmann Michael Hanfeld treffend feststellte – auf Grund der aktuellen Entwicklungen in der Türkei längst klein und unbedeutend wirkt.

Laut Himmler ging der Beitrag Schmähgedicht „programminhaltlich entschieden zu weit“. Deshalb habe er ihn, in Absprache mit dem Intendanten, aus der Mediathek genommen und keine weiteren Ausstrahlungen zugelassen. „Bei dieser Entscheidung bleibt es.“

Die Folgen seiner Entscheidung, wie auch die Wirkung des Gedichtes, überraschten Himmler dann jedoch auch gehörig. „Die Tragweite hat niemand von uns ermessen können. Dass das ‚Schmähkritik‘-Gedicht, das ja in einen Kontext eingebunden war, für Kritik sorgen würde, war klar. Dass es die Bundesregierung auf den Plan gerufen und den türkischen Präsidenten veranlasst hat, daraus eine Staatsaffäre zu machen, konnte niemand vorhersehen.“

Anders als zur Hoch-Zeit der Schmähgedicht-Debatte noch spekuliert, verliert das ZDF aber offenbar nicht die Lust an Böhmermann. Laut Programmchef befinde man sich in Verhandlungen für eine Vertragsverlängerung und es sehe „sehr gut“ aus.

Grundsätzlich ist der TV-Macher jedoch damit beschäftigt, mehr Inhalte für ein Publikum im Alter von Mitte zwanzig bis Mitte dreißig zu entwickeln, zu produzieren und auszustrahlen. Vor allem im Bereich Serie und Fiktion soll noch mehr passieren. So geht die Pastewka-Serie „Morgen hör ich auf“ in eine zweite Staffel, es kommt eine Spionage-Miniserie, die in den 70ern (statt in den 80ern, wie bei „Deutschland 83“) spielt oder auch das TV-Projekt „Tempel“, das sich mit der Gentrifizierung beschäftigt. Im Hauptprogramm dürfen sich Zuschauer auf die Serie „Das Pubertier“ nach dem Bestseller von Jan Weiler freuen.

Wie unter Deutschen TV-Machern längst üblich, kam auch das Gespräch mit der FAZ nicht ohne einen Seitenhieb in Richtung Amazon und Netflix aus. So wies Himmler noch einmal darauf hin, dass viele der ZDF-Miniserien („Blochin“, „Morgen hör ich auf“) „vor allem auch in der Mediathek genutzt“ werden würden. „Alle Welt lobt Netflix und Amazon, aber wer schaut auf die reichhaltigen Bestände unserer Mediathek? Wenn ich das alles addiere, dann haben wir Einschaltquoten und Abrufzahlen, von denen Netflix und Amazon in Deutschland nur träumen können“.

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