Anzeige

Nach kritischen Aussagen im „Sat.1-Frühstücksfernsehen“: Erdogan zeigt Boxweltmeister Ünsal Arik an

Der türkische Boxprofi Ünsal Arik (r.) in der FFS-Sendung am 2. August – die zur Strafanzeige von Erdogan geführt hat

Nach einem Auftritt im „Sat.1-Frühstücksfernsehen“ (FFS) hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Strafanzeige gestellt: Mit seinen kritischen Aussagen habe der türkische Boxprofi Ünsal Arik das Oberhaupt der Türkei beleidigt – darüber berichtet das Morgenmagazin in einem Beitrag. Zwar liege gegen das FFS selbst keine Anzeige vor, dem Angeklagten wolle man trotzdem zur Seite stehen, so eine Sendersprecherin auf MEEDIA-Anfrage.

Anzeige

Ein T-Shirt hat den Stein ins Rollen gebracht: Bei seinem Finalkampf im Superweltergewicht hat der türkische Boxprofi Ünsal Arik mit einem T-Shirt gegen Erdogan protestiert. Die Aufschrift: „Bu Ülke Atatürk´ün Tayyip´in Degi“ – „Das Land gehört Atatürk und nicht Erdogan“. Kurz darauf legte Arik im „Sat.1-Frühstücksfernsehen“ mit seiner Kritik nach. Und erklärte in der Sendung vom 2. August: „Erdogan macht Polit-Diktatur, für mich ist er Hitler 2.0“, so der Boxweltmeister. Darüber hinaus sei er stolzer Türke, der sein Land nicht schlecht mache – es aber von einem Diktatoren befreien wolle.

Diese Aussagen wurden in der Türkei gesehen und gehört. Präsident Erdogan hat nun Strafanzeige wegen Beleidigung gestellt, darüber berichtet das Frühstücksfernsehen in einem Beitrag vom vergangenen Freitag. Darüber hinaus sei Arik am 25. September zum Verhör in die Türkei geladen, dem sich der Boxprofi auch stellen will. „Ich stehe zu dem was ich gesagt habe“, so Arik.

Gegen das Frühstücksfernsehen selbst, beziehungsweise gegen Sat.1 oder die Sendergruppe ProSiebenSat.1, liege hingegen keine Strafanzeige vor. Doch: „Wenn wir von Ünsal Arik und seinem Anwalt gefragt werden, tragen wir gern zur Aufklärung zu seinem Auftritt im ‚Sat.1-Frühstücksfernsehen‘ bei.“, so eine Sendersprecherin auf Anfrage. „Und natürlich begleiten wir Herrn Arik dort auch weiterhin.“

Das könnte leichter gesagt als getan sein. Denn ein Rechtsanwalt, der im FFS die Lage einschätzt, prophezeit Arik eher schlechte Chancen vor Gericht. Denn auf Rechtsbeistand aus Deutschland müsse er wohl verzichten. Arik – der in Deutschland geboren wurde – hat seine türkische Staatsbürgerschaft behalten, untersteht somit (dem vollen) türkischem Recht. Der Boxweltmeister könnte schon mit Betreten von türkischem Boden verhaftet und auf Monate festgehalten werden, so der Rechtsexperte.

Anzeige