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Merkels haarige Hand: Social Media-Team der @Bundeskanzlerin blamiert sich bei Instagram

Der Instagram-Account gehört Bundeskanzlerin Angela Merkel, aber wem gehört die haarige Hand?

Social Media-Regel Nummer eins: Man sollte seine Nutzer nicht unterschätzen. Social Media-Regel Nummer zwei: Regel Nummer eins nicht vergessen. Das genau scheint in den vergangenen Tagen beim Instagram-Konto der @Bundeskanzlerin passiert zu sein: Während Angela Merkel ihren Sommerurlaub in Südtirol verbringt, postet Merkels achtköpfiges Social Media Team losgelöst von Raum, Zeit und Kontext Archivbilder. Instagram-Nutzer kritisieren die obskuren Posts.

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Es ist das Dilemma eines jeden Social Media-Managers: Der Chef ist im Urlaub, doch die Show muss irgendwie weitergehen – auch und gerade wenn es sich bei der Auftraggeberin um die Bundeskanzlerin handelt. Angesichts eines gleich achtköpfigen (!) Social Media-Teams, das sich um die Instagram-Aktivitäten (und andere Social Media-Kanäle) von Angela Merkel kümmert, überrascht jedoch der Output in den vergangenen Tagen.

Die Welt weiß: Die Kanzlerin befindet sich in diesen Tagen in ihrem wohlverdienten Sommerurlaub in Südtirol, wo die 62-jährige Jahr für Jahr ihrer Wander-Leidenschaft nachgeht. Steiler als in den Schluchten von Sulden kann die Vorlage für ein paar menschelnde Feelgood-Aufnahmen im Feelgood-Fotonetzwerk Instagram als @Bundeskanzlerin kaum sein.

Die @Bundeskanzlerin hat Urlaub, doch die Instagram-Nutzer bekommen davon nichts mit

Die durch die Flüchtlingskrise angeschlagene Kanzlerin, deren Umfragewerte immer weiter erodieren, hätte mit ein paar Sommerbildern auf dem beliebten Fotonetzwerk sicher Sympathiepunkte einheimsen können, statt der Bild-Zeitung mit wenig vorteilhaften Schnappschüssen das Feld zu überlassen – ausländische Regierungschefs wie Barack Obama oder Justin Trudeau leben seit Jahren vor, wie gewinnbringend der persönliche Einsatz von Social Media sein kann.

Es gibt schließlich auch einiges zu sehen im 388-Einwohner-Dorf in 1.900 Meter Höhe, wie andere Instagrammer vormachen:

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Ein von Irene van Kroonenburg (@irene_krb) gepostetes Foto am

Doch was macht Merkel? Die Bundeskanzlerin lässt im Urlaub ihr Social Media-Team bei Instagram einfach mal Archivbilder posten! Das jedoch weder besonders kreativ noch besonders gut: Am Mittwoch war ein Allerweltsblick in die Reichstagskuppel zum besichtigen. Selbst für einen Reiseführer eine nur mäßig originelle Aufnahme.

Screenshot: Instagram-Konto @Bundeskanzlerin
Screenshot: Instagram-Konto @Bundeskanzlerin

Gestern folgte dann – sehr einfallsreich –  ein Eis vor dem Kanzleramt. Dazu eine Bildunterschrift direkt aus dem Kreativitätsarchiv. „Sommerliche Stimmung vor dem Bundeskanzleramt.“

„Sommerliche Stimmung vor dem Bundeskanzleramt“ – bei 9 Grad?

Dass die Kanzlerin im 800 Kilometer entfernten Sulden nichts vom ausgefallenen Berliner Sommer mitbekommt – mag sein. Aber befindet sich der Rest des Social Media-Teams auch im Urlaub? Viel schlechter als gestern kann ein Augusttag mit Tiefsttemperaturen von 9 Grad in Berlin kaum sein. Und doch: „Sommerliche Stimmung vor dem Bundeskanzleramt“? Deplatzierter geht es kaum.

Screenshot: Instagram-Konto @Bundeskanzlerin
Screenshot: Instagram-Konto @Bundeskanzlerin

Vielleicht ist der Instagram-Account der @Bundeskanzlerin, der seit Juni 2015 betrieben wird, auch längst in den Autopilot-Modus umgestiegen, betrieben mit ruhiger Automaten-Hand. Wobei das mit der Hand so eine Sache ist, wie mehreren Instagrammern aufgefallen ist – war Angela Merkels Hand jemals so haarig?

Screenshot: Instagram-Konto @Bundeskanzlerin
Screenshot: Instagram-Konto @Bundeskanzlerin

Wohl kaum: Das Eis wurde vermutlich von einem männlichen Mitarbeiter einfach mal vor dem Kanzleramt gehalten. Die Nutzerreaktionen folgten umgehend:

Bildschirmfoto 2016-08-12 um 07.55.54
Bildschirmfoto 2016-08-12 um 07.56.09
Screenshot: Kommentare aus dem Instagram-Konto @Bundeskanzlerin
Screenshot: Kommentare aus dem Instagram-Konto @Bundeskanzlerin

Archiv-Posts losgelöst von Raum, Zeit und Kontext

Spätestens an dieser Stelle wird den 177.000 Nutzern eine weitere Illusion genommen: Dass die Kanzlerin selbst postet – ok, sie mag Wichtigeres zu tun haben. Aber dass ihr achtköpfiges Social Media-Team, losgelöst von Raum, Zeit und Kontext, wahllos Archivbilder veröffentlicht, ist des Instagram-Kontos einer deutschen Regierungschefin kaum würdig.

Vielleicht sollte sich Angela Merkel nach der Rückkehr aus ihrem Urlaub den Umgang mit Social Media noch einmal gründlich überlegen – oder sonst auch die Empfehlung der amerikanischen Präsidentsschaftskandidatin Hillary Clinton an Donald Trump in Erwägung ziehen: „Lösch das Konto„.

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