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Wirbel um FAZ-Artikel: Hat das Hotel Kempinski Israel wegen arabischen Gästen verleugnet?

Claude Lanzmann vermisste Israel im Ländervorwahlverzeichnis des Hotels Kempinski

Der französische Regisseur Claude Lanzmann („Shoah“) hat in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) schwere Vorwürfe gegen das Kempinski Hotel Bristol am Kurfürstendamm in Berlin erhoben. Ein Hotel-Mitarbeiter habe ihm erzählt, dass Israel aus Rücksicht auf arabische Gäste aus dem Ländervorwahl-Verzeichnis gestrichen worden sei. Das Hotel dementiert.

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Lanzman beschreibt in dem FAZ-Artikel, wie er in dem Kempinski-Hotel die Liste mit Ländervorwahlen anschaut und ihm auffällt, dass Israel fehlt. Lanzmann:

Dass Israel ausradiert wird, hatte ich in Gaza erlebt, in einer eher ruhigen Phase, als ich dort die arabischen Schulen besuchte. Man zeigte mir die Karten der Region: Israel war auf ihnen nicht verzeichnet, denn Israel darf in den Köpfen der Araber nicht existieren. Hier und jetzt, in Berlin, das Gleiche: Israel wird von der Telefonliste gestrichen.

An der Rezeption des Hotels habe ihm dann ein Mitarbeiter gesagt: „Monsieur, es macht mich glücklich, dass Sie diese Frage aufwerfen. Ich bin selbst Jude, es handelt sich bei der Maßnahme um eine bewusste Entscheidung der Direktion des Kempinski-Hotels, gegen die wir leider machtlos sind.“ Die Mehrheit der Hotelgäste sei Araber und die hätten „verlangt, dass Israel gestrichen werde.“ Skandal! Mitten im „neuen Deutschland“ im Jahr 2016 sieht „Shoah“-Regisseur Claude Lanzmann den Nationalsozialismus im Hotel Kempinski am Kurfürstendamm wieder aufmarschieren: „Es war grauenhaft. Alles um mich herum schien wieder möglich zu werden. Nicht nur die Auferstehung des Nationalsozialismus.“

Die Story schlug naturgemäß hohe Wellen. Andere Medien stiegen ein, die Kommentarspalten des Hotels bei Facebook füllten und füllen sich mit empörten Kommentaren. Kann das wirklich sein, dass ein Berliner Nobelhotel Israel auf Wunsch „der Araber“ Israel von der Liste der Ländervorwahlen streicht? Es klingt wenig glaubhaft. Gegenüber Medien, u.a. dem Tagesspiegel und dem Deutschlandradio, gab die Hotelleitung zu Protokoll, dass es „keine Anweisung seitens der Hoteldirektion und auch nicht von der Kempinski AG“ gegeben habe, die israelische Vorwahl nicht in die Ländervorwahl-Liste aufzunehmen. Das Statement weiter:

Dies würde auch unseren Grundsätzen von Gastfreundschaft und Offenheit gegenüber allen Menschen widersprechen. Wir möchten explizit betonen, dass es sich bei der benannten Liste um keine vollständige Auflistung aller Ländervorwahlen handelt, sondern lediglich um eine Auswahl von 35 Vorwahlen, der insgesamt 193 Ländervorwahlen weltweit. Es gab keinen dezidierten Grund, dass das Land Israel auf der Liste nicht benannt war und wir haben die Vorwahl selbstverständlich ergänzt. Grundsätzlich sind bei uns alle Gäste herzlich willkommen. Sollten wir mit dem Fehlen der israelischen Vorwahl die Gefühle von Herrn Lanzmann verletzt haben, so bitten wir aufrichtig dies zu entschuldigen.

Für eine Nachfrage vor der Veröffentlichung beim Hotel, warum Israel nicht auf der Liste steht, war bei der FAZ offenbar keine Zeit.

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