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Nach umstrittenem ARD-Interview: RTL-Korrespondentin Antonia Rados trifft Staatspräsident Erdogan

Erdogan sucht erneut das Gespräch mit deutschen Medien: Antonia Rados interviewte ihn für RTL – das Ergebnis ist: übersichtlich

Das ARD-Interview mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan vor zwei Wochen war ein journalistischer Scoop, wurde handwerklich aber scharf kritisiert. BR-Chefredakteur Siegmund Gottlieb habe nicht kritisch genug nachgefragt. Nun bekommt der deutsche Journalismus eine zweite Chance: Nach MEEDIA-Infos ist RTL-Korrespondentin Antonia Rados mit Präsident Erdogan zum Interview verabredet.

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Für RTL ist die Gelegenheit auf dem internationalen Parkett ein doppelter Scoop: Zum einen bekommt Rados die Möglichkeit, aus der vorangegangenen Kritik am BR-Kollegen zu lernen und Erdogan jene Fragen zu stellen, die bislang nicht thematisiert wurden. Kritisiert wurde unter anderem, dass Gottlieb den umstrittenen Staatspräsident nicht auf die Schließung von Zeitungsredaktionen und Verhaftung Dutzender Journalisten angesprochen hatte. Auch auf das Gewerkschaftsverbot und den Putschversuch ging das ARD-Interview nicht oder nach Ansicht der Kritiker zu wenig ein. Darüber hinaus erhält RTL mit dem Interview die Gelegenheit, die journalistische Arbeit des Hauses zu betonen. Zuletzt geriet der Sender wegen fragwürdiger Recherchemethoden in die Schlagzeilen, als ein Reporterteam eine Polizistin mit einer versteckten Kamera ausstattete und Polizeibeamte offenbar monatelang ausspähte. Gegen die Mitarbeiter ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft.

Wie MEEDIA aus Senderkreisen erfuhr, ist das Treffen für Donnerstagnachmittag um 16.15 Uhr geplant. Nach Sendeplanung sollen Inhalte des Interviews am Freitag ins Programm einlaufen. So werden erste Auszüge in den Abendnachrichten von „RTL aktuell“ zu sehen sein, das „Nachtjournal“ soll dann das komplette Interview zeigen. Auf Nachfrage von MEEDIA hat RTL bislang nicht reagiert, bestätigte am Nachmittag den Termin aber gegenüber der Funke-Zentralredaktion.

Nach dem Interview mit der ARD dürfte es beim Gespräch von Antonia Rados auch um die richterliche Entscheidung gehen, dass der Staatspräsident bei der Demonstration von Erdogan-Anhängern in Köln nicht per Video-Schalte sprechen durfte. Ebenfalls zum Thema werden könnte Erdogans Entscheidung, sämtliche Ermittlungsverfahren und Klagen wegen Beleidigungen fallen zu lassen. Nach bisherigem Stand betrifft dies aber keine Verfahren in Deutschland. Hier wird weiter gegen den ZDF-Moderator Jan Böhmermann wegen Majestätsbeleidigung ermittelt.

Anmerkung der Redaktion: 
In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass das Interview für Freitag geplant sei. Tatsächlich soll es am Donnerstag stattfinden.

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