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Kritische Reportage oder journalistische Fehlleistung? Viel Wind um Windenergie-Doku in der ARD

Umstrittene ARD-Doku über den "Kampf um die Windräder"

In der Reihe „Exklusiv“ zeigte die Redaktion des „Report Mainz“ Anfang August eine Doku über die Machenschaften der Windenergie-Lobby in Deutschland. Titel: „Der Kampf um die Windräder“. Nach der Sendung hagelte es Kritik an der Machart.

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Die halbstündige Doku zeichnet ein eindeutiges Bild: Windenergie wird in Deutschland zu massiv ausgebaut, ohne Rücksicht auf Anwohner und Natur. In Kommunen herrscht Korruption, die Politik wird von der mächtigen Wind-Lobby gesteuert. Die Zeche zahlen die kleinen Leute, etwa eine alleinerziehende Mutter, die ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen kann (angeblich wegen der Erneuerbare Energien Umlage).

Der Film vermittelt in der Tat ein eindrückliches Bild. Wer ihn gesehen hat, kann Windkraft eigentlich nicht gut finden. Wie die Stuttgarter Wochenzeitung Kontext aufgeschrieben hat, regte sich nach der Ausstrahlung allerdings massive Kritik an den dargestellten Fakten und der Machart der Doku. Das Magazin Klimaretter.info etwa kritisierte die einseitige, emotionale Darstellung, die Windenergie und die Energiewende pauschal verteufle. Statt Umfragen oder Statistiken würden emotional Einzelschicksale herausgegriffen und mit dem CDU-Politiker Michael Fuchs auch ein ausgewiesener Freund der Atom-Lobby zu Wort kommen gelassen.

Das Magazin Erneuerbare Energien listet sogar minütlich angebliche Fakten-Fehler in der Doku auf. Wobei freilich nicht unerwähnt bleiben soll, dass das Magazin Erneuerbare Energien sich als eine Art Sprachrohr für die Branche versteht.

Windkraft ist ein Reizthema in Deutschland. Gegner und Befürworter stehen sich unversöhnlich gegenüber und schrecken vor Propaganda und Faktenverzerrung nicht zurück. Es ist sehr schwierig bei diesem Thema, eine neutrale oder sachliche Darstellung der Verhältnisse zu bekommen. Je nachdem, wem man zuhört, klingen die Argumente jeweils stichhaltig und überzeugend. Eigen-Interessen und Verflechtungen werden oft verheimlicht.

Das ist vermutlich der größte Vorwurf, den man der ARD-Doku machen kann: Dass sie sich in einem derartig polarisierenden Thema zu sehr auf eine Seite geschlagen hat. Der Film kennt nur eine Richtung: contra Windkraft. Argumente von Befürwortern tauchen gar nicht oder nur sehr verkürzt auf. An vielen Stellen wird recht einseitig Stimmung gemacht. So wird beispielsweise die Praxis der Windkraft-Lobby, Demonstranten mit vorgefertigten Plakaten und E-Mail-Textbausteinen auszustatten als besonders perfide und skandalös dargestellt, obwohl solche Methoden bei der Lobbyarbeit gang und gäbe sind.

Selbstverständlich ist es skandalös, wenn sich Kommunalpolitiker bereichern, indem sie dem Bau von Wind-Anlagen zustimmen, die dann auf ihren eigenen Grundstücken gebaut werden, um üppige Pacht-Einnahmen einstreichen zu können. Oder wenn, was in der Doku nicht thematisiert wurde, Land-Anlagen der Vorzug vor See-Anlagen gegeben wird, weil bei letzteren weniger Subventionen fließen.

Dass Windenergie aber ein notwendiger Bestandteil des Energie-Mixes sein kann (und wohl auch muss) wird bei der Reportage, für die laut SWR „monatelang recherchiert wurde“, komplett ausgeblendet. Statt einzelne Missstände konsequent und durch Fakten belegt aufzudecken, wird eine Branche pauschal an den Pranger gestellt und eine Energieform verdammt. Außer der emotional aufgeladenen Botschaft „Windenergie ist böse“ bleibt nichts hängen.

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